München - Während die anderen Teams um die Europapokal-Plätze oder gegen den Abstieg spielen (hier geht's zur Vorschau), geht das spannende Titelduell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern am Samstagnachmittag in die nächste Runde. Dabei könnte der Rekordmeister dem BVB die Tabellenführung abspenstig machen - falls der Spitzenreiter patzt und die Münchner ihre Pflichtaufgabe lösen.

Während die Elf von Jupp Heynckes den FC Augsburg empfängt, reist die Borussia zum VfL Wolfsburg. Bei einem FCB-Sieg und einer gleichzeitigen Niederlage der "Schwarz-Gelben" würden die Bayern erstmals seit dem 19. Spieltag wieder am Platz an der Sonne stehen. Im Live-Ticker von bundesliga.de sind Sie beim Fernduell der beiden Top-Teams ab 15 Uhr live am Ball.

Vor den "Wochen der Wahrheit" gibt sich der BVB fokussiert und siegessicher - und blickt schon vor dem Duell beim VfL Wolfsburg auf den Kracher gegen die Bayern. "Gerade weil wir Deutscher Meister werden wollen, brauchen wir nicht nur am Samstag drei Punkte, sondern auch am Mittwoch. Wir werden alles dafür tun", meinte Robert Lewandowski, der bislang 17 Treffer erzielte. Die Borussen haben sich auch durch das spektakuläre 4:4 gegen Stuttgart am vergangenen Freitag nicht verunsichern lassen. Der BVB fährt als bestes Rückrundenteam (29 Punkte) mit breiter Brust nach Wolfsburg. Ohnehin sind die Westfalen seit 22 Spielen ungeschlagen (zuletzt am 18. September 1:2 bei Hannover 96). Das Hinspiel gegen die "Wölfe" gewann Dortmund sogar 5:1 und zudem insgesamt fünf der letzten acht Gastspiele bei den Niedersachsen. Beste Aussichten also für eine gute Ausgangsposition für das "Spiel der Spiele" gegen die Bayern am nächsten Mittwoch.

"Nicht nur ich, sondern der gesamte Verein und vor allen Dingen unsere Fans freuen sich wahnsinnig auf das Duell mit dem FC Bayern. In diesem Spiel ist alles möglich, und wir werden versuchen, die Bayern weiter auf Distanz zu halten", sagte Dortmunds Jungstar Mario Götze der "WAZ". Seit Dienstag befindet sich der Nationalspieler nach seiner Schambeinentzündung wieder im Mannschaftstraininng und soll das Trumpf-As im Ärmel der Borussen für den Saisonendspurt sein - allerdings noch nicht in Wolfsburg.

Bei den "Wölfen" weiß man, was die Stunde geschlagen hat. "Die Dortmunder spielen um den Titel. Da ist es völlig klar, dass sie hier Druck aufbauen und nach vorne spielen werden. Die kommen hierher um zu gewinnen", mahnt Mittelfeldspieler Jan Polak. Um den amtierenden Meister zu schlagen, brauche es da schon eine besondere Leistung. "Wir müssen gut zusammenspielen und uns in Abwehr und Mittelfeld noch besser verhalten als in Berlin. Denn natürlich wollen auch wir weiter punkten." Personell dürfte VfL-Coach Felix Magath gegenüber dem 4:1-Sieg in Berlin nicht viel ändern. Abwehrchef Chris macht zwar Fortschritte, ein Einsatz gegen den BVB käme aber noch zu früh.



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Siege müssen her, sollen die Bayern-Träume von der Schale und dem Champions-League-Pokal nicht in den kommenden drei englischen Wochen platzen. "Wir haben in den letzten Wochen bewiesen, dass wir uns alle drei Tage konzentrieren können", meinte Kapitän Philipp Lahm auch in Bezug auf die Duelle im Halbfinale der "Königsklasse" gegen Real Madrid (17. und 25. April). "Wir müssen die Champions League vergessen", fordert Franck Ribery volle Konzentration auf die Bundesliga. "Drei Punkte sind absolute Pflicht", betonte Toni Kroos, der zuversichtlich ist, dass das Umschalten wie in den letzten Wochen immer auch am Samstag wieder gelingt: "Allein dass wir noch drei Punkte hinter Dortmund sind, reicht schon, um sich für jedes Bundesligaspiel top zu motivieren."

"Angst vor Real? Vor Augsburg habe ich mehr Angst, weil ich hoffe, dass die Spieler das ernst nehmen werden", verriet Präsident Uli Hoeneß. "Das ist für keinen von uns ein Problem, weil wir alle wissen, dass die Bundesliga das oberste Ziel ist. Gegen Augsburg wird es schwer, die haben einen guten Lauf", meinte Nationalspieler Holger Badstuber in der "Bild", räumte jedoch auch ein: "Die englischen Wochen gehen schon an die Substanz. Jedoch wir sind diesen Rhythmus gewohnt. Im Nachteil gegen Dortmund sehe ich uns deswegen nicht."

Der FC Augsburg kommt derweil mit breiter Brust nach München: Dass der FC Bayern zuletzt eine Reihe von Kantersiegen eingefahren hat und derzeit von einem dominanten Auftritt zum nächsten eilt, lässt beim Bundesliga-Aufsteiger niemanden vor Angst erstarren. "Es gibt keinen Grund, vor den Münchnern Bammel zu haben. Schließlich sind wir schon längere Zeit ungeschlagen als die Bayern", sagte FCA-Manager Andreas Rettig der "Augsburger Allgemeinen". Sechs Spiele in Folge ohne Niederlage haben die Schwaben zu Buche stehen, bei der Mannschaft von Jupp Heynckes sind es in der Liga vier. Daraus leitet der couragierte Neuling ab, dass man nicht in Duckmäuserhaltung zum Derby fahren muss. "Natürlich ist Bayern Favorit, aber ein Punktgewinn ist realistisch. Mit vollen Hosen fahren wir da nicht hin", sagt Präsident Walther Seinsch. Die vermeintliche Übermacht soll der FC Bayern also erst einmal auf dem Platz nachweisen. In den letzten Wochen hat sich das Team von Jos Luhukay ("Es wäre ein Traum zu punkten") vom Status des nach Expertenmeinungen sicheren Absteigers zu einer Art Mannschaft der Stunde entwickelt und steht inzwischen auf Platz 14. Selbst Dortmund musste dies bei einem mühsamen Unentschieden anerkennen. Gerade im eigenen Stadion stellt Augsburg seine Gegner reihenweise vor unlösbare Rätsel. Der FC Bayern war Anfang November der bislang letzte Club, der dort gewonnen hat. Luhukay muss allerdings erneut ohne Stürmer Torsten Oehrl planen, der weiterhin an einer Oberschenkelverletzung laboriert. Mittelfeldspieler Daniel Brinkmann fällt wegen Problemen an den Adduktoren aus. Nach einer Virusinfektion ist zudem der Einsatz von Spielmacher Daniel Baier offen. Doch mit Leidenschaft hat Augsburg schon so manchen Engpass kompensiert.



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