
Teamcheck Hamburger SV: Kann Polzin den nächsten Schritt gehen?
Am 28. August geht es endlich wieder los! Vor dem Auftakt nimmt bundesliga.de alle Vereine im Teamcheck unter die Lupe, diesmal: der Hamburger SV. Die Rothosen beendeten die Vorsaison auf Rang 13. Nun gilt es, an der Elbe diesen Weg fortzusetzen und den nächsten Schritt zu gehen.
Die Bundesliga-Rückkehr ist geglückt
Der Hamburger SV hat seine Rückkehr in die Bundesliga ordentlich gemeistert. Nach sieben Jahren im Unterhaus belegten die Rothosen in der Saison 2025/26 den 13. Tabellenplatz und hielten die Klasse letztlich souverän. Mit 38 Punkten lag der HSV am Saisonende sieben Zähler vor dem Relegationsplatz und hatte sich damit ein solides Fundament für die zweite Spielzeit im Oberhaus geschaffen.
Ganz ohne Sorgen verlief die erste Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg allerdings nicht. Gerade in der Anfangsphase musste sich die Mannschaft von Merlin Polzin erst an das höhere Tempo und die größere individuelle Qualität gewöhnen. Nach einem 0:0 zum Auftakt in Mönchengladbach folgten eine Niederlage im Stadtderby gegen den FC St. Pauli und ein deutliches 0:5 beim FC Bayern. Im weiteren Saisonverlauf stabilisierte sich der HSV jedoch zunehmend und zeigte, dass er im Oberhaus mithalten kann.
Besonders bemerkenswert war die Entwicklung im Saisonverlauf. Der HSV kletterte zwischenzeitlich bis auf Rang neun und entwickelte sich zu einer unangenehmen Mannschaft für viele etablierte Bundesligisten. Gegen den FC Bayern holten die Hamburger beispielsweise ein 2:2, gegen Borussia Dortmund gab es ein 1:1. Auch im Nordduell mit Werder Bremen setzte sich der HSV mit 3:2 durch.
Gezielte Verstärkungen: HSV will im zweiten Bundesliga-Jahr durchstarten
Im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die Bundesliga will der HSV den nächsten Schritt machen. Dafür hat sich im Kader einiges verändert. Trainer Merlin Polzin geht in seine nächste Saison und steht vor der Aufgabe, die neu formierte Mannschaft schnell zu einer Einheit zu entwickeln. Die Rothosen wollen dabei an die positiven Ansätze der vergangenen Saison anknüpfen und sich in der Bundesliga weiter etablieren.
Die Vorbereitung verlief dabei durchaus vielversprechend. Nach dem Trainingsauftakt am 6. Juli absolvierte der HSV mehrere Trainingslager in Dänemark und Österreich sowie ein weiteres Camp in Herzogenaurach. In den Testspielen gab es unter anderem einen 3:1-Erfolg gegen den 1. FC Heidenheim, ein 2:2 gegen den OSC Lille und zum Abschluss einen 2:1-Sieg beim FC Toulouse. Gegen den FC Everton musste sich Hamburg mit 1:2 geschlagen geben.
Polzin legte in der Vorbereitung besonderen Wert auf Intensität, Pressing und Umschaltmomente. Im Trainingslager wurden unter anderem Spielformen mit hohem Tempo sowie das Pressing- und Umschaltverhalten über den gesamten Platz einstudiert. Damit soll der HSV auch in seiner zweiten Bundesliga-Saison eine Mannschaft bleiben, die den Gegner früh unter Druck setzen und nach Ballgewinnen schnell nach vorne spielen kann.
Der wichtigste Neuzugang: Patson Daka
Vor allem im Angriff wurde nachgebessert. Mit Patson Daka verpflichtete der HSV einen international erfahrenen Mittelstürmer. Der 27-jährige Sambier kam von Leicester City und soll dem Hamburger Angriff mehr Geschwindigkeit, Tiefe und Torgefahr verleihen. Daka kennt die deutsche Bundesliga zwar noch nicht, bringt aus seiner Zeit in Österreich und England aber reichlich Erfahrung auf internationalem Niveau mit. Der HSV sieht in ihm gezielt die Verstärkung für das Sturmzentrum.
