Köln - Die Bundesliga-Stiftung gehört nicht nur zu den größten Unterstützern der Kids-Clubs der Bundesliga-Clubs, sondern fördert den Nachwuchs auch durch vielfältige eigene Projekte. bundesliga.de sprach darüber mit Stefan Kiefer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesliga-Stiftung.

bundesliga.de: Guten Tag Herr Kiefer. Auf bundesliga.de stellen wir in dieser Woche die Arbeit der Kids-Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga in den Fokus, die von der Bundesliga-Stiftung unterstützt wird. Daneben gestaltet und begleitet die Bundesliga-Stiftung im Rahmen der Fördersäule "Kinder" noch viele weitere Projekte. Welche Motivation treibt sie dabei an?

Stefan Kiefer: Unser wichtigstes Ziel in diesem Bereich ist es, allen Kindern die gleichen Chancen zu ermöglichen. Durch unsere Aktivitäten versuchen wir, diesem Ideal näher zu kommen. Wir möchten bei den Kindern eventuelle Schwächen schwächen und vorhandene Stärken stärken. Der Profifußball dient uns dabei als Türöffner. Er bringt alle sozialen Schichten zusammen, nivelliert vermeintliche Unterschiede und Barrieren. Wir fördern Projekte zu Gunsten sozial benachteiligter Kinder oder Initiativen zur Schulung sozialer und emotionaler Kompetenzen.

bundesliga.de: Welche Projekte sind in der Fördersäule „Kinder“ verankert?

Stefan Kiefer: Zwei Leuchtturmprojekte dominieren diesen Bereich: "Fußball trifft Kultur" und "Klasse in Sport". Darüber hinaus fördern wir das Kids-Club Sommercamp, das Kinderhaus der Manuel Neuer Kids Foundation und "play fair, spiel fair" sowie eine Vielzahl weiterer Projekte. Etwa 75 Prozent der Begünstigten der Bundesliga-Stiftung sind Kinder und junge Menschen - sie sind unsere Hauptzielgruppe, denn sie entscheiden darüber in welcher Gesellschaft wir in 15, 20 oder 30 Jahren leben.

bundesliga.de: Was zeichnet die Arbeit der Kids-Clubs aus?

Stefan Kiefer:  Die Kids-Clubs vermitteln Werte und schulen das Sozialverhalten der Kinder, also Dinge, die für ihre Persönlichkeitsentwicklung entscheidend sind. Ebenso im Fokus stehen Aspekte wie Bewegung, gesunde Ernährung oder der Umgang mit digitalen Medien, die das Leben der Kinder maßgeblich beeinflussen. Auch in dieser Hinsicht Kompetenzen zu vermitteln, ist eines der Ziele der Bundesliga-Stiftung. Auf welch breiter Basis dies geschieht, zeigt die Zahl von mehr als 100.000 Kindern, die inzwischen in den Kids-Clubs organisiert sind.

bundesliga.de: Die DFL arbeitet sehr eng mit den Kids-Clubs zusammen. Wie sieht die Kooperation der Bundesliga-Stiftung mit der DFL aus?

Stefan Kiefer: Es gibt mit der Abteilung Fanangelegenheiten der DFL sehr viele Schnittmengen. Wir führen einen intensiven institutionellen Austausch - und das nicht nur im Rahmen der Kids-Clubs, sondern beispielsweise auch beim Thema Inklusion. Wir arbeiten gemeinsam daran, dass Barrieren in den Stadien und in den Köpfen verschwinden. Oftmals sind die Barrieren im Kopf die größeren Baustellen.

bundesliga.de: Inklusion ist das Stichwort. Sie haben lange im Nebenamt die Volunteer-Organisation bei Hannover 96 geleitet, die sich auch um Menschen mit Behinderung im Stadion kümmert. Wie hat sich die Bundesliga im letzten Jahrzehnt in diesem Bereich entwickelt?

Stefan Kiefer: Durch meine Arbeit bei Hannover 96 habe ich eine sehr enge Bindung an dieses Themenfeld und mir liegt sehr viel daran. In den letzten Jahren hat sich vieles zum Positiven gewandelt, aber es ist nicht so, dass man irgendwann ein Ziel erreicht und sich selbstzufrieden zurücklehnt. Vielmehr ist es ein laufender Prozess. Es kommen immer wieder neue Herausforderungen hinzu. Inklusion ist eines der zentralen Themen der Gesellschaft und deshalb auch in der Bundesliga-Stiftung von enormer Bedeutung. Die selbstbestimmte, uneingeschränkte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gemeinschaft zu ermöglichen, ist uns ein wichtiges Anliegen. Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind auf einem richtig guten Weg. Gemeinsam mit unseren Partnern bei der DFL und in Kooperation mit den Inklusionsexperten der Aktion Mensch.

bundesliga.de: Was zeichnet die Aktion Mensch als Partner der Bundesliga-Stiftung aus?

Stefan Kiefer: Aktion Mensch verfügt im Themenfeld Inklusion über ein enormes Know-How. Sie bringt nicht nur Fördermittel, sondern vor allem auch ihre Expertise ein. Wir pflegen einen regen Austausch und nehmen die Einschätzungen von Aktion Mensch sehr gerne in unsere Überlegungen und Planungen mit auf.

bundesliga.de: Wie passen Kids-Clubs und Menschen mit Behinderung zusammen?

Stefan Kiefer: Ich möchte den Zusammenhang anhand eines anderen von der Bundesliga-Stiftung geförderten Projekts verdeutlichen. Lernort Stadion stellt genau diese Verbindung her. Über entsprechend niederschwellige Bildungsangebote in Fußballstadien werden junge Menschen an das Thema Inklusion herangeführt und dabei Berührungsängste ab- und Verständnis aufgebaut. Genau das machen die Kids-Clubs auch, altersgerecht und erlebnisorientiert.

bundesliga.de: Hilft dabei auch das jährliche Sommercamp, das die Bundesliga-Stiftung seit 2013 fördert?

Stefan Kiefer: Die Sommercamps bieten die Möglichkeit, Kindern Werte auf spielerische Weise zu vermitteln. Kids gehen mit Toleranz, Solidarität, Aufgeschlossenheit, dem Bewusstsein für Vielfalt und Inklusion ganz selbstverständlich um. Wir können und wollen das noch verstärken und zusätzliche Impulse setzen. Das Sommercamp bietet dafür eine ganz tolle Plattform.

bundesliga.de: 2013/14 legten die Kids-Clubs den Schwerpunkt auf das Thema "Lesen", 2014/15 auf "Bewegung". Für die kommende Saison hat man sich auf das gemeinsame Jahresthema "Prävention" verständigt. Was steckt hinter dieser Entscheidung?

Stefan Kiefer: Es ist ohne Frage der richtige Weg, das Thema Prävention bei Kindern und Jugendlichen zu platzieren. Es ist weitsichtig und wichtig, sich heute schon vorbeugend der Probleme anzunehmen, die in der Zukunft entstehen könnten. Fehlentwicklungen vorzubeugen und positive Verhaltensweisen zu fördern, das ist eine elementare Aufgabe - auch der Bundesliga-Stiftung. Deshalb ist das Jahresthema sehr gut gewählt.

bundesliga.de: Werden Sie im August das Sommercamp 2015 in Freiburg besuchen?

Stefan Kiefer: Ich habe mir den Termin Rot in meinem Kalender angestrichen und freue mich sehr auf den Besuch in Freiburg!

Das Gespräch führte Florian Reinecke