Hamburg - Eigentlich kann eine Mannschaft zufrieden sein, wenn sie als Fünfzehnter der Hinrundentabelle auf den Sechsten trifft und zuhause einen Punkt ergattert. Doch die "Kiezkicker" bekamen ein wenig brutal einen Spiegel beim tapfer erkämpften 2:2 gegen den SC Freiburg vor die Nase gehalten, der auch die eigenen Unzulänglichkeiten des FC St. Pauli abbildete.

Die Hamburger hatten zwar insgesamt mehr vom Spiel, zumindest optisch Feldüberlegenheit gegen taktisch abgebrüht operierende Gäste aus dem Breisgau. Doch zwei Unachtsamkeiten im Bruchteil einer Sekunde reichten diesen, um zwei Tore zu erzielen.

Ärger bei Stanislawski

Vor allem war es auch die Kaltschnäuzigkeit ihres Starstürmers Papiss Demba Cissé, der im Stile eines echten Goalgetters zwei Mal traf. Zwischen Aufwand und Ertrag klafft bei den "Braun-Weißen" dagegen eine Lücke, das weiß auch Coach Holger Stanislawski. "Wenn man zuhause zwei Mal in Führung geht, ist ein Punkt am Ende natürlich ärgerlich", bilanzierte der Coach enttäuscht.

Ball paradox zunächst am, weil Cissé, mit 13 Treffern immerhin bester Torschütze der Hinrunde, in der elften Minute ein Elfmeter-Duell gegen St. Pauli-Keeper Thomas Kessler verlor, der gekonnt parierte. Auf der Gegenseite verwertete Marius Ebbers nur wenig später eiskalt zur Führung für die Hausherren (13.).

Ebbers war bis dato quasi das Gegenmodell zum extrem effektiven Cissé gewesen. Äußerst fleißig und teamdienlich, gelangen dem Stoßstürmer erst zwei Bundesliga-Treffer in dieser Serie. Nun köpfte er eine Flanke von Bastian Oczipka trocken und unhaltbar ins untere Eck. Ansonsten reduzierte sich die erste Halbzeit auf viel Stückwerk auf beiden Seiten. Freiburg agierte aus einer sicheren Ordnung heraus, konnte gegen kampf- und laufstarke Gäste aber selten den entscheidenden Meter machen.

Gunesch hat gefühlt zwei Punkte verloren

Doch Cissé hat einen guten Ruf als exzellenter Torjäger zu verteidigen, und der Senegalese tat dies. In der 61. Minute drosch er einen vom Japaner Kisho Yano schön servierten Ball eiskalt und volley aus sechs Metern in die Maschen. St. Pauli konterte abermals mit einer Stürmer-Story.

Gerald Asamoah, erst drei Minuten zuvor eingewechselt, weil diesmal Charles Takyi im zentralen Mittelfeld den Vorzug gegenüber der Variante mit hängendem Stürmer erhalten hatte, vollendete eine Hereingabe, abermals von Oczipka, zur erneuten Führung für die "Braun-Weißen" (68.).

"Unsere Offensivbemühungen haben wir mit zwei Toren gekrönt. Es fühlt sich nach so einer Partie aber nicht an, als hätte man einen Punkt geholt, sondern eher zwei verloren", sagte ein enttäuschter Innenverteidiger Ralph Gunesch. Denn als St. Pauli auf die Entscheidung drängte, tauchte ein SC-Spieler schlagartig frei vor Kessler auf und traf (75.). Sein Name: Papiss Demba Cissé.

Der Blick geht nach vorne

Vor allem die Hanseaten drängten fortan auf Sieg, wäre ein "Dreier" doch der wichtige Befreiungsschlag in punkto Distanz zu den Abstiegsrängen gewesen. Es reichte nicht. "Kein hochklassiges, aber ein aufregendes Spiel", sah Stanislawski.

Elfer-Held Kessler analysierte ebenso trocken, wie er den Strafstoß hielt: "In den beiden entscheidenden Situationen haben wir uns nicht durchgesetzt und deshalb haben wir nicht gewonnen." Sein Kollege Florian Bruns richtete den Blick schon wieder nach vorne: "Es sind 16 Partien, in denen wir unsere Punkte noch holen werden."