Leverkusen - Als Ergänzungsspieler wurde er geholt, als Transfer-Volltreffer entpuppte er sich. Tin Jedvaj hat bei Bayer 04 Leverkusen alle Erwartungen übertroffen und sich im Starensemble des Champions-League-Teilnehmers auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft.

 

Obendrein sicherte sich der 18-Jährige den Eintrag in die Geschichtsbücher der Werkself. Beim 3:3-Unentschieden gegen Werder Bremen schoss er das 2.000 Tor der Rheinländer in der Bundesliga.

Völler lässt seine Kontakte spielen

Rudi Völlers guten Kontakte nach Italien und speziell zum AS Rom haben sich dabei wieder einmal ausgezahlt. Auf der Suche nach einem guten Rechtsverteidiger waren die Bayer-Scouts auf das Supertalent Tin Jedvaj aufmerksam geworden, der im Sommer 2013 mit 17 Jahren für eine Ablösesumme von rund fünf Millionen Euro von Dinamo Zagreb zum AS Rom gewechselt war. In Rom konnte sich der Kroate allerdings nicht richtig durchsetzen. Nur zweimal kam er in der Serie A zum Einsatz.

Daher war der Deal mit Bayer 04 eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Zwei Jahre hat Tin Jedvaj Zeit, um sich in Leverkusen weiterzuentwickeln und durchzustarten. Danach besitzen die Rheinländer ein Vorkaufsrecht auf den noch bis 2017 vertraglich an Rom gebundenen Spieler.

Vielseitig einsetzbar

"Tin Jedvaj ist ein großes Talent, das wir schon länger beobachtet haben. Wir hoffen, dass er bei uns den nächsten Schritt machen wird. Unser Kader wird durch ihn im Defensivbereich sinnvoll ergänzt", sagte Leverkusens Sportchef Rudi Völler bei der Vorstellung des Youngsters noch etwas zurückhaltend.

Inzwischen ist er aus der Leverkusenener Defensiv-Viererkette nicht mehr wegzudenken. Erst verdrängte er gestandene Profis wie Roberto Hilbert oder Giulio Donati auf der Rechtsverteidigerposition, dann glänzte er auch als Innenverteidiger, als dort wegen Ausfällen und Sperren Bedarf war. Seine Vielseitigkeit macht Tin Jedvaj so wertvoll.

Der Youngster bringt alle Voraussetzungen mit, um ein kommender Star zu werden. Technisch beschlagen, körperlich bei einer Größe von 1,84 Meter und einem Gewicht von 80 Kilo robust, mit Spielübersicht, Offensivdrang und Knipserqualitäten (bereits zwei Saisontore) ausgestattet, konnte Jedvaj bei seinen sieben Einsätzen in der Bundesliga bislang überzeugen.

Vorbild Thiago Silva

"Er ist taktisch sehr gut ausgebildet. Er hat ein Gefühl für das Zentrum, weiß, wann er gehen kann. Er spielt sehr konsequent", schwärmt Bayer-Trainer Roger Schmidt von Jedvaj. Sicherheits- und Querpässe sieht man selten vom Kroaten, der sich selbst nach eigener Aussage an den spielstarken brasilianischen oder spanischen Verteidigern orientiert. "Mein absolutes Vorbild ist Thiago Silva", verrät der Shootingstar.

Vergleiche mit anderen Verteidigern, mag er nicht. Mit dem Lob, ein "kroatischer Maldini" zu sein, konnte er nichts anfangen. "Das ist zwar eine Ehre für mich. Aber ich würde gerne beweisen, dass ich Jedvaj bin und nicht der Erbe von irgendwem", sagte der Blondschopf selbstbewusst.

So drückt Tin Jedvaj dem Spiel der Werkself durchaus auch schon seinen eigenen Stempel auf. Auch mit Rückschlägen geht er auf seine Art um. Nach seinem Eigentor gegen Hertha BSC am 2. Spieltag zum Pausenrückstand von 0:1 reparierte er den Schaden nach dem Seitenwechsel gleich selbst, als er zum Ausgleich traf. "Meine Mannschaftskameraden haben mir in der Halbzeit sehr geholfen und mir gesagt, ich solle mein Spiel einfach weiter spielen", bedankte sich 18-Jährige. Gesagt, getan. So einfach kann manchmal Fußball sein.

Tobias Gonscherowski