Augsburg - Diesen Moment haben sie an der Weser lange herbeigesehnt. Claudio Pizarros Jubelschrei nach seinem ersten Tor für Werder Bremen seit seiner erneuten Rückkehr war vermutlich fast bis nach Bremen zu hören. Dass der Peruaner mit seinem Führungstreffer den Weg zum wichtigen 2:1-Auswärtssieg beim FC Augsburg ebnete, lässt die Werderaner mit einem entspannten Gefühl in die Länderspielpause gehen.

Das Team von Trainer Viktor Skripnik war am 12. Spieltag der große Gewinner im Tabellenkeller und verschaffte sich dank des zweiten Auswärtssiegs in Folge ein kleines Polster von drei Punkten auf den Relegationsplatz. "Wir waren in einer schwierigen Situation und das bringt der Mannschaft wieder Selbstvertrauen", sagte Pizarro.

Kaltschnäuzigkeit lässt Kollegen schwärmen

Sein Premierentor im neunten Bundesligaspiel seit seiner Rückkehr, sein insgesamt 90. Bundesligator im Werder-Trikot, tat auch dem 37-Jährigen sichtlich gut. "Das Tor war für mich sehr wichtig", sagte der Mittelstürmer. Sein bislang letztes Ligator hatte Pizarro im Mai 2014 für den FC Bayern erzielt. Mit einer technisch perfekten Direktabnahme nach einstudiertem Zusammenspiel mit Santiago Garcia beendete er in Augsburg nun diese Durststrecke. "Es war noch schwieriger, weil du kein Selbstvertrauen hast, wenn du so lange nicht getroffen hast", gab Pizarro zu, der am 34. Spieltag 2011/12 seine bis dato letzten beiden Tore für die Grün-Weißen erzielt hatte.

Nicht nur die zahlreich mitgereisten Fans ließen ihren Liebling in Augsburg hochleben, auch Pizarros Mitspieler gerieten ins Schwärmen. "Das war ein richtiges Traumtor", sagte der zweite Torschütze Fin Bartels. "Das ist er halt, das kann er!" Und Zlatko Junuzovic stimmte in das Loblied mit ein. "Super! Wie er die Flanke technisch verwertet, das ist halt der 'Pizza'!", sagte der Österreicher. "Es ist immer wichtig, solche eiskalten Stürmer zu haben. Wenn Toni mal nicht trifft ist 'Pizza' da." Die ungeplante vorzeitige Auswechslung des angesprochenen Anthony Ujah hatte Pizarros großen Auftritt überhaupt erst möglich gemacht.

"Das ist schon Wahnsinn!"

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Genau für solche Momente haben die Bremer ihren Publikumsliebling ein drittes Mal verpflichtet. "Er hat gezeigt, dass er nicht nur ein großer Name, sondern auch ein wichtiger Spieler für uns ist", sagte Trainer Skripnik und staunte über Pizarros Kaltschnäuzigkeit. "Eine Chance, ein Tor - das ist schon Wahnsinn!" Für Pizarro war es das 15. Jokertor seiner Karriere, drei fehlen ihm noch bis zur Bestmarke von Alexander Zickler. Insgesamt war es sein 177. Bundesligatreffer, zusammen mit Dieter Müller und Klaus Allofs belegt er damit Platz sieben in der ewigen Torjägerliste.

Wegen fehlender Fitness zu Saisonbeginn musste Pizarro so lange auf dieses erlösende Erfolgserlebnis warten. Den Rückstand hat der erfolgreichste ausländische Bundesliga-Torjäger aber mittlerweile aufgeholt. "Er ist jetzt auch besser im Spiel und in den Zweikämpfen körperlich robuster", merkte Teamkollege Junuzovic an. In Augsburg gewann er für einen Stürmer gute 55 Prozent seiner Zweikämpfe, war bei den Bremer Kontern Anspielstation Nummer eins und strahlte insgesamt viel Präsenz aus. Das Tor rundete die gelungene Vorstellung ab. "Ich habe richtig hart gearbeitet und das ist die Belohnung", betonte Pizarro.

Eichin mahnt zur Gelassenheit

Geschäftsführer Thomas Eichin freute sich mit ihm. "Der Knoten ist geplatzt, das hat man ihm auch angemerkt." Zugleich wollte Eichin aber den Ball flach halten, indem er an die Reaktionen nach Pizarros Debüt mit Assist in Hoffenheim erinnerte. "Wir wollen nicht schon wieder den Fehler machen und völlig ausflippen. Und in zwei Wochen, wenn er dann nicht spielt oder nicht trifft, geht es wieder in die andere Richtung."

Für ausgiebige Feierlichkeiten blieb nach dem Spiel in Augsburg ohnehin keine Zeit, schließlich ging es für Pizarro gleich in Richtung Heimat. Die Reise zur Nationalmannschaft Perus trat er mit dem guten Gefühl an, seinen Kollegen dank seines Treffers ein paar Tage zum Durchatmen verschafft zu haben. "Wir können jetzt zwei Wochen in Ruhe arbeiten und uns auf das nächste Spiel vorbereiten", sagte Pizarro. Sein Trainer erhofft sich von den überzeugenden Auswärtsauftritten eine Initialzündung und will nach der Länderspielpause gegen den VfL Wolfsburg auch zuhause den Bock umstoßen. "Ich hoffe, dass es so weitergeht", sagte Skripnik, "ob mit ihm oder ohne ihn."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz