München - Doppelsechs statt Raute, Stoßstürmer statt Zwei-Mann-Angriff - die großen taktischen Neuerungen bleiben in der bevorstehenden Saison in der Bundesliga aus. Die Mehrzahl der Trainer setzen auf das bekannte 4-2-3-1-System. Die Forderung an ihre Spieler: Kompakte Defensive, möglichst nur ein Ballkontakt beim Passspiel, schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff und viel Laufarbeit.

"Natürlich muss man je nach Spielstand auch einmal flexibel reagieren, aber grundsätzlich baue ich auf ein 4-2-3-1. Wichtig ist ohnehin, dass die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmt, egal in welchem System man spielt. Der FC Bayern muss wieder kompakt und abwehrstark auftreten, so wie in vielen großen Epochen des Vereins. Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften", sagte Trainer Jupp Heynckes von Bayern München.

BVB fand die beste Mischung

In der vergangenen Saison hatte der Rekordmeister zwar den torgefährlichsten Sturm, doch Borussia Dortmund fand die richtige Mischung zwischen Abwehr und Angriff und stürmte in bemerkenswerter Art zum Titel. Trainer Jürgen Klopp wird an seinem erfolgreichen System festhalten, doch auch er sieht noch kleine Verbesserungsmöglichkeiten und nennt dabei Champions-League-Sieger FC Barcelona als Vorbild. "Das Gegenpressing, das Barca spielt, ist außergewöhnlich. Was die gegen den Ball veranstalten, ist das Allerbeste", sagte Klopp. Auch für Paul Breitner ist Barca das Nonplusultra. Im "Münchner Merkur" antwortete der Weltmeister von 1974 auf die Frage, ob die Katalanen zu schlagen sein, mit einem knappen "Nein!".

Für Diskussionen hatte zunächst Ralf Rangnick bei Pokalsieger Schalke 04 gesorgt, für Superstar und Publikumsliebling Raul schien in seinem zunächst angedachten 4-3-3-System kein Platz zu sein. Doch beim Supercupsieg gegen Dortmund im Elfmeterschießen und beim Pokalerfolg beim FC Teningen (11:1) ließ Rangnick mit nur einer Spitze spielen. Hinter dem niederländischen Torjäger Klaas-Jan Huntelaar zog Raul als Anspielstation die Fäden, der Spanier gilt für den Saisonstart beim VfB Stuttgart als gesetzt. Nach der äußerst erfolgreichen Rückrunde hält auch Bruno Labbadia beim VfB am 4-2-3-1 fest.

Bremen und Wolfsburg bauen auf die Raute

Diesem System vertraut auch Aufsteiger Hertha BSC, während der zweite Neuling FC Augsburg etwas defensiver ausgerichtet sein wird und besonders auswärts auf drei defensive Mittelfeldspieler setzt.

Raute statt Doppelsechs und zwei Angreifer lautet das Motto beim VfL Wolfsburg und Werder Bremen. Doch nach den großen Problemen in der Defensive in der vergangenen Saison fordert Werder-Trainer Thomas Schaaf, dass man "diszipliniert auftritt" und "kompakt steht". Bei der peinlichen Pokalniederlage in Heidenheim (1:2) gelang dies noch nicht.

Wie Bremen setzen auch Hannover 96, Borussia Mönchengladbach und der SC Freiburg auf das System mit zwei Spitzen. Bei Freiburg sollen Neuzugang Garra Dembele und Papiss Demba Cisse, Vize-Torschützenkönig der letzten Bundesliga-Saison, für Tore sorgen.