Der Stadionsprecher hatte noch inständig darum gebeten, "bitte nicht" das Spielfeld zu betreten.

Doch als für den 1. FC Nürnberg um 17:22 Uhr am Sonntagnachmittag 379 bewegte Tage Zweitklassigkeit zu Ende gingen, gab es bei den Anhängern des "Club" kein Halten mehr. Zehntausende stürmten den Rasen, rissen ihn in Souvernierstücke und feierten ausgelassen den siebten Aufstieg in die Bundesliga.

Bader kann's noch gar nicht fassen

Vom Oberrang aus sprach Präsident Michael A. Roth sichtlich bewegt zu den feiernden Fans: "Wir haben Euch genauso viel zu verdanken wie der Mannschaft und der sportlichen Leitung. Wir freuen uns auf die Bundesliga."

Der Rekord-Absteiger und nunmehr auch Rekord-Aufsteiger (je sieben Mal) ist nach einer zwischenzeitlichen Depression im Herbst des vergangenen Jahres im Hurra-Stil zurückgekehrt. Die Relegation, die erste seit 18 Jahren, meisterten die Franken mit Bravour.

Dem eindrucksvollen 3:0 im Hinspiel bei Energie Cottbus folgte ein 2:0 (2:0) im heimischen easyCredit-Stadion. "Wenn man sieht, wie wir gegen Cottbus gespielt haben, dann ist es sicher kein Zufall, dass wir aufgestiegen sind", betonte "Club"-Sportdirektor Martin Bader, gab aber zu, den Aufstieg wohl erst dann zu realisieren, "wenn der neue Spielplan rauskommt und da dann Bayern oder Schalke steht."

Nürnberg bleibt konzentriert

Als Pokalsieger war der "Club" im vergangenen Sommer zum siebten Mal abgestiegen, in Franken wird er wegen seiner vielen Fehltritte in der Vergangenheit deshalb gerne als "Depp" bezeichnet. Doch nach dem Auswärtssieg in Cottbus blieb der Gefolgschaft der Franken ein weiteres historisches Scheitern erspart.

Christian Eigler (29.) und Marek Mintal (37.) beseitigten nach nervösem Beginn die letzten Zweifel. Bekanntes Liedgut wie "Nie mehr zweite Liga" und "So ein Tag, so wunderschön wie heute" dröhnten durch die Arena, dazu schwappte die "La Ola"-Welle durch das Achteck. Das Spiel selbst plätscherte danach nur noch dahin. Cottbus hatte sich aufgegeben.

"Die ersten zwei, drei Minuten haben wir etwas neben uns gestanden. Aber mit jedem Ball, den wir dann nach vorne gespielt haben, kam die Sicherheit zurück. Ich denke, wir haben verdient gewonnen", sagte Nürnbergs Trainer Michael Oenning. Tatsächlich schien dem "Club" zunächst eine Zitterpartie bevorzustehen.

Energie legt fulminant los

Cottbus, das künftig ohne Trainer Bojan Prasnikar weitermachen wird, legte los wie ein verzweifelter Boxer, dem zur Sensation nur noch ein schneller K.o.-Schlag hilft. Jiayi Shao traf aus rund 30 Metern die Latte (2.), "Club"-Torwart Raphael Schäfer musste beste Chancen von Nils Petersen (3.) und Timo Rost (4.) vereiteln.

"Wir haben in der Kabine gesagt, wir wollen uns ordentlich verabschieden und nicht abschlachten lassen. Jetzt sind natürlich alle enttäuscht", sagte Torhüter Gerhard Tremmel nach dem dritten Abstieg der Lausitzer aus der Bundesliga.

Oenning erweist sich als Glücksfall

Den Aufstieg über den Umweg Relegation verdankt der "Club" in erster Linie einer bemerkenswerten Rückrunde. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga war am 2. Spieltag in der 2. Bundesliga zunächst Trainer Thomas von Heesen entlassen worden - sein Assistent Michael Oenning wurde erst zum Interims-, und nach einer Phase von sechs sieglosen Spielen etwas überraschend zum Cheftrainer ernannt. Ein Glücksfall. In der Rückrunde begann der "Club" eine Aufholjagd von Platz 8.

Für den 1. FC Nürnberg geht damit eine bewegende Saison mit ähnlichen Glücksmomenten zu Ende, wie sie Verein und Anhänger vor zwei Jahren beim Gewinn des DFB-Pokals ergriffen hatten - damals hatten 200.000 Menschen die Rückkehr der Mannschaft aus Berlin zu einem Triumphzug gemacht.

Die Planungen für die Bundesliga stehen schon weitgehend. Großartige Transfers sind laut Trainer Michael Oenning nicht vorgesehen: "Wir wollen mit dieser Mannschaft nahezu unverändert in die Bundesliga gehen."