Köln - Jeder fünfte Einwohner in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Aber nicht jeder Fünfte ist auch integriert und fühlt sich als Teil des Lebens in Deutschland. Integration ist eine der bedeutendsten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit.

Bei der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls kann Sport - und speziell der Fußball - eine wichtige Rolle spielen. Die 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga führen in der laufenden Saison Spieler aus 55 verschiedenen Nationen zusammen. lIkay Gündogan, Pate der Bundesliga-Stiftung für die Fördersäule Integration, sagt stellvertretend für viele Hundert Berufskollegen: "Integration ist bei uns selbstverständlich, wir denken noch nicht einmal drüber nach. Wir leben sie aus uns selbst heraus."

Eine Chance kann Leben verändern

Die Profi-Clubs, der Ligaverband, die DFL und die Bundesliga-Stiftung wollen dieses Miteinander mit einer Vielzahl von Projekten, Initiativen und Kampagnen stärken – angefangen bei den Fans in den Stadien, aber auch weit darüber hinaus. Die Bundesliga-Stiftung unterstützt seit ihrer Gründung 2008 unter dem Motto "Chancen schaffen" regionale Ansätze, hilft bei der Vernetzung und schiebt bundesweit Projekte – unter anderem beim Thema Integration – an, immer mit der Absicht, nachhaltig zu wirken.

Nummer drei macht "einen Strich durch Vorurteile"

Ausgangspunkte beim Thema Integration waren schon 2011 die Kampagne "Integration. Gelingt spielend." und 2012 "Geh’ Deinen Weg." 2015 verbindet mit der Bundesliga-Stiftung und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nun erstmals der gesamte deutsche Fußball seine Netzwerke mit jenen aus Politik, Wirtschaft und Medien. Unter dem Motto "Mach einen Strich durch Vorurteile" ist jeder Einzelne dazu aufgerufen, eigene Voreingenommenheit kritisch zu hinterfragen und sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von anderen auszusprechen. Schirmherrin der Initiative ist Staatsministerin Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Vom 20.-23. März 2015 bildet der 26. Spieltag der Bundesliga den Auftakt für eine Vielzahl von Aktivitäten. Neben öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen in den Stadien des Profifußballs, die ebenfalls beim Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch gegen Australien sowie in der 3. Liga und der Allianz Frauen-Bundesliga durchgeführt werden, treten DFB und Bundesliga-Stiftung auch medial für eine konsequente Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ein. So engagieren sich die Bundesliga-Profis Ilkay Gündogan, Benedikt Höwedes, Naldo und Änis Ben-Hatira sowie Nationalspielerin Nadine Keßler in TV-Spots, die unter anderem in der ARD, bei Sky und Sport1 geschaltet und auf diese Weise ein Millionen-Publikum erreichen werden.

Die Bundesliga-Stiftung

Am Anfang steht ein Impuls...

Die Bundesliga-Stiftung versteht sich als Impulsgeber und versucht, das vielfältige freiwillige Engagement der 36 Proficlubs und der DFL im gesellschaftlichen Bereich zu bündeln, zu ergänzen und neue Anstöße zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen zu geben.

Sie setzt sich neben Integration für sozial benachteiligte Kinder ein; sie kümmert sich um die Belange von Menschen mit Behinderung; sie unterstützt Sportler anderer Sportarten.

Daraus sind in Projekte und Initiativen entstanden die bestenfalls in mehreren Städten mit ansässigen Bundesligisten etabliert wurden und von der Bundesliga-Stiftung jährlich mit insgesamt ca. 2,4 Millionen Euro gefördert werden.

Von kleinen Kindern und großen Brüdern

Leuchtturmprojekte wie "Fußball trifft Kultur" (Kinder mit Migrationshintergrund erhalten professionelles Fußballtraining und Zusatzunterricht in ihrer Schule) oder "Lernort Stadion" (ein Lernangebot im Stadion, bei dem der Ort Anlass für Diskussionen unter anderem über Diskriminierung ist) wurden bundesweit etabliert. Auch das Konzept "MitternachtsSport" (Jugendliche kicken zu den "gefährlichen Zeiten" an den Wochenenden in Turnhallen, ab und zu sogar mit ihren „großen Brüdern“ aus der Bundesliga) oder die Workshopreihe "Show Racism the Red Card", bei der das Thema Rassismus spielerisch aufgearbeitet wird, werden gefördert. Ein bundesweites Willkommensbündnis für Flüchtlinge ist die nächste große Aufgabe.

Die DFL

Alternativlos klappt nur gemeinsam

Wer wirklich Verantwortung übernehmen möchte, muss handeln, dazu gibt es keine Alternative. Auch wenn die Möglichkeiten limitiert sind, weil die Clubs keine Politiker oder Polizisten sind, will die Liga zum Gelingen einer gemeinsamen gesellschaftlichen Idee ohne Diskriminierung beitragen. Um sich nachhaltig gegen Rassismus, Ausgrenzung, Antisemitismus oder Vorbehalte gegen Menschen mit Behinderung einzusetzen, beschäftigt die DFL neben der Bundesliga-Stiftung auch eine eigene Abteilung für Fanangelegenheiten. Seit 2005 erinnert der Liga-Verband in Kooperation mit der Initiative "!Nie wieder" immer am letzten Januar-Wochenende an die Opfer und Verfolgten der Nazi-Diktatur. Ebenso werden die Internationalen Wochen gegen Rassismus unterstützt.

Glaubwürdigkeit ist ein Prozess

Beim Fachtag "REX – Gemeinsam gegen rechts" wird mit Fans, Sicherheitsbeauftragten und Experten in den Bereichen Extremismus und Menschenfeindlichkeit an Lösungsansätzen gearbeitet. Mit dem "Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur" (PFIFF) wird versucht, über den Stadionbesuch hinaus soziale Werte zu multiplizieren. Dafür werden seit 2014 und mindestens bis 2016 jährlich 500.000 Euro zur Verfügung gestellt, mit denen Initiativen wie Exit-Deutschland oder die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt werden. Sie positionieren sich mit Ideen und Lösungsvorschlägen gegen Rechtsextremismus.

Die Clubs

Ein Handbuch "Gegen das Vergessen"

Die 36 Clubs sind die tragenden Säulen für alle sozialen Aktivitäten. Für 70% der Vereine hat speziell das Thema Integration einen hohen bis sehr hohen Stellenwert. Viele leisten sich eigene Mitarbeiter mit sozialpädagogischem Hintergrund. Dadurch sind aktuell mehr Aktionen und Projekte entstanden, als je zuvor. Eintracht Braunschweig hat dem Thema Toleranz, Vielfalt und Respekt ein ganzes Aktionsjahr gewidmet. Werder Bremen diskutiert im Projekt "Jumixx" über Ausgrenzung und Mobbing. Borussia Dortmund konfrontiert mit dem ausgezeichneten Projekt "Gegen das Vergessen" Kinder und Jugendliche, die sich kaum bis gar nicht mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt haben, mit der Nazi-Vergangenheit. Weil das Projekt so erfolgreich ist, soll ein Handbuch erstellt werden, das anderen Vereinen, die ähnliche Projekte planen, als Hilfe oder Unterstützung dient.

Tina Schlosser

Zur Homepage www.strich-durch-vorurteile.de