Köln - Der VfB Stuttgart hat einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt getan. Dank eines verdienten 3:1-Auswärtserfolges beim heimstarken 1. FC Köln erarbeiteten sich die Schwaben einen Vier-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Ein so dickes Polster hatte der VfB Stuttgart in dieser Saison noch nie. Vergessen sind die düsteren Zeiten, in denen die Elf von Trainer Bruno Labbadia abgeschlagen im Tabellenkeller feststeckte. Immer wieder gab es bittere und unerwartete Rückschläge.

Wichtige Punkte gegen die direkte Konkurrenz

Am 20. Spieltag betrug der Rückstand auf Platz 15 nach der 0:1-Heimpleite gegen den SC Freiburg sechs Punkte. Dann kam der VfB am 22. Spieltag gegen Nürnberg daheim mit 1:4 unter die Räder, eine Woche später gab es ein 2:4 in Leverkusen. Die Schwaben lagen vier Punkte hinter Platz 16. Die Situation schien aussichtslos.

Doch irgendwie fand Stuttgart wieder in die Spur. Vor allem auswärts landeten die Cannstätter einen Big Point nach dem anderen. In den Duellen gegen die direkte Konkurrenz befreite sich der VfB aus der prekären Lage, gewann in Mönchengladbach, bei St. Pauli, in Frankfurt und nun beim 1. FC Köln. In den letzten sieben Spielen holte der Traditionsverein 14 Punkte und verkraftete auch den erneuten Rückschlag am vergangenen Spieltag, als er trotz Pausenführung gegen Kaiserslautern noch mit 2:4 einbrach.

"Unglaublich wichtiger Sieg"

"Wir haben den Abstiegskampf erst sehr spät angenommen. Aber dann richtig und nicht zu spät", sagt der erleichterte VfB-Stürmer Martin Harnik, dem in Köln sein neunter Saisontreffer gelang: "Wir haben uns das erarbeitet, dass wir aus dem Keller rauskommen. Wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben, sind wir alle über die Erfahrung glücklich."

Doch noch ist das rettende Ufer nicht erreicht, auch wenn die Labbadia-Truppe der große Sieger des 30. Spieltages war. "Ein Gewinner sind wir aber erst, wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben", warnt der Coach vor zu viel Vorfreude: "Aber es war ein unglaublich wichtiger Sieg. Wir wollten eine Reaktion auf das Kaiserslautern-Spiel zeigen, dafür hat das Team unter der Woche im Training hart gearbeitet."

Hajnal belebt das VfB-Spiel, Cacau beißt auf die Zähne

Auch die personellen Umstellungen zahlten sich aus. Vor allem das Mitwirken von Tamas Hajnal, der gegen Kaiserslautern wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel verletzt fehlte und schmerzlich vermisst wurde, belebte das Stuttgarter Aufbauspiel. Im Sturm vertraute Labbadia auf Cacau, der eigentlich nach Aussage des Trainers wegen seiner Leistenprobleme auf dem "OP-Tisch liegen müsste", sich aber für den Verein aufopfert und sich ein Sonderlob verdiente.

"Die Schmerzen haben sich gelohnt. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass wir in der Liga bleiben", strahlte Cacau nach dem Schlusspfiff in Köln: "Die letzten Wochen waren wegen der Verletzung nicht gut für mich. Die ist immer noch da. Aber wir machen alles, damit der Verein in der Bundesliga bleibt. Danach kann ich das auskurieren."

Anspruchvolles Restprogramm

Mit dieser Einstellung wird der VfB den Klassenerhalt schaffen. Einzelinteressen stehen hinten an. "Wir haben uns darauf besonnen, dass es nur geht, wenn wir alle zusammen geschlossen stehen und jeder ausschwärmt, wenn wir kontern", sagte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic: "In der Rückrunde haben wir gerade auswärts unheimlich gut gepunktet. Die anderen Ergebnisse waren gut für uns. Das ist sehr wichtig."

Das Restprogramm der Schwaben ist durchaus anspruchsvoll und hält für den VfB zunächst ein Heimspiel gegen den Hamburger SV bereit. Danach steht die Reise nach Hoffenheim auf dem Programm, gefolgt von der Heimpartie gegen Hannover 96 und dem Saisonfinale beim FC Bayern.

Gerade vor der letzten Aufgabe beim Rekordmeister hat der VfB Stuttgart großen Respekt. "Keiner möchte in München am letzten Spieltag noch zittern", gesteht Harnik. Deshalb sind jetzt auch "Dreier" in den kommenden Heimspielen Pflicht. Dann käme der VfB mit einem blauen Auge aus dieser Saison davon.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski