Für BVB-Sportdirektor Michael Zorc gehtb es im Supercup auch ums Prestige
Für BVB-Sportdirektor Michael Zorc gehtb es im Supercup auch ums Prestige
Bundesliga

Interview: Zorc über Supercup, Reus und Bayern

Zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern geht es im Supercup nicht nur um den ersten Titel  – es geht auch ums Prestige. Das betontauch Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc und kündigt dem Gegner einen heißen Kampf an.

"Es geht immer ums Prestige"

bundesliga.de: Michael Zorc, muss man nach der deutlichen 0:4-Niederlage im letzten Test beim FC Liverpool die alte Formel von der verpatzten Generalprobe und der rauschenden Premiere bemühen, wenn man auf den Supercup blickt?

Michael Zorc: Das Spiel in Liverpool war eigentlich keine Generalprobe, gleichwohl war es für uns ein guter und auch wichtiger Test. Bis zu diesem Zeitpunkt war unsere Vorbereitung sehr unproblematisch, obwohl unsere Spieler nach der WM zu unterschiedlichen Zeitpunkten wieder ins Training eingestiegen sind. Aber in Liverpool sind wir auf eine Mannschaft gestoßen, die enorme Qualität hat und in der Vorbereitung schon weiter ist. Wir waren zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht in der Verfassung, da komplett gegenhalten zu können. Das Ergebnis hat sicher weh getan, es war eine richtige Klatsche. Aber es kann auch hilfreich sein, wenn man die richtigen Lehren daraus zieht.

bundesliga.de: Das Selbstbewusstsein vor dem Gipfeltreffen mit den Bayern ist also nicht angeknackst?

Zorc: Das werden wir sehen. Ich gehe aber nicht davon aus, weil die Mannschaft zuvor auch sehr viele positive Eindrücke mitnehmen konnte. Fakt ist aber auch, dass wir am Mittwoch eine Leistungssteigerung brauchen und mehr abrufen müssen, wenn wir den Supercup gewinnen wollen. Und das wollen wir ohne Frage!

bundesliga.de: Es lockt der erste Titel der Saison.

Zorc: Gerade gegen diesen Gegner ist es immer auch ein Prestigekampf. Wir spielen zu Hause im ausverkauften Signal Iduna Park vor über 80000 Zuschauern. Da wollen wir ein gutes Bild abgeben und natürlich auch gewinnen, das ist doch ganz klar. Der Supercup ist ein Titel, den man gerne holen möchte.

bundesliga.de: Der Supercup besitzt auch für Sie einen hohen Stellenwert?

Zorc: Es ist eigentlich schade, dass dieser Wettbewerb im Laufe der letzten Jahre nicht immer durchgeführt wurde bzw. immer mal wieder Regeländerungen unterworfen war. Der Supercup benötigt nun Nachhaltigkeit und Tradition. Dann wird er sich wie in anderen Ländern Europas noch mehr etablieren und auch in Deutschland langfristig betrachtet jenen Stellenwert bekommen, den er aufgrund der Klasse der Spielpartner verdient hat. Das große Interesse auch im Ausland spricht ja schon für sich.

bundesliga.de: Im Vorfeld der Partie gab es dezent gesagt atmosphärische Störungen zwischen Bayern und Dortmund.

Zorc: Von unserer Seite ist alles dazu gesagt. Wir haben lediglich festgestellt, dass wir es nicht gerne haben, wenn andere Klubs und ihre Verantwortlichen permanent in der Öffentlichkeit über vermeintliche Vertragsinhalte unserer Spieler sprechen. Das gehört sich nicht.

bundesliga.de: Sie haben von der Mannschaft am Mittwoch eine Leistungssteigerung gefordert. In Liverpool gab es vor allem in der Defensive Probleme.

Zorc: Das hatte mit den gesamten Abläufen innerhalb der Mannschaft zu tun. Wir haben auch kaum eine Torchance herausspielen können. Wir hatten an diesem Tag zudem körperlich gegen eine sehr robuste englische Mannschaft das Nachsehen. Insgesamt hat einfach die Frische gefehlt. Das körperlich Robuste kommt automatisch, wenn du in der Vorbereitung weiter bist. Da hilft uns jetzt jeder Tag.

Reus und Gündogan auf dem Weg zurück

bundesliga.de: Beim Supercup vor einem Jahr konnten sich beim 4:2-Sieg des BVB über die Bayern mit Marco Reus und Ilkay Gündogan zwei Spieler  in die Torschützenliste eintragen, die jetzt aufgrund von Verletzungen fehlen. Sie dürften beide sehr vermissen?

Zorc: Marco ist gerade wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, für ihn kommt das Spiel nur ein paar Tage zu früh. Und auch Ilkay ist auf einem guten Weg. Seine Reha seit der Mini-Operation an der Wirbelsäule verläuft wirklich vielversprechend. Wir müssen auf ihn jetzt schon so lange verzichten. Da ist die Freude über seine Fortschritte deutlich größer als die Trauer darüber, dass er noch nicht spielen kann und uns auch im Supercup fehlt.

bundesliga.de: Gündogan wäre nach seiner langen Pause bei seiner Rückkehr so etwas wie ein gefühlter Neuzugang. Kann er das Spiel des BVB dann noch einmal auf eine andere Ebene heben?

Zorc: Gar keine Frage, Ilkays spielerische Klasse tut uns sehr gut. Seine Fähigkeiten, auch in schwierigen Situationen den Ball zu behaupten, richtige Lösungen zu finden und das Spiel im richtigen Moment zu verlagern, das alles zeichnet ihn aus. Er besitzt eine Ballsicherheit, die nur ganz wenige Spieler haben.

bundesliga.de: Am Mittwoch kommt es für Sie auch zum Wiedersehen mit Robert Lewandowski.

Zorc: Vor allem für Robert wird es sicher ein besonderes Spiel sein, wenn er zum ersten Mal mit Bayern München hier bei uns antreten muss. Er hatte wundervolle Jahre mit uns, und wir hatten wundervolle Jahre mit ihm. Aber wir wollen uns nicht mehr mit dem beschäftigen, was war. Wir schauen nach vorne und müssen jetzt andere Lösungen finden.

bundesliga.de: Wie werden die aussehen? Geht der Trend zur Doppelspitze?

Zorc: In Lewandowski ist ohne Frage ein stilprägender Offensivspieler gegangen. Wir müssen jetzt die beste Lösung für das vorhandene Personal finden. Eine 4-4-2-Formation mit zwei Stürmern ist nur eine Option, die Jürgen Klopp in der Vorbereitung getestet hat. Wir haben mehrere Stürmer, die dieses System gut spielen können und auch früher schon gespielt haben. Aber Immobile, Ramos, Aubameyang und auch Ji können in der Offensive verschiedene Positionen spielen. Das ist vielleicht unser Vorteil in der neuen Saison.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte