Köln - Mit dem 1:0-Auswärtssieg in Mainz gelang dem Aufsteiger FC Ingolstadt ein Traumstart in die neue Saison. Auch Mitaufsteiger Darmstadt 98 holte beim 2:2-Unentschieden gegen Hannover 96 einen Punkt. Wie sich ein erfolgreicher Start für einen Aufsteiger auf den weiteren Saisonverlauf auswirkt, hat bundesliga.de mit zahlreichen Fakten belegt.

In der jüngeren Vergangenheit erlebten die Aufsteiger immer wieder einen erfolgreichen Start in das „Neuland“ Bundesliga. Was auch immer die Gründe dafür sein mögen, ob die Euphorie in einer neuen Liga beflügelte oder die Gegner die Neulinge unterschätzten, unter dem Strich erspielten sich die Aufsteiger seit der Saison 2007/08 zum Auftakt eine erstaunliche Bilanz.

Am 1. Spieltag haben Aufsteiger eine starke Bilanz

So kamen die Aufsteiger in den letzten neun Spielzeiten (inklusive 2015/16) auf eine positive Bilanz am 1. Spieltag. Von 22 Partien wurden neun gewonnen, sechs Mal gab es ein Remis und nur sieben Mal verloren die Aufsteiger.

 Damit gewannen die Aufsteiger 41 Prozent der Spiele, 32 Prozent der Partien gingen verloren. Im Laufe der Saison nimmt der Erfolg der Aufsteiger kontinuierlich bis auf 27 Prozent im letzten Viertel der Saison ab. Wurde in den letzten neun Jahren am 1. Spieltag fast jedes zweite Spiel von den Aufsteigern gewonnen, war es bis zum Saisonende fast nur jede vierte Partie.

 Und auch die Torbilanz an ersten Spieltagen war für die Aufsteiger in den letzten Jahren eindrucksvoll, 37 Treffer erzielten die Neulinge selbst, wurden aber nur 29 Mal überwunden – die Tordifferenz beträgt also plus 8. Am Ende der Spielzeiten sah das dann ganz anders aus, die Tordifferenz betrug nach 34 Spieltagen insgesamt -339!

Nach der Winterpause hakt es

 Die Siegquote der Absteiger nimmt schon im Laufe der Hinrunde dramatisch ab, extrem schwierig wird es für die Neulinge dann direkt nach der Winterpause. Vielleicht wiegen sich zu viele Klubs schon in Sicherheit, fühlen sich wie ein „echter“ Bundesligist und/oder wurden nun auch von der renommierten Konkurrenz endgültig ernst genommen.

 Zwar stieg die Siegquote dann in Richtung Saisonende wieder an, dafür verloren die Aufsteiger im letzten Viertel der Saison über die Hälfte der Partien. Die Hopp-oder-Topp-Mentalität im Saisonendspurt ging für die Aufsteiger meist in die falsche Richtung…

Ein Sieg am 1. Spieltag ist für einen Aufsteiger durchaus auch im Hinblick auf den Klassenerhalt nicht ganz unwichtig. Fünf der acht Aufsteiger, die seit 2007/08 die Klasse hielten, fuhren am 1. Spieltag Siege ein (keine Hilfe war dieser Dreier für Düsseldorf 2012/13, für St. Pauli 2010/11 und für Duisburg 2007/08).

Chance auf Klassenerhalt steht bei 63 Prozent

63 Prozent der Neulinge, die mit einem Sieg starteten, blieben also am Saisonende in der Eliteklasse. Von den sieben Aufsteigern, die hingegen verloren, verblieben nur drei in der Bundesliga (43 Prozent).

In der letzten Saison starteten die Aufsteiger aus Köln und Paderborn mit einem Remis in die Bundesliga, bei ihnen wurde deutlich, wie die Euphorie vor allem zum Saisonstart helfen kann.

Beide Klubs blieben dann sogar an den ersten vier Spieltagen unbesiegt, Paderborn reiste gar als Tabellenführer in der 5. Runde zu den Bayern. Am Ende reichte es für den SCP aber nicht, die Mannschaft wurde durchgereicht und stieg am Ende als Letzter ab. Köln hingegen rettete sich.

Vorsicht Unentschieden

In den 51 bisherigen Bundesliga-Spielzeiten seit 1964 gab es 133 Aufsteiger (1963 gab es keine). Von diesen sind 40 Prozent (53) gleich wieder abgestiegen. 35 Prozent der Aufsteiger (13 von 37), die am ersten Spieltag gewonnen haben, sind abgestiegen. 37 Prozent der Aufsteiger (23 von 62), die am ersten Spieltag verloren haben, sind abgestiegen. Das ist kein großer Unterschied.

Das fatale Ergebnis für einen Aufsteiger am ersten Spieltag ist das Remis: 50 Prozent der Aufsteiger, die mit einem Remis in die Saison gestartet sind, stiegen später ab (17 von 34).   Hier waren die letzten acht Jahre aber gegen den Trend, fünf Mal teilten die Aufsteiger seit der Saison 2007/08 zum Auftakt die Punkte, nur Paderborn erwischte es am Saisonende. Das spricht für Darmstadt.

Nur vier von zwölf stiegen ab

1963/64 waren alle 16 Teams Neulinge, damals gewannen Köln, Duisburg, Bremen und Schalke die erste Partie. Seitdem folgten also noch 38 Neulinge. Von diesen 38 Teams (inklusive Ingolstadt) feierten 13 einen Sieg am 1. Spieltag.

Vor den Ingolstädtern war dies zuletzt 1899 Hoffenheim gelungen. 2008/09 gab es zum Auftakt ein 3:0 in Cottbus. Von den zwölf Ingolstädter Vorgängern (also Neulinge nach 1963/64, die am 1. Spieltag gewannen), stiegen am Ende der Premierensaison nur vier wieder ab – zuletzt 1991/92 Hansa Rostock.

Rehhagels Coup mit Kaiserslautern

Wie sehr ein Sieg zum Auftakt beflügeln kann, bewies einst legendär der 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1997/98. Das Team unter Otto Rehhagel siegte mit 1:0 bei den Bayern und legte hier einen kleinen Grundstein zum historischen Meistertitel. Die Roten Teufel blieben damals an den ersten sieben Spieltagen ungeschlagen, verloren dann erst zu Hause mit 1:3 gegen Werder.

Das war allerdings nicht die historisch längste Erfolgsserie eines Aufsteigers von Saisonbeginn an, für diese sorgte der heutige Trainer von St. Pauli Ewald Lienen im Spieljahr 1993/94 mit dem MSV Duisburg: Die Zebras verloren damals erst am 11. Spieltag in Mönchengladbach.