München - bundesliga.de lässt im großen Jahresrückblick das spannende Fußball-Jahr 2010 Revue passieren. Lesen Sie nach, was sich im JULI 2010 ereignet hat.

Der Traum vom vierten deutschen WM-Titel platzt im Halbfinale. Wie schon bei der EM vor zwei Jahren erweist sich Spanien als unüberwindbare Hürde. Die Iberer schlagen im Finale auch die Niederlande und werden zum ersten Mal Weltmeister.

Die deutsche Nationalmannschaft zeigt ohne Frage den schönsten Fußball des Turniers. Gegen Australien und England vor allem aber im Viertelfinale gegen Argentinien begeistert die Truppe von Bundestrainer Joachim nicht nur Millionen deutscher TV-Zuschauer und Fans bei den großen Public-Viewing-Veranstaltungen im ganzen Land, sondern auch weltweit.

Deutschland demontiert Diegos "Gauchos"

Mit 4:0 nimmt Deutschland den Mitfavoriten Argentinien auseinander, gegen den es im März bei einem Freundschaftsspiel in München noch chancenlos war. Bastian Schweinsteiger ist der beste Mann auf dem Platz, absolute Weltklasse.

Schon vor dem Spiel legt sich der neue Chef im deutschen Mittelfeld mit dem Gegner an und ledert in einer Pressekonferenz mächtig und teilweise überzogen los. Doch Schweinsteiger lässt den markigen Worten auch Taten folgen. Im zentralen Mittelfeld ist er Organisator, Zerstörer und Antreiber.

Nach Toren von Thomas Müller, zweimal Miroslav Klose und Arne Friedrich liegt der argentinische WM-Traum in Trümmern. Weinend verlässt Argentiniens Coach Diego Maradona die Arena, trotz triumphalen Empfangs in der Heimat muss er später seinen Job quittieren.

Uruguay überrascht

Deutschland steht im Halbfinale und trifft allerdings ohne den wegen seiner zweiten gelben Karte gesperrten Shootingstar Thomas Müller auf Spanien. Im anderen Semifinale ist die Niederlande nach ihrem grandiosen 2:1-Erfolg im Viertelfinale gegen enttäuschende Brasilianer klarer Favorit gegen das Überraschungsteam aus Uruguay um Superstar Diego Forlan.

Die Holländer werden ihrer Favoritenrolle gerecht und gewinnen auch ihr sechstes Turnierspiel, 3:2 Uruguay. Auch der zu der Turnierbeginn noch verletzte Bayern-Star Arjen Robben läuft zu großer Form auf. Der herausragende Akteur von Oranje ist allerdings Inter-Spielmacher Wesley Sneijder, der mit seinen beiden Toren im Viertelfinale Brasilien nach Hause schickte und auch im Halbfinale trifft.

Im Finale kommt es allerdings nicht zu der in Holland heißersehnten Revanche gegen Deutschland. Oranje muss sich mit Spanien auseinander setzen. Die Spanier dominieren wie schon im EM-Finale 2008, diesmal allerdings nicht so deutlich.

Spanien überlegen im Halbfinale

Die deutsche Mannschaft wirkt seltsam gehemmt, leistet sich ein Fehlpassfestival, kann aber das Spiel trotzdem offen halten und hätte sogar in 69. Minute durch Toni Kroos in Führung gehen können. Doch nach einer Ecke köpft Carles Puyol das Tor des Tages.

Wie schon 2006 und 2008 ist Deutschland wieder ganz kurz vor dem großen Ziel unglücklich gescheitert. Die Mannschaft rappelt sich noch einmal auf, gewinnt gewinnt das Spiel um Platz 3 mit 3:2 gegen Uruguay (Tore Thomas Müller, Marcell Jansen und Sami Khedira) und tritt hocherhobenen Hauptes die Heimreise an. Kurz nach der WM verlängert auch der Bundestrainer seinen Vertrag.

Niederlande mit übertriebener Härte im Finale

Das Finale erfüllt die Erwartungen nicht. Die vom ehemaligen Dortmunder Coach Bert van Marwijk trainierten Niederländer versuchen den Spaniern mit übertriebener Härte den Schneid abzukaufen, wofür sie nachträglich sogar noch von der FIFA bestraft werden.

Arjen Robben vergibt zwei Großchancen, auch die Spanier treffen in der regulären Spielzeit nicht. Dafür in der Verlängerung. Gegen die kurz zuvor nach der Hinausstellung von Johnny Heitinga dezmierten Holländer gelingt Andres Iniesta in der 116. Minute das goldene Tor.

Spanien ist ein verdienter und würdiger Weltmeister. Die meisten Spiele dominierte das Team von Trainer Vincent del Bosque deutlicher als die vier 1:0-Siege in Serie (ab dem Achtelfinale) es vermuten lassen. Fünf der acht Tore erzielt David Villa. Doch Torschützenkönig wird Bayern-Stürmer Thomas Müller, der auch fünfmal traf und drei weitere Assists beisteuerte.

Heldt wechselt vom VfB zu Schalke

Während die WM noch läuft bereiten sich die Bundesligisten bereits auf die neue Saison vor. Mit den dazu gehörenden Transferpokern und Nebengeräuschen. In Stuttgart kommt Unruhe auf, als bekannt wird, dass Sportdirektor Horst Heldt nach Schalke wechseln will. Schließlich willigt der Vorstand ein und bestellt den früheren VfB-Stürmer Fredi Bobic zum Nachfolger.

Das Wechselspiel geht munter weiter. Marcelo Bordon und Heiko Westermann verlassen Schalke in Richtung Katar bzw. den Hamburger SV. Werder Bremen angelt sich Talent Marko Arnautovic, Borussia Dortmund verpflichtet Robert Lewandowski.

Ende des Monats werden die beiden spektakulärsten Transfers perfekt. Der Stuttgarter WM-Held Sami Khedira wechselt als erklärter Wunschspieler von Trainer Jose Mourinho zu Real Madrid. Umgekehrt sucht Real-Legende Raul Gonzales Blanco, kurz Raul genannt, eine neue Herausforderung, die er auf Schalke findet.

Ein Superstar für Schalke

33 Jahre ist der Rekordtorjäger der Champions League bereits, aber noch voller Ehrgeiz. Statt die Rolle des Edeljokers in Madrid anzunehmen, entscheidet sich Raul für den Ruhrpott. Der Mann, der in 550 Erstliga-Spielen in Spanien 228 Tore erzielte, der sechsmal spanischer Meister wurde, dreimal die Champions League gewann und 102 Länderspiele für Spanien bestritt, führt sich gleich glänzend ein.

Ein paar Tage nach seiner offiziellen Vorstellung gelingen Raul bei einem Vorbereitungsturnier gleich zwei Tore gegen Bayern München. Von den Bayern ist in der Vorbereitung wenig zu hören. Neuverpflichtungen gibt es nicht zu vermelden. Es ist ruhig an der Isar.

Tobias Gonscherowski


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