Dortmund - Meisterträume sind nach sieben Spieltagen in der Liga verpönt - auch beim BVB. Und doch lässt sich sogar der Trainer in diesen Tagen ganz vorsichtig anstecken von der Euphorie rund um die Borussia, wenn auch mit einem breiten Lächeln.

Dass der 1. FSV Mainz 05 unmittelbar vor dem zweitplatzierten BVB die Liga anführt, hat Jürgen Klopp schon mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen: "Das ist die einzige Tabellenkonstellation, in der ich es akzeptieren kann, wenn Mainz vor uns ist."

Klopp gönnt Mainz den Startrekord - aus statistischen Gründen

Dass sein Ex-Verein, dem Klopp ebenso wie vielen der dortigen Funktionsträger immer noch sehr freundschaftlich verbunden ist, jetzt auch den Startrekord eingestellt hat, hat Dortmunds Cheftrainer noch entspannter registriert. Aus gutem Grund: Sieben Siege in Serie zum Auftakt einer Saison hatten vor Mainz bislang nur die Bayern (1995/96) und Kaiserslautern (2001/02) geschafft. In beiden Spielzeiten aber hieß der Meister am Ende der Saison Borussia Dortmund.

Klar, dass diese Geschichte längst auch in Dortmund angekommen ist. Und irgendwie konnte es sich Jürgen Klopp nach dem 2:0-Erfolg über den Rekordmeister und Titelverteidiger Bayern München dann auch nicht verkneifen, dem ungeschriebenen Gesetz der Serie etwas abzugewinnen: "Sollte sich Geschichte zwingend wiederholen wollen, wären wir die Letzten, die sich wehren würden."

Anzeichen von Müdigkeit

Die Fans sind da naturgemäß noch euphorischer. "Deutscher Meister wird nur der BVB", skandierten Zehntausende, als Barrios gegen die Bayern endlich den ersehnten Führungstreffer erzielt hatte. Am Ende stand beim besten Saisonstart der Vereinsgeschichte Sieg Nummer sechs im siebten Spiel zu Buche und ein gefeierter Trainer noch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff glückstrahlend vor der feiernden Südtribüne.

Dabei war natürlich auch Klopp nicht entgangen, dass seine Mannschaft in der Partie gegen die Bayern erstmals eine Halbzeit lang ernste Probleme hatte, in die Partie zu finden und dem Gegner ihr schnelles, attackierendes Spiel aufzuzwingen. Der Offensivfußball zündete nicht wie gewohnt, auch, "weil wir nach den vielen 'englischen Wochen' erstmals ein bisschen platt waren", wie Mats Hummels einräumte.

"Gekämpft wie die Geisteskranken"

Dann aber taten die Dortmunder das, was man in solchen Situationen gemeinhin den Bayern nachsagt. Sie gewannen diese Partie trotzdem, "weil die Einstellung überragend war", wie Klopp nicht ohne Stolz feststellte. "Meine Mannschaft ist immer bereit, nach Lösungen in schwierigen Situationen zu suchen und hat die Tore erzwungen."

Die junge Elf hat ihre Charakterprobe bestanden. "Wir haben gekämpft wie die Geisteskranken", meinte Neven Subotic. Diese Reife, auch in kritischen Situationen als Gemeinschaft zu bestehen, ist ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zu einem titelträchtigen Team.

Klopp bremst die Euphorie

Hohe Laufbereitschaft und absolute Leidenschaft personifizierten den BVB schon im Vorjahr, in dieser Saison ist die junge Mannschaft spieltechnisch und taktisch gereift, paart Spielfreude mit Effizienz. Außerdem hat das Spiel gegen die Bayern einmal mehr gezeigt, "dass diese Mannschaft gierig ist auf Erfolge", wie BVB-Boss Hans-Joachim Watzke anerkennend lobte.

Was also spricht eigentlich gegen einen Deutschen Meister aus Dortmund am Ende dieser Saison? Zunächst noch 27 weitere Spieltage, meint Jürgen Klopp: "Wir sind glücklicherweise nicht behämmert und wissen das einzuordnen. Schließlich haben wir gerade einmal Oktober. Und da sind noch viele Mannschaften hinter uns mit sehr großem Potenzial."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte