
Werder findet den Reset-Knopf
Laut war das Murren an der Weser nach dem verpatzten Saisonstart in Freiburg, noch lauter die Ostkurve am Samstagnachmittag nach dem doch etwas überraschenden 3:1-Erfolg über RB Leipzig. Spieler und Trainer wollten den ersten gelungenen Heimauftakt nach 13 Jahren "nicht zu hochhängen", durften auf ihre Leistung aber stolz sein und für einen Akteur ging gar "ein Traum" in Erfüllung.
Wer die perfekte Antwort auf einen doch ziemlich verpatzten ersten Spieltag (1:4 in Freiburg) sehen wollte, der musste am Samstagnachmittag einen Blick ins Bremer Weserstadion werfen. Der dort beheimatete SV Werder zeigte einen in allen Belangen verbesserten Auftritt, siegte gegen RB Leipzig mit 3:1 und feierte damit zum ersten Mal nach 13 Jahren wieder einen Sieg im ersten Heimspiel der Saison. "Die Bereitschaft war bedeutend höher als letzte Woche", stellte Cheftrainer Daniel Thioune entsprechend fest und lobte explizit die "enorme Intensität" und "die Haltung über die vollen 90 Minuten" seines Teams.
Bereits nach vier Minuten hatte Eren Dinkçi die Hausherren in Führung gebracht, der zweite "Heimkehrer" Niclas Füllkrug (68.) und Marco Grüll (80.) brachten den Dreier schließlich unter Dach und Fach - Ridle Baku gelang ganz spät nur noch der Ehrentreffer (90.+6). Der großen Choreo von vor Spielbeginn mit der Ansage "Kämpfen, Siegen" wurde damit Folge geleistet.
Dinkçi erfüllt sich "einen Traum"
Gerade für den in Bremen geborenen und beim SVW ausgebildeten Dinkçi war das Tor bei dessen ersten Startelf-Einsatz nach der Ausleihe vom SC Freiburg etwas ganz Besonderes, wie er nicht nur mit einem Kuss auf das Vereinswappen seines Trikots zu verstehen gab: "Es war sehr emotional für mich. Ich habe es nie verheimlicht, dass es schon immer ein Traum von mir war, hier zu treffen. Umso schöner, dass es geklappt hat."
Diese Leidenschaft eines Dinkçi zeigten aber noch weitere Spieler, so auch die jüngsten Neuzugänge Arthur und Youri Regeer, die sofort in die Startelf rotierten. "Es geht nicht die ganze Zeit nur um Fußball, es geht auch um die Einstellung, ein Krieger zu sein. Ich habe heute 20 Krieger gesehen", hatte Letztgenannter noch ein paar markige Worte parat und scheiterte selbst nur knapp an seinem ersten Treffer, weil der gegnerische Torhüter einen Distanzschuss von ihm noch an die Latte lenkte.

Kein weitere Wind in den Segeln der Kritiker
Keine Chance hatte Maarten Vandevoordt hingegen beim Treffer von Füllkrug, den dieser mit einem wuchtigen Kopfball erzielte. Der 33-Jährige mit dem ausgesprochen umfangreichen Bizeps ließ den Geräuschepegel im Weserstadion damit noch einmal gehörig in die Höhe schnellen und schlug hinterher in die gleiche Kerbe wie Dinkçi: "Vor der Ostkurve zu treffen, ist ein Gefühl, was man schwer in Worte fassen kann." Sehr aufgeräumt zeigte er sich hingegen in der Analyse: "Grundsätzlich will ich das heutige Spiel nicht zu hochhängen, so wie wir das Freiburg-Spiel auch nicht zu hoch gehängt haben."
Andere hatten das allerdings. Es war für eine Woche so, als schwebte schon das Abstiegsgespenst über dem Osterdeich. "Der Sieg tut unheimlich gut, nachdem wir eine unruhige Woche hatten. Viele haben gesagt, dass es ein schweres Jahr werden kann, wovon ich mich jetzt auch nicht lösen will", merkte Thioune entsprechend an und hat zusammen mit seiner Truppe mit dieser Leistung und dem Dreier erfolgreich den Rest-Knopf gefunden. In Köln heißt es in der kommenden Woche, das zu bestätigen.