Nur selten hat sich nach einem 1:1-Unentschieden fünf Runden vor Saisonende eine so gedrückte Stimmung breitgemacht wie in den Katakomben des Mönchengladbacher Borussia-Parks. Dabei ist auf den ersten Blick und rein rechnerisch nicht viel passiert.

Zwar sind die Borussen nach dem Remis gegen den Abstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld auf den 17. Platz zurückgefallen. Doch die Rettung ist bei nur drei Punkten Rückstand auf Rang 15 und nur einem Zähler Abstand auf den Relegationsplatz nach wie vor möglich.

"Ernüchternder Spieltag"

Und dennoch herrschte Tristesse pur und eine fatale Untergangsstimmung. Egal, welcher Borusse den Spielausgang kommentierte, egal, ob Trainer, Sportdirektor oder Spieler, alle Verantwortlichen wirkten schwer angeschlagen. Die Körpersprache, die leeren Gesichter und auch die Aussagen vermittelten den Eindruck von Ratlosigkeit und Niedergeschlagenheit.

"Das war ein ernüchternder Spieltag für uns", schluckte Sportdirektor Max Eberl. "Wir wollten das Schicksal in der eigenen Hand behalten, nun haben wir es aus der Hand gegeben und sind auf andere angewiesen. Es war ein Psychospiel, in dem uns die Angst gehemmt hat."

"1:1 ist zu wenig"

"Wir haben gewollt, aber so viele Stellungsfehler und Pannen im Spiel gegen den Ball begangen, dass ich die Angst richtig gespürt habe", erkannte Trainer Hans Meyer. "Ich habe Anzeichen erkannt, dass wir im Kopf nicht richtig mit der Situation umgehen können."

"Es wird jede Woche schwerer und wir gewinnen nicht", lamentierte Borussias Kreativspieler Marko Marin. "Auf jeden Fall ist das 1:1 zuhause gegen Bielefeld zu wenig. Wir haben nur noch fünf Spiele, es wird immer enger. Es wird schwer."

Der niederrheinische Traditionsverein schafft es in dieser Saison einfach nicht, auch einmal einen Sieg zu erzwingen. Wenn bei der Borussia alles zusammenpasst, ist sie in der Lage gute und erfolgreiche Spiele abzuliefern. Besonders deutlich wurde dies bei der 4:1-Gala gegen den HSV Anfang März und eine Woche später beim 4:2-Triumph in Köln.

Schweres Restprogramm

Bei allen sechs Saisonsiegen konnte der Aufsteiger frühzeitig die Weichen auf Sieg stellen und den Vorsprung dann mit Ausnahme des Spiels gegen Hannover 96 mehr oder weniger souverän über die Zeit retten. Aber nicht ein einziges Mal gelang es der Borussia, ein Spiel komplett zu drehen oder einen Sieg mit der Brechstange herbeizuführen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der fünfmalige deutsche Meister in der Rückrunde kein Duell gegen einen unmittelbaren Konkurrenten für sich entscheiden konnte. 0:1 gegen Bochum, 0:0 in Karlsruhe, jetzt 1:1 gegen Bielefeld.

Woher soll also die Zuversicht kommen, den Kampf gegen den drohenden Abstieg noch zu gewinnen? Denn auch das Restprogramm spricht auf dem Papier dagegen. Drei der nächsten vier Spiele bestreitet die Borussia auswärts (in München, Cottbus und Leverkusen), daheim geht es gegen die derzeitigen Seriensieger Schalke und Dortmund.

Fünf Endspiele

"Vielleicht ist unser schweres Restprogramm unsere Chance", hofft Hans Meyer. "Vielleicht schaffen wir die Überraschung, die Bochum oder Bielefeld schon geschafft haben." Gegen starke Clubs wie den HSV, Bremen oder Hoffenheim haben sich die Borussen bekanntlich gut aus der Affäre gezogen.

Fünf Endspiele hat Borussia Mönchengladbach noch. Das erste am kommenden Wochenende gegen den Rekordmeister Bayern München, der gerade den ehemaligen Gladbacher Coach Jupp Heynckes verpflichtet hat, um seinerseits eine enttäuschende Saison noch zu retten. Viel mehr Brisanz kann es in einem Spiel kaum geben.

"Wir sind jetzt wieder auf einem Abstiegsplatz. Vielleicht fangen wir jetzt wieder an, ohne Angst Fußball zu spielen", sagt Max Eberl. "Wie im Hinspiel gegen die Bayern, als wir nach einem 0:2 zurückgekommen sind." Aber selbst ein 2:2 wie damals könnte schon zu wenig sein.

Tobias Gonscherowski