Nach 398 Tagen Abstinenz hat die Bundesliga einen ihrer ganz großen Ballzauberer wieder.

Leverkusens Bernd Schneider feierte beim 5:0-Heimsieg seiner Elf gegen Borussia Mönchengladbach sein Comeback.

"Also sprach Zarathustra"

Als der Wink von der Trainerbank kam, brandete der Applaus auf. Die Fans jubelten, als ihr "Schneider Bernd" sich den Trainingsanzug auszog und auf seine Einwechslung wartete. Seite an Seite übrigens mit seinem langjährigen Teamkollegen und heutigen Gladbacher Oliver Neuville.

Zu den Klängen des von Stadionregie eingespielten "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss und begleitet von Standing Ovations der gerührten Zuschauer betrat Bernd Schneider in der 73. Minute beim Stand von 3:0 wieder die große Fußballbühne.

Friedrich übergibt Kapitänsbinde

Nicht nur die Zuschauer verneigten sich vor dem 81-fachen Nationalspieler, auch Bayer-Spielführer Manuel Friedrich tat es, indem er Schneider umgehend die Kapitänsbinde übergab.

Und dass der 35-jährige Mittelfeldspieler nichts von seinem großen Können verlernt hatte, demonstrierte er nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung, als er Michal Kadlec maßgerecht den Ball servierte, den dieser dann unbedrängt zum 4:0 für die Werkself einnicken konnte.

"So aufgeregt war ich noch nie"

"Als ich an der Außenlinie stand, war das ein Gefühl von Gänsehaut pur. Ein bewegender Moment für mich nach der schweren Zeit", gestand Schneider nach dem Spiel. "Ich war schon oft aufgeregt und nervös und habe schon viele wichtige Spiele gemacht. Aber so aufgeregt wie diesmal war ich noch nie. Ich dachte, ich schleppe eine Bleiweste von 40 Kilogramm mit mir herum."

Der Schritt zurück in den Bundesliga-Alltag ist Bernd Schneider gelungen. Ansprüche stellt der "weiße Brasilianer" nicht, das Pokalfinale ist nicht sein Nahziel. Bernd Schneider war einfach nur froh, wieder dabei zu sein.

"Bernd Schneider ist ein Superstar"

"Ich habe in einigen Reha-Phasen manchmal ans Aufhören gedacht. Aber wenn ich das heute sehe, hat sich die Arbeit gelohnt", strahlte "Schnix", wie ihn die Mitspieler rufen. "Für mich war am wichtigsten, dass ich noch den Spaß und die Lust am Fußball habe. Deswegen habe ich nie aufgegeben."

Und das ist gut so, denn Könner wie Bernd Schneider sind immer noch eine Bereicherung für die Bundesliga. "Bernd Schneider ist ein Superstar. Er hat in Leverkusen tolle Spiele abgeliefert. In der Nationalmannschaft war er mein Spieler. Deshalb habe ich mich besonders für ihn gefreut", sagte Rudi Völler zum Comeback des Routiniers.

Zwei Mal auf der Bank

"Die Standing Ovations hat er sich verdient. Der Bernd ist der letzte lebende Straßenfußballer. Der hat alles auf der Straße gelernt auf irgendeinem Hinterhof mit Wäschestangen in der Nähe von Jena. Er ist immer bescheiden und auf dem Boden geblieben. Das wird auch von den Mitspielern anerkannt, das zeichnet ihn aus. Deshalb war der Empfang heute so, wie man sich das vorstellt. Und seine Karriere ist noch nicht vorbei, sie geht ja noch weiter."

Schon gegen Arminia Bielefeld und Bayern München hatte Schneider auf der Bayer-Bank gesessen. Doch Trainer Bruno Labbadia sah den richtigen Moment noch nicht gekommen. Schneiders Stunde schlug gegen Mönchengladbach.

Lob für Manuel Friedrich

"Es war richtig, die letzten zwei Spiele abzuwarten, weil die Ergebnisse nicht gut waren", sah sich Labbadia bestätigt, der sich auch über die Geste von Manuel Friedrich freute, als der Schneider die Kapitänsbinde übergab.

"Das war eine spontane Geste vom Manuel Friedrich. Ich fand das auch sehr gut", lobte der Coach. "Beim Torjubel zum 4:0 hat man gesehen, wie sich jeder für den Bernd gefreut hat. Das ist sehr hoch zu bewerten, ein emotionaler Moment. Und das hat der Mannschaft nach den letzten Wochen sehr gut getan."

Schneider wird noch einmal richtig angreifen

"Nach so einer langen Leidenszeit wieder zurückzukommen, dafür gebührt ihm Respekt. Schnix war immer unser Kapitän. Ich fand es deshalb nur fair, ihm die Binde zu geben", meinte Manuel Friedrich abschließend. "Er hat nichts verlernt, er war schon immer ein Riesenkicker und das wird er auch bleiben." Und in der nächsten Saison wird er noch einmal richtig angreifen.

Aus Düsseldorf berichtet Tobias Gonscherowski