Hamburg - Es flossen Tränen, mehrfach brach die Stimme - mit einer hochemotionalen Ansprache hat sich Trainer Holger Stanislawski nach 18 Jahren beim FC St. Pauli verabschiedet und riesige Traurigkeit beim Kiez-Club ausgelöst.

"Mit mir geht das letzte Relikt aus alten Tagen, Tschüs bis bald", sagte der Erfolgscoach am Ende seiner 40-minütigen Rede, es fiel ihm unsagbar schwer, dabei die Fassung zu bewahren.

"Brutaler Gang" vor die Mannschaft

Bereits am Morgen hatte der 41-Jährige die Mannschaft des Tabellenvorletzten von seinem Entschluss unterrichtet, die Hamburger ein Jahr vor Vertragsende zu verlassen, auch die Profis reagierten geschockt. "Das war ein ganz brutaler Gang, den ich nicht vielen Menschen wünsche. Da kam zum Vorschein, dass ich auch einen weichen Kern habe", sagte der einstige eisenharte Vorstopper.

"Zuletzt waren es wahnsinnig intensive Jahre, meine Akkus laden einfach nicht mehr voll auf. Jetzt muss ein Einschnitt kommen, jemand Frisches muss hierher", riet Stanislawski den Club-Verantwortlichen.

Schulte: "Verliere meinen wichtigsten Mitarbeiter"

Sportchef Helmut Schulte antwortete direkt. "Ich verliere meinen absolut wichtigsten Mitarbeiter, mit dem ich jeden Tag der Zusammenarbeit genossen habe", erklärte Schulte, der dem scheidenden Coach eine Dauerkarte auf Lebenszeit versprach und einen Präsidiumsbeschluss bekräftige, demzufolge Stanislawskis alte Rückennummer 21 auch in Zukunft an keinen anderen Spieler mehr vergeben wird.

Bei den Hanseaten will man unter allen Umständen die Saison mit Stanislawski auf der Bank abschließen, eine Trennung noch vor dem Ende der Spielzeit schloss Schulte kategorisch aus: "Auch wenn das ein trauriger Tag für uns ist und eine maximale Belastung für den Verein darstellt."

Ein bisschen Angst vor dem Abschied

Im Heimspiel gegen Titelverteidiger Bayern München am 7. Mai wird sich "Stani" bei den Fans verabschieden. Ein Tag, dem er schon jetzt mit gemischten Gefühlen entgegensieht: "Diese Zuschauer sind einzigartig und machen auch diesen Club einzigartig. Ich freue mich auf das Bayern-Spiel, habe aber auch ein bisschen Angst davor."

Noch als Spieler hatte sich der gelernte Masseur und Bademeister als Teammitglied der "Weltpokalsiegerbesieger" unsterblich gemacht. Vor neun Jahren hatten die Norddeutschen am Millerntor den deutschen Rekordmeister sensationell mit 2:1 besiegt.