München - 1,92 Meter groß, gut 90 kg schwer - die Maße lesen sich wie die eines Türstehers, es sind aber die eines echten Modellathleten: Aristide Bance. Nach zwei Jahren in der Wüste kehrt der Sturmtank in die Bundesliga zurück, um dem Angriffsspiel des FC Augsburg neue Durchschlagskraft zu verleihen. bundesliga.de stellt den 27-Jährigen vor.

Mindestens genauso überraschend, wie die Schwaben die Verpflichtung des Mittelstürmers in der vergangenen Woche verkündeten, hatte dieser Deutschland im Sommer 2010 den Rücken gekehrt. Nach zwei erfolgreichen Jahren im Trikot des 1. FSV Mainz 05, den Bance 2008/09 erst mit 14 Treffern zum Bundesliga-Aufstieg und im Jahr darauf mit zehn Toren zum Klassenerhalt geschossen hatte, zog es den "Wandervogel" zu Al-Ahli Dubai.

Torjäger mit sozialer Ader



Ein Wechsel, der anfangs schwer nachvollziehbar schien. Schließlich gelten die Emirate gemeinhin nicht gerade als Mekka des Weltfußballs. Anstatt sich vor vollen Häusern mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund zu messen, sollte Bance, dessen Markenzeichen seine stets grellgefärbte Haarpracht ist, nun gegen Clubs wie Al Shabab und Ajman spielen. Dass der damals erst 25-Jährige dem Lockruf der zahlungskräftigen Scheichs erlag, wirkte wie ein klarer Fall von "Fußballsöldnertum" - das war allerdings zu kurz gegriffen.

Denn Bance hat dabei keineswegs nur an sich selbst gedacht, sondern auch an seine diversen sozialen Projekte, die gewissermaßen direkt an sein Bankkonto gekoppelt sind. 1984 in der ivorischen Hauptstadt Abidjan geboren, musste er als Jugendlicher vor dem Bürgerkrieg fliehen und fand in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, eine neue Heimat. Dort betreibt er schon seit einigen Jahren eine Fußballschule für Kinder, bezuschusst gleichzeitig verschiedene Hilfsprojekte und unterstützt nicht zuletzt seine gesamte Familie.

Neue Chance für den "Wandervogel"



Wirtschaftlich diente der Weg in die Wüste also einem guten Zweck. Sportlich war es dagegen eine Sackgasse. Kaum ein Jahr dort, verlieh Al-Ahli Bance erst an den Umm-Salal SC aus Katar, dann in die türkische Süperlig an Samsunspor. Trotz fünf Toren in 20 Spielen vermochte er das Team von der Schwarzmeerküste jedoch nicht vor dem Abstieg zu bewahren - es blieb eine weitere Zwischenstation für den Mann, der seine Karriere einst beim Santos FC Ouagadougou begonnen und die Schuhe danach für den SK Lokeren, Metalurg Donezk, Germinal Beerschot und Kickers Offenbach geschnürt hatte.

Umso größer ist darum Bances Freude, bei den Fuggerstädtern an seine glorreichen Tage in der deutschen Beletage anknüpfen zu können. "Es ist toll, wieder in die Bundesliga zurückkehren zu können. Ich bin froh und dankbar, dass der FC Augsburg mir die Chance gibt, wieder in Deutschland Fußball zu spielen", erklärte der Neuzugang, der einen Drei-Jahres-Vertrag und die "Nummer 23" erhielt.

Kompletter Stürmer



Trainer Markus Weinzierl erwartet sich von dem Transfer eine ganze Menge. Mit Bance werde nicht nur die "Qualität im Kader erhöht", sondern speziell das Spiel "im Angriff noch ein Stück flexibler". Zumal der "Büffel aus Burkina Faso", wie ihn die Boulevardpresse zu Mainzer Zeiten feierte, trotz seiner wuchtigen Statur keineswegs ein reiner Strafraumstürmer ist. Vielmehr ist er äußerst flink auf den Beinen und technisch versiert, dazu kopfballstark und robust. Und ausgestattet mit einem Schuss wie ein Pferd: Fünf seiner zehn Tore 2009/10 waren Weitschusstreffer.

Mit anderen Worten, Bance ist ein kompletter Stürmer, der eigentlich alles mitbringt. Mitunter neigt er aber dazu, die Beherrschung zu verlieren. Unvergessen sind nämlich auch zwei Platzverweise, eine Sperre nach TV-Beweis und einige spektakuläre "Privatfehden" mit seinen Gegenspielern. Dabei gilt der Hüne abseits des Platzes als eher ruhige, ernste und relativ schüchterne Persönlichkeit - gefangen im Körper eines Türstehers.

Stefan Missy