München - Zum 100. Mal stehen sich am Samstag der FC Bayern München und der Hamburger SV in der Bundesliga gegenüber (ab 15 Uhr im Liveticker). "Ich habe mit dem FC Bayern immer gerne gegen den HSV gespielt", sagt Thomas Helmer, der in der Bundesliga gegen keinen anderen Club häufiger auflief.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht der 49-Jährige, der mit den Bayern drei Mal Deutscher Meister, sowie DFB-Pokal- und UEFA-Cup-Sieger wurde, über die Faszination des Nord-Süd-Klassikers, besondere Erinnerungen und die aktuelle Situation beider Teams.

bundesliga.de: Herr Helmer, der ewig junge Nord-Süd-Klassiker Hamburger SV gegen FC Bayern München findet am Wochenende zum 100. Mal statt. Was fällt Ihnen spontan zu diesem Duell ein?

Thomas Helmer: Ich habe mit dem FC Bayern immer gerne gegen den HSV gespielt, weil ich in diesen Spielen öfter auch mal getroffen habe. Und ich würde mich freuen, wenn es dieses Duell noch so lange wie möglich gibt.

"Im Volksparkstadion nicht leicht zu gewinnen"

bundesliga.de: Sie haben insgesamt sechs Tore gegen den HSV erzielt. Gegen keinen anderen Bundesligisten haben Sie häufiger getroffen. War der Hamburger SV Ihr Lieblingsgegner?

Helmer:(lacht) Das wäre zu vermessen, zu sagen, jetzt kommt der HSV und jetzt treffe ich. Ganz nach dem Motto, die Hamburger liegen mir ganz besonders. Das gibt es manchmal, aber dafür gibt es keine rationale Erklärung. Ich würde es eher als Zufall bezeichnen.

bundesliga.de: Welches Ihrer Spiele mit dem FC Bayern gegen Hamburg ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Helmer: An mein erstes Spiel mit den Bayern gegen HSV 1992 in München kann ich mich noch gut erinnern. Wir haben 4:0 gewonnen. Ich habe das Führungstor von Christian Ziege vorbereitet und später selbst getroffen. Das war ein gutes Spiel - nicht nur weil das Ergebnis so hoch ausgefallen ist. Uns ist generell viel gelungen an dem Tag.

bundesliga.de: Das war aber nicht immer so. Sie standen selbst auch bei zwei Niederlagen gegen den Rivalen aus dem Norden auf dem Platz.

Helmer: Im alten Volksparkstadion in Hamburg war es nicht so einfach zu gewinnen. Das waren immer harte Kämpfe. Wir sind meistens als leichter Favorit dorthin gefahren, aber der HSV war in diesen Duellen mehr als ebenbürtig. Es waren immer enge Kisten.

"Gegen die Bayern sind die Fans elektrisiert"

bundesliga.de: Spielte die Atmosphäre im Volksparkstadion dabei eine besondere Rolle?

Helmer: Wenn man mit Bayern München zu einem Auswärtsspiel reist, dann ist das für die Gastgeber immer eines der bedeutendsten Spiele der Saison. Man hat immer das Gefühl, rund um dieses Spiel herrscht eine zusätzliche Motivation. Die Fans sind besonders elektrisiert.

bundesliga.de: Gab es einen Gegenspieler, den Sie besonders gefürchtet haben?

Helmer: Ich erinnere mich an Thomas von Heesen. Er hat zwar nicht ganz vorne gespielt, aber er war viel unterwegs und ein exzellenter Fußballer. Noch dazu war er torgefährlich. Auf ihn mussten wir immer ganz schön aufpassen.

bundesliga.de: Was ist allgemein das Besondere an dem Duell Bayern gegen den HSV?

Helmer: Früher war es eher ein Duell auf Augenhöhe. Das ist es mittlerweile leider gar nicht mehr, weil sich beide Clubs in den letzten Jahren doch deutlich in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Der eine positiv, der andere in die andere Richtung.

"HSV hat an Attraktivität und Glanz verloren"

bundesliga.de: Hat der Stellenwert dieses Klassikers darunter gelitten?

Helmer: Ein bisschen. Das liegt hauptsächlich am HSV. Dafür sind zuletzt andere Mannschaften aufgekommen. Sei es Borussia Dortmund in den vergangenen Jahren. Und jetzt muss man über den VfL Wolfsburg nachdenken. Der HSV hat etwas an Attraktivität und Glanz voriger Jahrzehnte verloren.

bundesliga.de: Im Hinspiel reichte es bei dem Debüt von Trainer Joe Zinnbauer immerhin zu einem Punktgewinn für den Hamburger SV. War das eher ein zufälliger Ausreißer?

Helmer: Bezüglich des Leistungsvermögens beider Mannschaften muss man das so sagen. Das wird man beim HSV sicherlich genauso sehen und auch nicht beleidigt sein. Die Bayern sind mehr als eine Klasse stärker. Die Hamburger haben ordentlich dagegengehalten. Und auch zuletzt gegen den SC Paderborn und Hannover 96 stimmten Einsatz und Kampf. Dadurch hatten sie das nötige Quäntchen Glück.

bundesliga.de: Trauen Sie dem HSV am Samstag in München eine Überraschung zu?

Helmer: Ehrlich gesagt, nicht. Aber dadurch, dass sie zwei Mal hintereinander gewonnen haben, ist der Druck wesentlich geringer geworden. Die Hamburger fahren als krasser Außenseiter nach München. Dass die Bayern in der Rückrunde noch nicht sonderlich überzeugen konnten, könnte ihnen aber zugutekommen.

"Mit Robben und Ribery eine andere Qualität"

bundesliga.de: Beim FC Bayern ist Franck Ribery wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und hofft auf einen Einsatz am Samstag. Fehlte den Bayern gerade daher bislang die Kreativität und Leichtigkeit der Hinrunde?

Helmer: Wenn Arjen Robben und Franck Ribery auf dem Platz sind, haben die Bayern eine andere Qualität. Sie sind immer in der Lage Eins-gegen-Eins-Situationen zu entscheiden, Tore vorzubereiten und selbst zu schießen. Hinzu kommt, dass Thomas Müller, Mario Götze und Robert Lewandowski noch nicht die Form der Hinrunde haben. Aber das sind auch andere Spielertypen. Aktuell spielt Robben als einziger annähernd so gut. Daher wird Ribery - wenn er gesund ist - der Mannschaft mit seiner Spielweise auf jeden Fall guttun. Und dann wird es auch für die Gegner wieder schwieriger.

Das Gespräch führte Maximilian Lotz