Köln - Das Nordderby zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen ist die Mutter aller Bundesliga-Spiele. Kein Duell fand häufiger statt. Das Nordderby bewegt seit Jahrzehnten Fußball-Fans im ganzen Land.

Saison 1963/64, Werder - HSV 4:2

Nachdem beide Teams jahrelang in der Oberliga Nord um Punkte kämpften, fand am 12. Oktober 1963 die Premiere in der neugegründeten Bundesliga statt. 39.000 Fans strömten damals ins Weserstadion und sorgten so für einen Rekord in Bremen. Auf dem Rasen hatte vor allem Arnold "Pico" Schütz seinen Spaß. Von seinen insgesamt 69 Bundesliga-Toren erzielte er an diesem Sonnabend gleich drei. "Der Trainer hatte uns vorher schon eingenordet", verriet Schütz anschließend. "Da hieß es: Hör zu, heute gegen den HSV muss volle Pulle gespielt werden. Da wird nicht rumgedaddelt!" Die Jungs hörten auf Coach Willy Multhaup und siegten verdient mit 4:2.

Saison 1982/83, Werder - HSV 3:2

Es war eine unglaubliche Serie des Hamburger SV. Ein Jahr lang blieb die Truppe von Trainer-Legende Ernst Happel ungeschlagen. Nach 20 Siegen und 16 Unentschieden fand die Serie aber ausgerechnet gegen den großen Rivalen ein jähes Ende. Am 19. Spieltag der Saison 1982/83 gewann Bremen durch Treffer von Rudi Völler, Frank Neubarth und Benno Möhlmann mit 3:2, die Tore von Lars Bastrup und Dittmar Jakobs waren nicht genug. Übrigens: Die als "Rekord für die Ewigkeit" bekanntgewordene Serie hielt mehr als 30 Jahre. Dann kamen die Triple-Bayern von Jupp Heynckes.

Saison 2007/08, HSV - Werder 0:1

Im Jahr 2008 sorgte eine wilde Aktion von Tim Wiese für den Aufreger des Nordderbys. In der 42. Spielminute sprang der Keeper mit hochgestrecktem Bein in Richtung des heranstürmenden HSV-Stürmers Ivica Olic und landete mit den Stollen auf dessen Schulter. Nur um Haaresbreite verfehlte Wiese den Kopf des Kroaten. "Das war schon fast ein Mordversuch", polterte Franz Beckenbauer anschließend. Der Torwart entschuldigte sich nach der Partie bei Olic. Der Sieg der Werderaner wurde so jedoch zur Nebensache.

Saison 2008/09, Europa League, HSV - Werder 2:3

Nachdem der HSV das Halbfinal-Hinspiel in Bremen mit 1:0 für sich entscheiden konnte, wurde im Rückspiel eine kleine Papierkugel zum Hauptdarsteller. Etwas mehr als 80 Minuten waren gespielt, als die "Papierkugel Gottes" ins Spiel eingriff. HSV-Verteidiger Michael Gravgaard wollte rund zwei Meter vor der eigenen Torauslinie einen Querpass in Richtung Torhüter Frank Rost spielen. Ein Pass, der ihm normalerweise im Schlaf gelingt. Doch kurz bevor der Däne den Ball spielen konnte, rollte dieser über das unscheinbare Hindernis. Gravgaard erwischte das Leder nur noch mit dem Schienbein und verursachte so einen Eckstoß. Diesen konnte Frank Baumann in der 83. Minute zum vorentscheidenden 1: 3 nutzen. Der Anschluss von Olic kam zu spät, Werder zog ins Finale ein. Für deren damaligen Manager Klaus Allofs war der "Man of the Match" schnell gefunden: "Die nehme ich mit. Die Kugel kommt ins Werder-Museum. Da wird sie einen besonderen Platz erhalten."

Saison 2013/14, Werder - HSV 1:0

In der Saison 2013/14 ist die traditionsreichste Bundesliga-Paarung überhaupt zum Abstiegskrimi verkommen. Angesichts der Magerkost, die beide Mannschaften fast die komplette Spielzeit über geboten hatten, entwickelte sich im Weserstadion ein überraschend unterhaltsames Derby. Zlatko Junuzovic entschied die Begegnung mit seinem Goldenen Tor bereits in der 19. Minute. Es war Werders erster Sieg in der Rückrunde. Während sich die Truppe von Coach Robin Dutt am 31. Spieltag endgültig retten konnte, musste Hamburg den steinigen Weg über die Relegation nehmen.

Thomas Ziemann

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