Manaus - Der viermalige Weltmeister Italien ist auf dem besten Wege, seine Schmach von Südafrika vergessen zu machen. Dank Mario Balotelli gelang der Squadra Azzurra zum Auftakt der Endrunde in Brasilien ein 2:1 (1:0)-Sieg gegen England in der Gruppe D. Bei der WM vor vier Jahren war der damalige Titelträger bereits in der Vorrunde ausgeschieden.

Balotelli erzielte beim ersten "Dschungel-Kick" in der Arena Amazonia in Manaus den Siegtreffer (50.). England, bei der WM 2010 im Achtelfinale an Deutschland gescheitert, war dem erneuten Ausgleich danach mehrfach nahe - steht nun aber im zweiten Gruppenspiel am Donnerstag in Sao Paulo schon vor einer Art "Endspiel": Gegner ist dann Uruguay, zum Auftakt von Costa Rica mit 3:1 besiegt (WM-Spielplan).

Prandelli: "Wir haben gelitten"

"So etwas ist grausam auf diesem Niveau. Wir haben so viel reingeworfen in dieses Spiel und nichts dafür gekommen", sagte Englands ausgepumpter Kapitän Steven Gerrard: "Wir hätten Uruguay sowieso schlagen müssen, aber jetzt wird es natürlich noch schwieriger."

Die Italiener waren nach der Tortur im Dschungel ebenfalls gezeichnet, allerdings herrschte Hochstimmung. "Wir haben gelitten, wir haben etwas Tempo herausgenommen, weil alles andere bei diesen Verhältnissen absurd gewesen wäre", sagte Trainer Cesare Prandelli: "Wir haben diese Schlacht im Mittelfeld gewonnen." Siegtorschütze Balotelli widmete den Erfolg seiner Verlobten Fanny Neguesha, der er in der Nacht zum Sonntag einen Heiratsantrag gemacht hatte: "Das ist meine erste WM, ich bin sehr glücklich."

Italien war vor 39.800 Zuschauern zunächst ein wenig überraschend in Führung gegangen. Claudio Marchisio traf für die überlegenen, bis dahin aber meist ideenlosen Azzurri mit einem Flachschuss aus 18 Metern, die sehr frechen Three Lions glichen postwendend durch Daniel Sturridge zum Halbzeitstand von 1:1 aus (37.). Der Angreifer vom FC Liverpool hielt den Fuß in eine Flanke des ansonsten blassen Wayne Rooney.

Italien hätte zur Pause dennoch führen können. Doch ein Lupfer von Balotelli wurde von Phil Jagialka per Kopf noch von der Linie geholt. Sekunden später rettete die Engländer der Pfosten bei einem Schuss von Antonio Candreva.

Buffon fällt kurzfristig aus

Bei 30 Grad und 61 Prozent Luftfeuchtigkeit zu Spielbeginn um 18 Uhr Ortszeit hatte der englische Coach Roy Hodgson mit einer Überraschung aufgewartet. In der Startelf stand Raheem Sterling (19), Offensivspieler vom FC Liverpool. Es war eine gute Idee. Der gebürtige Jamaikaner war in seinem fünften Länderspiel ein Aktivposten. 

Sterling sorgte auch gleich für den ersten Aufreger, als er aus 22 Metern einfach mal abzog: Der Ball flog ans Außennetz (4.). Der italienische Torhüter Salvatore Sirigu, der nach dem kurzfristigen Ausfall von Gianluigi Buffon eingesprungen war, flog sich dabei aber warm - und parierte eine Minute später den Schuss von Jordan Henderon.

Neu-Dortmunder Immobile kommt für Balotelli

Weil Italien mit Balotelli als einziger Spitze antrat, musste der künftige Dortmunder Ciro Immobile zunächst auf der Bank bleiben - in der 73. Minute tauschten dann beide die Plätze. Und obwohl sie zunächst fast 70 Prozent Ballbesitz hatte und jeder Angriff von Altmeister Andrea Pirlo eingeleitet wurde, war die Squadra Azzurra nur mäßig effektiv - bis zur 35. Minute.

Nach der Führung durch Marchisio nahm die Begegnung Fahrt auf, die letzten zehn Minuten vor der Pause waren turbulent, nach Balotellis Treffer ging es munter weiter. Italien um den umsichtigen Pirlo war nun bemüht, den Ball weiter zu kontrollieren, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und im richtigen Moment zuzuschlagen.

Danach wurde die Partie zäh, die Engländer mühten sich zwar nach Kräften, blieben aber immer wieder in der italienischen Defensive hängen. In der Schlussphase gingen den Spielern beider Teams die Kräfte aus, die ersten wurden früh von Krämpfen heimgesucht. Pirlo sorgte noch für ein Highlight, als er per Freistoß die Latte traf (90.+3). 

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