Auch im Mittelfeld wurde die Qualität erhöht. Bilal Nadir kam von Olympique Marseille, Martin Adeline von ES Troyes AC. Albert Grønbæk wurde nach seiner Leihe von Stade Rennes fest verpflichtet. Der Däne hatte bereits in der vergangenen Saison angedeutet, dass er mit seiner Technik und Dynamik einen Unterschied machen kann. Nun soll er dauerhaft eine größere Rolle im Hamburger Offensivspiel übernehmen.
In der Defensive setzte der HSV kurz vor Saisonbeginn noch einmal ein Ausrufezeichen. Sebastiaan Bornauw wechselte auf Leihbasis von Leeds United nach Hamburg. Der 27-jährige Belgier kennt die Bundesliga aus seiner Zeit beim 1. FC Köln und VfL Wolfsburg und soll der Abwehr zusätzliche Stabilität, Erfahrung und Führungsqualität geben.

HSV verliert seine beiden Anker aus der Vorsaison
Demgegenüber stehen einige schmerzhafte Abgänge. Mit Robert Glatzel verliert der HSV seine langjährige Identifikationsfigur, die zum VfL Wolfsburg wechselte. Auch Ransford-Yeboah Königsdörffer zog es nach Mainz, Fabio Baldé zu Racing Straßburg. Zudem endeten die Leihen von Luka Vušković und Fábio Vieira.
Mit Vušković und Vieira verliert der HSV dabei zwei wichtige Anker der vergangenen Saison. Beide prägten das Hamburger Spiel auf ihre Weise und hinterlassen entsprechend große Lücken. Auch der Abschied von Glatzel verändert die Offensive: Mit Patson Daka kommt ein anderer Stürmertyp, der mehr über Tempo und Tiefenläufe kommt. Nun muss der HSV beweisen, dass die Abgänge aufgefangen werden können.
Der Schlüsselspieler: Albert Grønbæk
Der wichtigste Spieler für die Hamburger Ambitionen dürfte jedoch Grønbæk sein. Der Däne kann zwischen Mittelfeld und Angriff agieren, bringt Technik, Dynamik und Kreativität mit und soll das Hamburger Spiel im letzten Drittel unberechenbarer machen. Nachdem der HSV ihn nach seiner Leihe fest verpflichtet hat, liegt nun die Hoffnung auf ihm, die Offensive hinter der neuen Sturmspitze Daka mit Ideen und Torbeteiligungen zu versorgen.
Die mögliche Startelf
Zum Bundesliga-Auftakt wartet mit Borussia Dortmund direkt ein Härtetest. Polzin kann dabei auf ein eingespieltes Gerüst setzen und hat mit Bornauw, Grønbæk und Daka zusätzliche Qualität im Kader.
Daniel Heuer Fernandes dürfte im Tor gesetzt sein. Bornauw ist eine Option für die Dreierkette, während Miro Muheim die linke Außenbahn besetzen könnte. Im Mittelfeld sind Albert Sambi Lokonga, Nicolai Rembergund Grønbæk wichtige Optionen.
In der Offensive dürfte Daka zunächst starten. Jean-Luc Dompé sorgt über außen für Tempo, während Yussuf Poulsen als erfahrene Alternative im Sturm bereitsteht. Damit hat Polzin mehr Variationsmöglichkeiten als noch in der vergangenen Saison.
Voraussichtliche Aufstellung am 1. Spieltag:
Heuer Fernandes – Bornauw, Torunarigha, Omari – Muheim, Sambi Lokonga, Remberg, Dompé – Grønbæk, Philippe – Daka
Thorben Scholz