Leverkusens erster Titel nimmt Form an - © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Leverkusens erster Titel nimmt Form an - © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
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Bayer 04 Leverkusens Titeltraum nimmt Form an

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"Vizekusen" - seit dem Jahr 2002 begleitet dieser Spitzname Bayer 04 Leverkusen. In dieser Saison soll endlich Schluss damit sein - und nach dem eindrucksvollen 3:0 gegen den FC Bayern und dem Ausrutscher des Rekordmeisters in Bochum, steht die Werkself mit acht Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Der Titeltraum nimmt also Formen an.

Bayer 04 Leverkusen als neuer Deutscher Meister? Die Werkself ist am 22. Spieltag dem Traum vom ersten Titel nähergekommen. Das Team von Xabi Alonso baute mit dem jüngsten 2:1-Erfolg in Heidenheim seine Super-Serie auf 32 ungeschlagene Pflichtspiele aus (28 Siege, vier Remis). Eine solche Serie hatte als einziger Bundesligist bisher nur der FC Bayern München hingelegt (unter Trainer Hansi Flick von Dezember 2019 bis September 2020 saisonübergreifend). Erst zum vierten Mal in der Bundesliga-Geschichte blieb ein Team an den ersten 22 Spieltagen ungeschlagen. Zweimal schafften das die Bayern, zudem 2009/10 auch die Werkself.

Welche Spitzenspieler hast du in deinem Fantasy-Team?

Das Titelrennen mit dem FC Bayern wäre weiterhin spannend geblieben, wären die Münchner nicht in Bochum unter die Räder gekommen. 2:3 unterlag man beim VfL, was das Leverkusener Punktepolster auf acht Zähler wachsen ließ. Für den Rekordmeister war es die dritte Pflichtspielniederlage in Folge, was es zuletzt vor neun Jahren unter Pep Guardiola gegeben hatte. Damals standen die Münchner allerdings als Meister fest und die beiden verlorenen Bundesliga-Spiele innerhalb dieser Serie hatten keine Bedeutung. Ist nun Leverkusens Zeit gekommen? Der erste Titel der Vereinsgeschichte ist jedenfalls so nah wie nie zuvor.

Super-Werkself

Leverkusens 58 Punkte nach 22 Spieltagen sind die drittbeste Ausbeute der Bundesliga-Geschichte. Einzig der FC Bayern war unter Pep Guardiola zweimal besser. Aktuell ist die Werkself zum 18. Mal in dieser Saison Tabellenführer und stellte damit einen neuen Vereinsrekord auf (2009/10 war man 17-mal Erster). Der Vorsprung auf Verfolger FC Bayern beträgt acht Punkte. Bayer wird also auch mindestens nach den nächsten beiden Spieltagen der Tabellenführer sein.

Nächster Meilenstein: Leverkusen seit 32 Spielen ungeschlagen

Vor allem im Saisonendspurt wird es für Bayer 04 nicht gerade einfach, denn es warten noch Gegner wie Borussia Dortmund, der VfB Stuttgart oder auch die Bochumer, die den FC Bayern bezwangen und an der Castroper Straße wieder für eine Überraschung gegen ein Topteam sorgen könnten.

Offensiv starkes Team mit viel Rotation

Leverkusen erzielte in dieser Bundesliga-Saison nach nur 22 Spieltagen genauso viele Tore wie in der kompletten vergangenen Spielzeit (57). Nur einmal in der Geschichte der Werkself waren es nach 22 Spieltagen noch mehr Treffer (2021/22: 58).

Das liegt vor allem daran, dass das Team von Xabi Alonso offensiv so stark performt. Gemessen am xGoals-Wert (52,5) hat Leverkusen mehr Tore erzielt (57), als zu erwarten waren. Außerdem ist kein Bundesliga-Team effizienter: Durchschnittlich benötigte Leverkusen nur sieben Torschüsse für ein Tor.

Durch den Afrika-Cup musste Alonso auf einige Leistungsträger verzichten, die er dennoch kompensieren konnte. Zu Beginn der Saison hatte der Spanier eine Stammelf, die er in der Bundesliga fast immer ranließ. Rotiert wurde nur in Europa League und DFB-Pokal und zum Wochenende hin dann wieder zurück. Mittlerweile aber ist bei der Werkself die Rotation an der Tagesordnung: Bis zum 15. Spieltag hatte Alonso in seiner Startelf im Schnitt 0,9 Wechsel von Bundesliga-Spiel zu Bundesliga-Spiel vorgenommen, seitdem sind es im Schnitt 2,9. Das macht sein Team noch unberechenbarer und es kann sich dem Gegner flexibel anpassen.

Jetzt schon nicht mehr einzuholen?

Die Münchner waren am 21. Spieltag nach Leverkusen gereist, um die Tabellenführung zu übernehmen. Nach den Niederlagen bei der Werkself und am 22. Spieltag in Bochum sind es nun acht Punkte Abstand zu Platz eins. Einen so großen Rückstand zu einem so späten Zeitpunkt einer Saison hat noch nie eine Mannschaft aufgeholt. Gelingt den Bayern also nicht diese historische Aufholjagd, dann geht die Meisterschale erstmals nach Leverkusen!

Leverkusen stand mehrfach knapp vor dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft (am engsten war es 1999/2000 als man als Tabellenführer mit drei Punkten Vorsprung in den letzten Spieltag ging) und konnte den entscheidenden Schritt bislang dennoch nie machen. Dass die Bayer-Elf 2023/24 nun endlich das Meister-Gen gefunden hat, muss sie nun in den verbleibenden 12 Saisonspielen beweisen.

Zwölf der 57 Bundesligisten wurden seit 1963 Deutscher Meister, der letzte Premieren-Meister war der VfL Wolfsburg im Jahr 2009 - Bayer 04 will endlich den "Vizekusen"-Fluch besiegen und seine Titel-Premiere feiern.