Köln - Bastian Schweinsteiger war eine der Symbolfiguren des deutschen WM-Triumphs in Brasilien. Millionen deutscher Fußballfans haben sich die Bilder des Finales von Rio ins Gedächtnis eingebrannt. Ein blutender Schweinsteiger, der im Laufe der Partie immer wieder hart attackiert wird, mehrfach zu Boden geht, aber immer wieder aufsteht. In der Verlängerung steht Kevin Großkreutz schon zur Einwechslung bereit, doch Schweinsteiger verweigert die Auswechslung. Er will diesen Titel. "Mit aller Gewalt", wie Schweinsteiger nach dem Finale zu Protokoll gibt.

Auch die letzte Aktion des Spiels gehört Schweinsteiger. Ein gewonnenes Kopfballduell im Mittelfeld. Der deutsche Regisseur köpft den Ball in die Hälfte der Argentinier. Dann tut es wieder weh. Pablo Zabaleta kommt deutlich zu spät und checkt Schweinsteiger mit voller Wucht zu Boden. Noch einmal Freistoß für Deutschland, dann ist Schluss. Bastian Schweinsteiger war der zweikampfstärkste Spieler des WM-Finales und absolvierte eine überragende Partie. Als echter Anführer führte der Bayern-Star die deutsche Elf zur Pokalübergabe auf die Tribüne.

Fünf Spielzeiten mit mindestens 30 Einsätzen

Der FC Bayern München muss nun auf unbestimmte Zeit auf Schweinsteigers Qualitäten verzichten. "Bastian macht im Moment gar nichts", sagte sein Trainer Pep Guardiola kürzlich. Probleme an der Patellasehne zwingen den Nationalspieler zu einer Pause. Für die Bayern bedeutet der Ausfall eine Schwächung, aber ein Blick in die Historie macht den Münchnern dennoch Mut für die kommende Saison.

Seit Bastian Schweinsteiger im Dezember 2002 sein erstes Bundesliga-Spiel absolvierte, stand er erst zwei Mal zum Saisonauftakt nicht im Kader. 2004/05 und 2005/06 verpasste er die ersten beiden Spieltage. Am Saisonende gewann der FC Bayern jeweils die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Und Schweinsteiger bestritt noch 30, beziehungsweise 26 Bundesliga-Partien.

In sieben der acht letzten Auftaktpartien stand Schweinsteiger in der Bayern-Startelf. 2012 wurde er beim Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth eingewechselt. Lediglich 2011/12 und 2013/14 fehlte Schweinsteiger im Saisonverlauf häufiger wegen Verletzungen. In allen anderen Spielzeiten stand Schweinsteiger immer häufiger als 25 Mal in der Bundesliga auf dem Feld. In fünf Saisons sogar mindestens 30 Mal. Verletzungsanfälligkeit sieht anders aus.

Beschwerden vollständig auskurieren

Nun scheint sich Schweinsteigers Körper nach über einem Jahrzehnt Spitzenfußball eine Pause zu nehmen. In der vergangenen Saison biss der 30-Jährige permanent auf die Zähne. "Schweinsteiger hat immer mit Problemen gespielt, auch in Brasilien", erklärte Guardiola. Diese Probleme soll die bayrische Führungskraft nun vollständig auskurieren. Egal, wie lange es auch dauert.

Den urbayrischen Kämpfer sollte aber niemand abschreiben. In seiner langen Karriere ist er bisher nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden. Genau wie an jenem denkwürdigen Abend im legendären Estadio do Maracana in Rio de Janeiro. Er hat geblutet, er lag am Boden, aber am Ende stand er mit dem goldenen Pokal auf dem Rasen. Bastian Schweinsteiger wird auch diesmal wieder zurückkehren. Das kann die Konkurrenz ruhig als Warnung verstehen.

Florian Reinecke

Schweinsteigers Bundesliga-Karriere in Zahlen

Spielzeit

Einsätze

Tore

Assists

2013/14

23

4

5

2012/13

28

7

4

2011/12

22

3

3

2010/11

32

4

8

2009/10

33

2

5

2008/09

31

5

13

2007/08

30

1

10

2006/07

27

4

6

2005/06

30

3

3

2004/05

26

3

8

2003/04

26

4

6

2002/03

14

-

2

Gesamt

322

40

73

Bastian Schweinsteiger fehlte den Bayern in der Bundesliga insgesamt fünf Mal aufgrund einer Gelb-Sperre. In 322 Partien wurde er nie des Feldes verwiesen.

Schweinsteiger in den Pokalwettbewerben

Wettbewerb

Einsätze

Tore

Assists

Champions League (ohne Play-off)

83

12

16

DFB-Pokal

47

9

10

UEFA-Cup

12

-

3

Gesamt

142

21

29