London – Mit dem Schlusspfiff löste sich bei Jens Keller die gesamt Anspannung. Mit einem Urschrei, der wahrscheinlich bis nach Gelsenkirchen zu hören war, freute sich Schalkes Trainer über das 1:1 zum Gruppenauftakt der Champions League beim FC Chelsea.

Nach dem bislang so mageren Saisonstart, mit lediglich einem Punkt aus drei Bundesliga-Spielen und dem Aus in der 1. Runde des DFB-Pokals, hoffen die königsblauen Fans nun auf die Wende zum Guten.

"Das muss uns einen Schub geben. Wir müssen Spiel für Spiel an unsere Grenzen gehen. Nur so kommt der Erfolg zurück. Wir haben heute damit angefangen und müssen am Samstag gegen Frankfurt weitermachen", machte Roman Neustädter den Anhängern im bundesliga.de-Interview Mut.

Auch Julian Draxler wünscht sich die Rückkehr auf die Erfolgsstraße und nimmt sich und seine Mitspieler in die Pflicht. "Wir müssen nun in der Bundesliga zeigen, dass wir uns verändern wollen. Das in London war ein guter Anfang. Aber jetzt müssen wir auch in der Liga solche Leistungen abrufen", erklärte der Nationalspieler.

Kampf, Leidenschaft, Entschlossenheit - die Schalker Notelf zeigte sich im Stadion an der Stamford Bridge fast über die gesamten 90 Minuten als ebenbürtiger Gegner und bot dem Titelfavoriten um Startrainer Jose Mourinho die Stirn.

Jens Keller war auf der Pressekonferenz nach der Partie deshalb auch voll des Lobes für seine Kicker. "Wir haben endlich das umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben den Gegner kommen lassen und dann über Konter unsere Schnelligkeit nach vorne ausgespielt. Das ist uns in der einen oder anderen Situation gut gelungen. Man hat den Teamspirit glaube ich auch auf der Tribüne gespürt", so Keller.

Dabei ist die Leistung umso höher einzustufen, da den Knappen insgesamt neun Spieler nicht zur Verfügung standen. Nur einen Tag vor dem Spiel meldete sich Kapitän Benedikt Höwedes mit einem Teilanriss an der Sehne des Hüftbeugers verletzt ab.

Doch das letzte Aufgebot stemmte sich von Beginn an gegen die von fast allen prognostizierte Niederlage. "Wir standen eigentlich mit dem Rücken zur Wand. Aber wir agierten trotz der vielen Ausfälle sehr sicher. Die Konzentration war bei jedem bei 100 Prozent. Dafür, dass wir nur eine Notelf gestellt haben, war das schon sehr gut", sagte Draxler.

Für Schalkes Tor des Tages sorgte Klaas-Jan Huntelaar – es war der erste S04-Treffer im fünften Aufeinandertreffen mit dem FC Chelsea. Von einem Sonderlob wollte der "Hunter" aber nichts wissen: "Die ganze Mannschaft hat enorm gekämpft, vor allem die Spieler, die nicht auf ihren angestammten Positionen aufgelaufen sind. Ich bin richtig stolz auf die Jungs. Man hat gesehen, dass immer und gegen jeden Gegner etwas zu holen ist."

Die Frage wird nun sein, wie Schalke bei so einer prekären Personalsituation mit den Kräften haushalten kann. Zumal auch der Auftritt in London nicht ohne Blessuren über die Runden gegangen ist. "Ich hoffe natürlich, dass keine weiteren Ausfälle mehr dazukommen und der eine oder andere verletzte Spieler zurückkehrt. Eine solche Leistung kannst du nicht permanent mit 12 oder 13 Mann bringen. Man muss auch Optionen haben", meinte Keller.

Wer auch immer am Samstag für Schalke auf dem Platz stehen wird: Es wird Zeit für einen Sieg. Das wünscht sich auch Huntelaar im Interview: "Wir nehmen natürlich ein gutes Gefühl aus London mit. Mehr aber auch nicht. Denn das Unentschieden garantiert uns keinen Sieg am Samstag. Wir wollen das Heimspiel aber unbedingt gewinnen und darauf müssen wir uns jetzt voll konzentrieren."

Aus London berichtet Michael Reis

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