Stuttgart - 0:1 gegen Augsburg verloren und dennoch gab es auf Seiten des VfB einen Gewinner: Sven Ulreich. Der Keeper feierte sein Comeback und zeigte eine starke Leistung. Nach dem Spiel sprach bundesliga.de mit Ulreich auch über seine Gefühlswelt.

bundesliga.de: Herr Ulreich, 0:1 gegen den FC Augsburg verloren - wie bewerten Sie die bittere Niederlage für den VfB Stuttgart?

Sven Ulreich: Wir haben in den ersten 15 Minuten ein sehr gutes Spiel gemacht, dann aber leider kam die gelb-rote Karte für Daniel Schwaab, die uns natürlich aus dem Konzept gebracht hat. Auch der Handelfmeter und damit der entscheidende Treffer war natürlich großes Pech. Den muss man nicht wirklich pfeifen.

"Kirsche ist einfach ein top Junge"

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bundesliga.de: Zu Ihrer persönlichen Situation: Nachdem Sie von Ihrem Trainer Armin Veh auf die Bank verbannt wurden, durften Sie heute auf Grund der Verletzung Ihres Kollegen Thorsten Kirschbaum wieder ins Tor des VfB zurück. Was war das für ein Gefühl?

Ulreich: Natürlich habe ich sehr gefreut, vor so einer Kulisse einlaufen zu dürfen. Es war für mich aber auch nichts Neues, denn ich habe ja schon einige Bundesligaspiele auf dem Buckel. Von daher habe ich mich auf meinen Job konzentriert.Ich denke, ich habe 'Kirsche' gut vertreten, aber natürlich hätte ich lieber die drei Punkte in Stuttgart behalten.

bundesliga.de: Jetzt ist doch eigentlich klar, dass Sie auch im nächsten Spiel in Freiburg am Freitag wieder im Tor des VfB stehen werden. Nach dieser guten Leistung …

Ulreich: Das liegt nicht in meinen Händen und ist die alleinige Entscheidung des Trainers. Er muss das auch verantworten. Ich habe einfach einen verletzten Kollegen vertreten, alles andere macht der Trainer.

bundesliga.de: Hatten Sie vor dem Spiel Kontakt zu Thorsten Kirschbaum?

Ulreich: Ja, aber nur ganz kurz. Er hat mir viel Glück gewünscht. Wir haben ein gutes Verhältnis, "Kirsche" ist einfach auch ein top Junge.

bundesliga.de: Der VfB Stuttgart liegt nun auf dem letzten Tabellenplatz. Eine beängstigende Situation, oder?

Ulreich: Für mich als Stuttgarter Eigengewächs, der 16 Jahre im Verein ist, ist das sehr bitter. Der Verein hängt mir am Herzen, und auch als ich auf der Bank saß, habe ich immer mitgezittert. Der VfB gehört einfach in die Bundesliga, von daher ist das keine schöne Momentaufnahme. Aber ich glaube, wenn wir weiter so leidenschaftlich spielen wie auch gegen die Augsburger, dann werden wir uns sicher auch einmal wieder belohnen und Spiele gewinnen.

"Hut ab vor Timo Baumgartl"

bundesliga.de: Die Stuttgarter Fans haben Sie sehr euphorisch empfangen. Tut gut, oder?

Ulreich: Natürlich ist das ein gutes Gefühl. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Fans so hinter mir stehen. Sie haben sich wohl einfach gefreut, mich mal wiedersehen.

bundesliga.de: Keine Spur von Nervosität beim Comeback?

Ulreich: Wie gesagt, ich habe ja schon ein paar Bundesliga-Spiele hinter mir. Ich gebe einfach immer alles - das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Heute war es besser.

bundesliga.de: Zum Abschluss noch ein Wort zu dem 18-jährigen Timo Baumgartl, der heute sein Debüt im Stuttgarter Trikot gegeben hat. War gut, oder?

Ulreich: Absolut. Es war beeindruckend, was für ein sicheres Spiel er in dieser schwierigen Situation gemacht hat. Hut ab, Chapeau. Er hat einen guten Charakter. Wir versuchen ihn jetzt auf dem Boden zu halten, aber da sehe ich bei ihm eigentlich keine Gefahr.

Das Interview führte Jens Fischer