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Werder Bremen und der märchenhafte Aufstieg des Niclas Füllkrug

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Es gibt sie, diese Bilderbuchkarrieren, in denen eigentlich immer die Sonne scheint. Und dann gibt es Spieler wie Niclas Füllkrug. Der Bremer Angreifer ist mit 29 Jahren in der Form seines Lebens und wird immer öfter mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Füllkrug hat eine bewegte Karriere hinter sich, in der er mit vielen bitteren Rückschlägen umgehen müsste. All dies hat ihn zum derzeit torgefährlichsten Stürmer der Bundesliga geformt.

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Am 21. Januar 2012 lief Niclas Füllkrug erstmals in der Bundesliga auf. Thomas Schaaf wechselte den 19-Jährigen Angreifer im Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen nach einer guten Stunde für Mehmet Ekici ein. Gemeinsam mit Claudio Pizarro und Markus Rosenberg versuchte der junge Füllkrug, aus einem 1:1 (Tore Pizarro und Reinartz) noch einen Heimsieg zu machen. Das gelang zwar nicht, aber Füllkrug hatte nun einen festen Platz im Bremer Profikader und kam in zehn der restlichen 15 Spiele der Saison zum Einsatz. Ein Mal durfte er sogar von Beginn an ran und machte gegen den FC Augsburg prompt sein erstes Bundesliga-Tor.

Beste Phase in Hannover

Wer sich den Treffer gegen die Fuggerstädter vom 24. März 2012 noch einmal anschaut, wird vieles wiederentdecken, was Füllkrug derzeit auch so stark macht: Starke Ballbehauptung, ein gelungenes Dribbling und ein wuchtiger Abschluss aus der zweiten Reihe, der präzise im Tor einschlägt. Die meisten Augenzeugen waren sich damals einig: Hier wächst das nächste große Bremer Sturmtalent heran.

Der große Leistungssprung zur nächsten Saison bleib aber aus. Füllkrug blieb zumeist Joker und erzielte in zwölf Einsätzen der Hinrunde 2012/13 einen Treffer. Und dann setzte ihn ein Knorpelschaden im Knie langfristig außer Gefecht. Es war die erste von vielen schweren Verletzungen in Füllkrugs Karriere. In Bremen kam er nicht mehr zum Zuge und so lief er erst für Fürth und dann für Nürnberg in der 2. Bundesliga auf. Für den Club bewies er mit 14 Treffern in der Spielzeit 2015/16 seine Qualität als Torjäger. Ein Jahr später stieg Füllkrug mit Hannover 96 in die Bundesliga auf und spielte anschließend seine bis heute stärkste Saison. Mit 14 Bundesliga-Treffern hatte er 2017/18 großen Anteil am souveränen Klassenerhalt der 96er.

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Bremen-Rückkehr unter unglücklichem Stern

Füllkrug war begehrt, blieb aber in Hannover – und zog sich in der Folgesaison den nächsten Knorpelschaden zu. Wieder das Knie! 2019 kehrte er dann nach seiner Verletzung nach Bremen zurück und erwischte einen richtig starken Start. Zwei Tore und eine Vorlage in den ersten vier Bundesliga-Spielen für den verlorenen Sohn! Wie so oft in Füllkrugs Karriere folgte dann aber der Schock: Im Training riss der Stürmer sich das Kreuzband. Erst in der Endphase der Saison kam der Stürmer noch einmal zurück und half mit zwei Treffern in vier Einsätzen, dass der SV Werder Bremen den Relegationsrang noch erreichte und die Klasse hielt.

Auf die kollektive Erleichterung im Sommer 2020 folgte der Absturz in die 2. Bundesliga 2021. Wieder verpasste Füllkrug 14 Partien verletzungsbedingt, aber erstmals in seiner Bremer Zeit konnte er auch nur selten überzeugen, wenn er denn spielte. Die vielen Verletzungen schienen ihren Tribut gefordert zu haben. Mit jenem unbekümmerten 25-Jährigen, der für Hannover 14 Mal in einer Saison in der Bundesliga traf, hatte der Füllkrug 2020/21 nicht mehr viel gemein. Die einst so verheißungsvolle Karriere befand sich in einer Sackgasse.

Beeindruckender Kampf aus der Formkrise

"Ich sag immer, was soll ich machen? So plakativ sich das anhört: was bleibt mir übrig? Also mache ich weiter", erklärt Füllkrug, wie er mit den vielen Rückschlägen seiner Karriere umging. Und mit dieser Einstellung schaffte der 1,89 Meter große Kopfballspezialist ein mehr als erstaunliches Comeback. Nach großen Startschwierigkeiten schoss er sich in der 2. Bundesliga aus dem Formtief und Werder gemeinsam mit Sturmpartner Marvin Ducksch zurück in die Bundesliga. Dabei zeichnen Füllkrug nicht nur seine Qualitäten im Strafraum, sondern auch seine Übersicht, die Ruhe am Ball und auch - wie schon bei seinem ersten Bundesliga-Tor bewiesen - sein Torgefahr aus der Distanz aus. "Die hässlichen Vögel" zerfleddern ihre Gegner nun auch auf der höchsten nationalen Bühne – wie zuletzt beim berauschenden 5:1-Triumph gegen Borussia Mönchengladbach.

Die Torjägerliste

Immer häufiger wird der Name Füllkrug auch mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Bei sieben Toren nach acht Bundesliga-Partien ist das kein Wunder. Rudi Völler ist der einzige Bremer, der je treffsicherer in eine Saison startete, Miroslav Klose brachte es 2005/06 ebenfalls aus sieben Treffer. Es sind also große Namen, mit denen Füllkrug derzeit auf Augenhöhe agiert. Und vielleicht kommt bald ja auch eine weitere Gemeinsamkeit dazu: Ein Einsatz in der deutschen A-Nationalmannschaft.

Florian Reinecke