München - Mario Gomez hat die Zeichen der Zeit erkannt: "Mit 26 bist du als Stürmer im besten Alter", sagte der Stürmer des FC Bayern dem "Kicker": "Ich bin jetzt in einem Alter, in dem meine besten Jahre beginnen - oder schon begonnen haben." Den Beweis für seine These hat der Nationalspieler mit 16 Treffern in der Hinrunde abgeliefert.

Mit seiner Einschätzung liegt Gomez auch auf die Bundesliga bezogen goldrichtig. Seine Altersgenossen, zu denen auch Lukas Podolski oder Mohammed Abdellaoue zählen, erzielten 23 Prozent aller Stürmertore in der Hinrunde. 47 Mal netzten die 26-Jährigen ein und waren damit mit Abstand der treffsicherste Jahrgang unter den Angreifern. Auch prozentual die meiste Spielzeit entfiel auf diese Altersklasse (Bild 1).

"Alte Hasen" mit weniger Spielzeit

26 ist offensichtlich das Alter, in dem die Angreifer einerseits körperlich auf dem Höhepunkt sind und andererseits die nötige Erfahrung gesammelt haben. Oder wie es Gomez ausdrückt: "Die Erfahrung für spielentscheidende Situationen nimmt zu, du bleibst gelassener."

In Sachen Treffsicherheit folgen die 28 und 22 Jahre alten Angreifer mit 28 beziehungsweise 24 Treffern. Der Vergleich mit der Saison 2001/02 zeigt, dass die Bundesligatrainer im Angriff tendenziell weniger auf "alte Hasen" setzen. Stürmer, die älter als 29 Jahre sind, kommen seltener zum Zug als noch vor einem Jahrzehnt.

Raul gehört längst nicht zum alten Eisen

Dass ein guter Torriecher aber auch im Alter noch funktionieren kann, hat Schalkes Raul in der Hinrunde bewiesen. Der 34 Jahre alte Spanier war der älteste eingesetzte Stürmer der Hinserie. Zehn Mal bewies er sein Näschen (zur Torjägerliste).

Auch der heutige Bayern-Trainer Jupp Heynckes hat einst gezeigt, dass Alter nicht vor Toren schützt: Er hörte mit 33 Jahren auf und schoss in seiner letzten Saison noch 18 Tore für Gladbach.

Verjüngung im Mittelfeld

Während es im Sturm nur eine leichte Tendenz zu jüngerem Personal gibt, setzen die Trainer im Mittelfeld verstärkt auf jüngere Jahrgänge. Vor einem Jahrzehnt war das Altersspektrum in diesem Mannschaftsteil breiter und die Spielminuten waren ausgeglichener auf die Altersklassen verteilt. In der aktuellen Hinrunde entfielen besonders viele Spielminuten auf die 21- bis 27-Jährigen.

Die 23-Jährigen bekommen im Mittelfeld prozentual gesehen die meiste Einsatzzeit, während vor zehn Jahren noch die 25-Jährigen im Schnitt am längsten auf dem Rasen standen. Das gleiche Ergebnis lieferte bereits die positionsübergreifende Betrachtung. In allen Mannschaftsteilen setzen die Trainer also im Schnitt auf immer jüngere Kicker.

Den Jugendwahn auf die Spitze trieb übrigens der englische Rekordmeister Manchester United im vergangenen November. Die "Red Devils" nahmen den erst fünf Jahre alten Charlie Jackson unter Vertrag. Geht man von Gomez' These aus, dauert es noch sehr sehr lange, bis Charlies beste Tage beginnen.

Andreas Messmer