Köln - Seit 14 Jahren hat er jedes Pflichtspiel seiner Borussia im Stadion verfolgt, ob auswärts oder in Mönchengladbach. Das DFB-Pokalspiel im Dezember 2010 in Hoffenheim war für Thomas "TJ" Jaspers das 500. live erlebte in Folge. Die abgelaufene Saison mit dem glücklichen Ende in der Relegation war für den Fanbeauftragten der Borussia die bislang emotionalste.

Im Gespräch mit bundesliga.de blickt Jaspers, der mit seinen Kollegen Thomas "Tower" Weinmann und Jan Ruoff das Team der Mönchengladbacher Fanbeauftragten bildet, auf Höhen und Tiefen der Saison 2010/11 zurück.

bundesliga.de: Hand aufs Herz: Wie oft hattet ihr euch in der letzten Saison schon mit dem Abstieg abgefunden?

Thomas "TJ" Jaspers: Es gab natürlich Phasen, in denen es wenig Hoffnung gab. Man muss sich nur erinnern, dass wir nach der Hinrunde mit zehn Punkten Letzter waren! Dann kam der Tiefpunkt am 27. Spieltag nach unserer 0:1-Heimniederlage gegen Kaiserslautern. Da gab es doch schon einige Fans, die gesagt haben: "So, das war‘s." Aber wir standen vor zwei Jahren auch schon mal mit dem Rücken zur Wand und haben uns durch zwei Last-Minute-Siege gegen Cottbus und Schalke gerettet. Von daher haben wir Fanbeauftragte immer gehofft.

bundesliga.de: Wann wurde aus dem Funken Hoffnung denn erstmals echte Zuversicht?

Jaspers: Der 5:1-Sieg gegen Köln am 29. Spieltag war schon sehr bedeutend, nicht nur weil es gegen unseren Erzrivalen ging. Das hat bei vielen Fans noch mal den Glauben an die Rettung zurückgebracht.

bundesliga.de: Was war für dich persönlich das nervenaufreibendste Spiel?

Jaspers: Ganz klar das Auswärtsspiel gegen Hannover. Borussia hat Chance auf Chance, aber das Tor will nicht fallen. Und normalerweise verliert man dann solche Spiele. Marco Reus hat uns schließlich erlöst, so dass wir vor den letzten beiden Spielen immer noch den Klassenerhalt schaffen konnten.

bundesliga.de: Wart ihr Fanbeauftragte in der sportlich schwierigen Zeit eher Kummerkasten oder Zielscheibe für manche Fans?

Jaspers: Weder noch. Sehr viele Fans hatten in dieser Phase einfach das Bedürfnis, über die Situation zu reden und sich mit jemandem auszutauschen, um die Nerven zu beruhigen. Ich kann auch ganz klar sagen, dass diese wirklich schwere Zeit dazu beigetragen hat, dass Verein, Fans und Stadt eng zusammengerückt sind; sie sogar zusammengeschweißt hat.

bundesliga.de: Dazu kam noch Unruhe von außen durch die "Initiative Borussia" um Stefan Effenberg…

Jaspers: …die bei der Mitgliederversammlung gnadenlos gescheitert ist. Und das hat ganz sicher nichts mit dem Klassenerhalt zu tun. Unsere Mitglieder und Fans haben sich intensiv mit der Initiative beschäftigt und haben einfach keine überzeugenden Antworten und Konzepte gefunden. Von daher sind wir wirklich stolz auf unsere Fans und Mitglieder, dass sie sich nicht durch einfache Parolen haben beeinflussen lassen.

bundesliga.de: An einen Acht-Stunden-Tag war für euch in der letzten Saisonphase nicht zu denken?

Jaspers: Wohl kaum. Als wir nach dem letzten Bundesliga-Spiel spät aus Hamburg zurückgekommen sind, haben sich schon die Kartenbestellungen für die Relegationsspiele gestapelt. Für das Rückspiel in Bochum konnten wir natürlich nicht alle Kartenwünsche erfüllen und mussten zum Beispiel entscheiden, welcher Fanclub wie viele Karten bekommen kann. Für den Versand blieb keine Zeit mehr, so dass wir die Karten erst am Fanmobil in Bochum verteilen konnten. Ich selbst war in dieser Zeit so angespannt, dass ich morgens um fünf Uhr aufgestanden bin und Mails beantwortet habe.

bundesliga.de: Die nächste Saison kann also nach deinem Geschmack etwas ruhiger laufen?

Jaspers: Dieser unglaubliche Finalcharakter von Relegationsspielen muss es nächste Saison nicht sein. Wenn schon Finalcharakter, dann bitte im DFB-Pokalendspiel in Berlin.