Nürnberg - Eintracht Frankfurt hat sich mit einem enorm wichtigen Sieg ein wenig Luft im Abstiegskampf der Bundesliga verschafft. Durch Treffer des überragenden Tranquillo Barnetta (21.) sowie Joselu (49./88.), Alexander Madlung (53.) und Vaclac Kadlec (90.+2) gewannen die Hessen beim direkten Konkurrenten 1. FC Nürnberg am Ende souverän mit 5:2 (1:0), obwohl sie zwischenzeitlich beinahe eine 3:0-Führung verspielt hatten. Frankfurt hat nach dem 100. Bundesliga-Sieg von Trainer Armin Veh nun sechs Punkte Vorsprung auf den Club, der Tabellenvorletzter ist.

Der lange erschreckend schwache FCN kam durch Josip Drmic (64.) und Jose Campana (71.) noch einmal heran - der Ausgleich aber gelang nicht mehr, unter anderem, weil Javier Pinola nach einer Notbremse Rot von Schiedsrichter Knut Kircher sah (80.). Die Franken rutschten nach der vierten Niederlage in Serie auf einen Abstiegsplatz, immerhin noch punktgleich mit dem Hamburger SV auf dem Relegationsrang.

Schäfer macht sich Sorgen um den "Club"

"Jetzt muss man sich Sorgen machen", sagte Schäfer nach der vierten Niederlage in Serie bei Sky, "es geht zurzeit abwärts für uns. Es kam eine Welle nach der anderen, und wir hatten kein Mittel." 

Auf der anderen Seite ist die Eintracht nacht dem Dreier gegen einen direkten Konkurrenten noch nicht aller Sorgen ledig, kann aber etwas ruhiger in die entscheidende Phase der Saison gehen. "Ich habe mir beim Jubelsprung eine Zerrung geholt", berichtete ein erleichterter Trainer Armin Veh. 

Hübner: "Brauchen 35 Punkte"

Beunruhigend war allerdings, dass die Eintracht ein zwischenzeitliches 3:0 beinahe noch verspielt hätte - obwohl der Gegner "mausetot" war, wie Torhüter Kevin Trapp treffend sagte. 

"Dass es kurzfristig noch mal so spannend wurde, haben wir uns selbst zuzuschreiben", sagte Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner bei Sky: "Ich hoffe, der Sieg gibt uns ganz viel Selbstvertrauen. Wir brauchen mindestens 35 Punkte." 

Nürnberg erschreckend schwach

Frankfurt war lange die klar bessere Mannschaft - vor allem aber auch deshalb, weil Nürnberg eine erschreckend schwache Leistung bot. Der Club stellte sich lange Zeit nicht nur bei den Gegentreffern stümperhaft an und wachte erst mit dem Treffer von Drmic auf. Nach vier Siegen aus den ersten fünf Spielen der Rückrunde befindet sich Nürnberg in einem bedenklichen Abwärtstrend und hat nun zwei weitere Abstiegs-"Endspiele" vor der Brust: am Mittwoch gegen den VfB Stuttgart, am Samstag beim SC Freiburg.

Club-Trainer Gertjan Verbeek hatte nach dem 1:2 beim Hamburger SV vor allem die Abwehr umgestellt. Markus Feulner spielte rechts hinten, Emanuel Pogatetz in der Mitte, Pinola rückte vor die Abwehr als eine Art Abfangjäger für Barnetta. Der Schweizer war wegen der Verletzungen von Alexander Meier (Adduktoren) und Pirmin Schwegler (Nase, Rippe) von Beginn an dabei - ein Segen für die Eintracht.

Nasenbeinbruch bei Petrak

Barnetta hatte auch die erste Chance für Frankfurt - durch einen Freistoß, der so gefährlich in den Strafraum flog, dass Torhüter Raphael Schäfer gerade noch parieren konnte (11.). Barnetta war aber bald darauf Nutznießer eines Ballverlustes von Pogatetz: Stefan Aigner setzte sich energisch durch, legte quer, Barnetta schob ungehindert von Pinola ein.

Pinola rückte gleich danach wieder ganz nach hinten, weil Innenverteidiger Ondrej Petrak (Gehirnerschütterung und Nasenbeinbruch) verletzt vom Feld musste - Hanno Balitsch spielte nun vor der Abwehr. Nürnberg hatte bis dahin nur eine klare Chance gehabt: Tomas Pekhart traf nach einem Konter das Außennetz (17.). Der Club versuchte es häufig mit langen Bällen auf Pekhart und Drmic, weil Frankfurt geschickt und mit großem läuferischen Einsatz die Räume zustellte.

Pinolas Platzverweis besiegelt die Niederlage

Bei Nürnberg blieb nahezu alles Stückwerk. Nach vorne waren die Aktionen durchschaubar, und hinten sahen die Gastgeber bei nahezu jeder Standardsituation schlecht aus. Das zeigte sich auch beim 3:0, das Barnetta durch einen Freistoß einleitete: Martin Lanig scheiterte zunächst noch per Kopf an Schäfer, Madlung staubte ab. Vorausgegangen war ein wunderbarer Spielzug über Aigner, den Joselu zum zweiten Treffer genutzt hatte.

Völlig überraschend kam der Club aber noch einmal zurück, traf gegen nachlassende Frankfurter zweimal - ehe Pinola nach seiner Notbremse knapp vor dem Strafraum gegen Joselu die Ausgleichsbemühungen jäh stoppte.

Spieler des Spiels: Tranquillo Barnetta

Tranquillo Barnetta brachte die Eintracht mit 1:0 in Führung, traf damit erstmals seit über drei Jahren wieder in der Bundesliga. Der Schweizer war außerdem per Freistoß der Wegbereiter für das 3:0 durch Alexander Madlung. Barnetta war oft am Ball und der laufstärkste Spieler der Partie, er legte 12,3 Kilometer zurück.