Bochums Mimoun Azaouagh sorgte am 1. Spieltag mit zwei fulminanten Toren aus der Distanz für Aufsehen. bundesliga.de präsentiert Wissenswertes rund um den gebürtigen Marokkaner.

Marokko

Mimoun Azaouagh wurde am 17. November 1982 in Benisidel geboren. Der Ort liegt in Marokko, in der Provinz Nador, unweit der spanischen Enklave Melilla. Die Stadt scheint ein gutes Pflaster für Profifußballer zu sein. Auch Youssef Mokhtari, Spielmacher bei der SpVgg Greuther Fürth, erblickte in Benisidel das Licht der Welt. "Ich habe auf jeden Fall nicht nur eine deutsche Mentalität", sagt Azaouagh: "Marokko ist mein Land, meine Eltern kommen daher, meine Geschwister sprechen Marokkanisch. Das Marokkanischste an mir ist vielleicht das Zeitempfinden."

Straßenfußball

Als Kleinkind kam Azaouagh mit seiner Familie nach Frankfurt. Er hat zwei Brüder und zwei Schwestern und wuchs zweisprachig auf - deutsch und berberisch. Seine unbekümmerte Spielweise hat sich Azaouagh im Frankfurter Ostend angeeignet. "Ich habe sehr viel Zeit auf der Straße mit meinen Jungs verbracht. Direkt nach der Schule ging es auf die Straße. Über 100 Bälle sind im Main gelandet", sagt er.

Adler I

Als Sechsjähriger kam er zum FSV Frankfurt, der Nummer zwei in der Mainmetropole. Acht Jahre lang hielt er den Bornheimern die Treue, bevor er zur Nummer eins wechselte - der Frankfurter Eintracht.

Adler II

Als Spieler der Frankfurter Eintracht trug er erneut einen Adler auf der Brust. Bei der SGE schaffte er den Sprung in die Oberliga und absolvierte dort 40 Spiele in denen er fünf Tore erzielte. 1999 wechselte der offensive Mittelfeldspieler zum nächsten Top-Club in der Region - dem damaligen Zweitligisten FSV Mainz 05.

Ziehsohn

Der Ex-Bochumer Uwe Stöver holte Azaouagh von der Mainzer A-Jugend in die U 23. Jürgen Klopp zog ihn anschließend hoch zu den Profis. Gegen den SSV Reutlingen feierte er im September 2002 sein Debüt in der 2. Bundesliga. Der heutige Dortmund-Coach schätzte vor allem die große Einsatzbereitschaft Azaouaghs. "Er gehört zu den Spielern, die ich nach dem Training in die Kabine prügeln muss", sagte der ehemalige Mainz-Coach damals. 2004 stiegen sie gemeinsam in die Bundesliga auf.

Allrounder

2004 zog es Azaouagh für zwei Jahre zu Schalke 04, wo er mit Verletzungspech zu kämpfen hatte. Nach einem Jahr Ausleihe an seinen Ex-Club Mainz (2006/07) und einer weiteren unbefriedigenden Hinrunde auf Schalke wurde er schließlich an den VfL Bochum ausgeliehen. 2008 wechselte er endgültig zum VfL. Für Trainer Marcel Koller ist er nicht zuletzt so wertvoll, weil er im Mittelfeld vielseitig einsetzbar ist. "Ganz egal ob mit Raute, flacher Vier oder Tannenbaum, ich finde mich überall zurecht. Auf der Sechs, links, rechts oder als Zehner", sagte der Allrounder dem "kicker", "mich kann nichts schocken. Das ist die Klopp-Schule."

Musik

Musik spielt im Leben von Mimoun Azaouagh eine große Rolle. "Fußball und Musik gehören untrennbar zusammen", sagt der quirlige Mittelfeldspieler: "Das eine geht ohne das andere nicht.” Vorwiegend hört er House.

Adler III

Azaouagh entschied sich im Frühjahr 2003 für die deutsche Staatsbürgerschaft - und damit auch für die deutsche Nationalmannschaft. Sechs Spiele bestritt er zwischen 2003 und 2004 für die U 21. "Ich bin als Säugling hierher gekommen, war bis zum Alter von 13 regelmäßig in Marokko, seitdem aber kein einziges Mal mehr", so Azaouagh.

Statur

Wäre Mimoun Azaouagh ein Boxer, dürfte er mit seinen knapp 63 Kilogramm (verteilt auf 174 Zentimeter) fast noch in der Gewichtsklasse "Leichtgewicht" antreten (bis 61,235 Kilogramm im Profibereich). "Mir wurde eigentlich immer gesagt, dass ich es nie schaffen würde. Ich sei zu klein oder zu schwach, körperlich unterlegen", sagt Azaouagh: "Aber das war für mich immer nur ein Ansporn, mich noch mehr reinzuhängen. Ich wollte es allen zeigen."

Raffinesse

Am 1. Spieltag der laufenden Saison versenkte er den Ball beim Stande von 0:3 gegen Gladbach binnen 48 Sekunden zwei Mal im rechten Torwinkel. Mönchengladbachs Torhüter Christofer Heimeroth war bei beiden Treffern machtlos. Ähnlich schlechte Erinnerungen an eine Begegnung mit Azaouagh dürfte Frankfurts Oka Nikolov haben. Am 9. März 2008 düpierte Azaouagh den Keeper frech beim Freistoß. Er erspähte, dass Nikolov sich noch dem Stellen seiner Mauer widmete. Der Bochumer fragte beim Schiedsrichter nach, ob er schon schießen dürfe und zirkelte den Ball prompt ins Tor, als dieser bejahte.


Video: Mimoun Azaouagh im Interview!