Köln - In Europas Top-Ligen sind kurz vor Weihnachten nur noch zwei Vereine ungeschlagen: Real Madrid und die TSG 1899 Hoffenheim. Die Kraichgauer sind seit 14 Spielen ohne Niederlage. bundesliga.de hat zusammengestellt, was die TSG auszeichnet und besonders gut macht.

1899 Hoffenheim ist auch nach dem 14. Spieltag ohne Niederlage (sechs Siege, acht Remis) und baut den Vereinsrekord immer weiter aus. Nie zuvor blieb die TSG so lange in Serie ungeschlagen (bisher maximal zehn Spiele), schon gleich gar nicht zu Saisonbeginn (da maximal neun Spiele).

Vor der TSG blieb in der Bundesliga-Historie elf Mal eine Mannschaft an den ersten 14 Spieltagen unbesiegt (fünf Mal Bayern München, zweimal Bayer Leverkusen, je einmal der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, der 1. FC Köln und der 1. FC Kaiserslautern). All diese Teams landeten am Saisonende unter den ersten vier der Tabelle (dort steht die TSG auch aktuell). Bleibt es dabei, dann gäbe es in der kommenden Saison womöglich Champions-League-Spiele in Sinsheim.

Unter Nagelsmann drittbestes Team der Bundesliga

In den sechs europäischen Top-Ligen (Deutschland, England, Spanien, Italien, Frankreich, Portugal) gibt es außer Hoffenheim nur eine einzige Mannschaft, die in der Liga noch ohne Niederlage ist: Real Madrid. Was für ein Duo – 1899 Hoffenheim und Real…

Nur fünf der 28 Partien mit dem jüngsten Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte verlor 1899 (nur Bayern musste in diesem Zeitraum weniger Niederlagen hinnehmen – ohne die Aufsteiger) und holte 49 Punkte.

Nicht einmal jedes fünfte Bundesliga-Spiel unter Nagelsmann ging also verloren; von allen Bundesliga-Trainern, die mindestens so viele Spiele an der Seitenlinie standen wie Nagelsmann, haben nur vier eine geringere Quote an Niederlagen: Die ehemaligen Bayern-Trainer Pep Guardiola, Giovanni Trapattoni und Louis van Gaal sowie der früher Leverkusener Coach Sascha Lewandowski.

Attraktiver Offensivfußball ist das Ziel

© gettyimages / Adam Pretty/Bongarts

Unter Julian Nagelsmann ist das System nicht entscheidend, Variabilität ist gefragt; zuletzt etablierte er ein 3-5-2-System. Die typische TSG- Spielweise ist von viel Tempo und Risiko nach vorne gekennzeichnet, mit Leidenschaft und aggressivem Pressing bei Ballbesitz des Gegners. Hoffenheim gehört zu den vier Mannschaften mit der größten Laufstrecke (115,4 Kilometer pro Spiel) und spulte ligaweit die zweitmeisten Sprints ab (224 pro Spiel).

Nur in drei der 28 Bundesliga-Spiele unter Nagelsmann gelang kein Tor, im Schnitt fielen unter ihm 1,6 Tore pro Spiel. Die TSG gab in dieser Saison hinter den Bayern die zweitmeisten Torschüsse ab (201). Es hätte noch mehr Tore sein können, die Chancenverwertung der TSG ist nicht gut (nur 40 Prozent genutzte Großchancen). Gerade Andrej Kramaric vergab zu viele Chancen (überzeugt aber als Vorbereiter).

Die Balance stimmt: Aktuell sind es bei Hoffenheim auch nur 14 Gegentore in 14 Spielen. Der Schnitt in den vorherigen vier Spielzeiten betrug 1,8 Gegentreffer pro Partie (246 in 136 Spielen).

Nagelsmann macht die Spieler besser

© DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Über die Hälfte der Hoffenheimer Saisontore in der Bundesliga (13 von 25) erzielten Spieler, die im Sommer erst zum Kader dazu stießen: Sandro Wagner erzielte sieben Tore in 13 Spielen, Kerem Demirbay traf auch schon drei Mal, Lukas Rupp kommt auf zwei Treffer und Rückkehrer Adam Szalai traf einmal.

Julian Nagelsmann hat seinen Kader gezielt verstärkt. Dazu kommt, dass einige Akteure unter ihm einen Leistungssprung machten: Oliver Baumann wehrte in der Ära Nagelsmann 78 Prozent der Bälle auf sein Tor ab; vorher kam er im Hoffenheimer Trikot nur auf eine Quote von 69 Prozent.

Pavel Kaderabek ist unter Nagelsmann gesetzt, der Tscheche kam in dieser Saison in allen 14 Spielen zum Einsatz – auf verschiedenen Positionen. Er spielt viel präsenter als noch in der letzten Saison. Niklas Süle ist mittlerweile einer der besten Abwehrspieler in der Bundesliga: Er gewann 67 Prozent seiner Zweikämpfe, das ist der Bestwert bei der TSG. In 26 Bundesliga-Spielen unter Nagelsmann beging er nur elf Fouls. Vorher waren es viel mehr.

Der Trainer gibt der Jugend eine Chance

Mark Uth erzielte in 21 Bundesliga-Spielen unter Nagelsmann elf Tore; in den zwölf Partien unter Markus Gisdol und Huub Stevens war er nur einmal erfolgreich. Sebastian Rudy gab in dieser Saison schon drei Torvorlagen und war damit schon jetzt an genauso vielen Toren beteiligt wie in der ganzen letzten Saison.

Kevin Vogt machte seine Sache als zentraler Mann in der Dreierabwehrkette zuletzt sehr gut: In diesen neun Spielen mit ihm Abwehrchef gab es nur vier Gegentore (bei den beiden Gegentoren gegen den Hamburger SV war er schon verletzt ausgewechselt worden).

Zudem baute der junge TSG-Coach viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ein: Jeremy Toljan, Nadiem Amiri, Philipp Ochs oder Baris Atik kommen vermehrt auf Einsätze. Kein Wunder, wer kennt die Nachwuchsabteilung der TSG besser als Nagelsmann?