Kurz vor dem Trainingsauftakt präsentierte Arminia Bielefeld seinen neuen Coach. Es ist Thomas Gerstner. Der 42-jährige Trainer soll den Bundesliga-Absteiger wieder direkt in die Eliteliga zurückführen.

Prominente Namen wurden diskutiert, doch den Zuschlag bekam schließlich ein relativ unbekannter Mann. Wer die Internetsuchmaschine Google bemüht, bekommt unter den ersten zehn Treffern zu "Thomas Gerstner" drei verschiedene Biografien angeboten. Den Fußballer Gerstner ebenso wie einen Privatdozenten und einen Künstler.

Zahlreiche Einsätze in Deutschlands Profiligen

Selbst Insidern war Thomas Gerstner nicht sofort ein Begriff. Doch der Mann hat im deutschen Fußball durchaus seine Spuren hinterlassen. Als Spieler brachte es der gebürtige Wormser auf immerhin 19 Bundesliga-Spiele für den FC Homburg und auf stattliche 332 Zweitliga-Einsätze für Arminia Bielefeld, Homburg, Oldenburg, Wolfsburg, Saarbrücken und Jena. Dabei gelangen dem Mittelfeldspieler 32 Tore.

In Wolfsburg agierte Gerstner in der Saison 1993/94 übrigens an der Seite von Detlev Dammeier, dem heutigen Sport-Geschäftsführer der Arminia. In den vergangenen 15 Jahren ist der Kontakt nie abgerissen. Dammeier verfolgte den Weg von Thomas Gerstner weiter, der nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn Trainer wurde und zunächst noch als Spielertrainer Carl-Zeiss Jena und dann den SV Straelen und den Oberligisten FC Schönberg 95 coachte.

Klare Zielsetzung

In der vergangenen Saison arbeitete Gerstner als Co-Trainer von Franco Foda beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz, der im Endklassement Rang 4 belegte.

"Mit Thomas Gerstner haben wir uns für einen unverbrauchten, jungen und dynamischen Trainer entschieden, dem wir es zutrauen, mit uns gemeinsam den schwierigen Weg zurück in die Bundesliga zu gehen", begründete Detlev Dammeier seine Wahl. Gerstner erhält bei der Arminia einen Vertrag bis zum 30. Juni.

"Ein Absteiger aus der Bundesliga kann nur ein Ziel haben", gibt Thomas Gerstner die Marschroute vor. Er setzt auf Offensivfußball, allerdings nicht im "Hurra-Stil". "Ich spiele lieber mit ein, zwei Spielern mehr im gegnerischen Strafraum als mit ein, zwei Spielern weniger." "Schönen und erfolgreichen Fußball" will er spielen lassen, "der die Zuschauer ins Stadion lockt."

Offensiv ausgerichtetes neues Personal

Für offensiven Fußball stehen auch die Neuverpflichtungen der Arminia, die ebenfalls vorgestellt wurden und den Worten ihres neuen Chefs aufmerksam lauschten.

Michael Delura stürmte in der Bundesliga schon für Schalke, Hannover und Mönchengladbach. Mittelfeldspieler Kasper Risgard spielte in der vergangenen Saison für den dänischen Meister Aalborg in der Champions League. Und Arne Feick war in der letzten Spielzeit bester Torschütze bei Erzgebirge Aue.

"Fußballspiele werden im Kopf entschieden"

Selbstbewusst präsentiert sich Thomas Gerstner in den ersten Tagen in Bielefeld. Er weiß, dass seine Verpflichtung mit Skepsis aufgenommen wurde. Doch das interessiert ihn nicht. "Von mir erwartet man nichts, deshalb wird es eine einfache Aufgabe", geht er seinen neuen Job gelassen an. Um dann angriffslustig hinzuzufügen: "Ich bleibe nicht ein Jahr bei Arminia - ich bleibe länger!"

"Es kann und wird funktionieren, daran glaube ich", betont der Fußballlehrer, der seinen Spielern eine positive Einstellung und vorwärts gerichtetes Denken vermitteln will. Denn: "Fußballspiele werden im Kopf entschieden." Nach nur vier Siegen in der vergangenen Saison kann Arminia diese positive Denkweise gut gebrauchen.

Tobias Gonscherowski