Gdansk - Die einen pflastern ihr Trainingsgelände mit warnenden Plakatsprüchen, die anderen nippen in der Casa Azzurri ganz genüsslich am Espresso: Vor dem Duell des Welt- und Europameisters Spanien mit den von einem Wett- und Manipulationsskandal gebeutelten Italienern am Sonntag (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) könnte die Ausgangslage unterschiedlicher nicht sein.

Hier die erfolgsverwöhnten Spanier, die sich eigentlich um nichts sorgen müssten, aber genau das tun. Und dort die mal wieder skandalumwitterte "Squadra Azzurra", die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt - und genau damit die Spanier in Alarmzustand versetzt.

Warnungen von den Fans



"Es scheint so, dass Italien mit anderen Dingen beschäftigt ist, aber das ist nicht so. Wenn sie angeschlagen sind, sind sie am gefährlichsten", sagte Spaniens Innenverteidiger Gerard Pique: "Ich bin sicher, es wird ein sehr harter Brocken."

Der 25-Jährige ist nicht der Einzige, der den Zeigefinger hebt. Das gesamte Trainingsgelände des Welt- und Europameisters im polnischen Gniewino ist mit Warnungen übersät. "Die Vergangenheit macht dich nicht zum Champion. Demut schon", heißt es etwa auf einem der zahlreichen Plakate. Die Botschaft ist klar. Nicht Italien, nicht Frankreich, auch nicht Deutschland: "Unser größter Gegner", sagt Kapitän Iker Casillas, "sind wir selbst." Noch nie hat ein Europameister seinen Titel erfolgreich verteidigt, die Spanier scheinen aber in der Lage, das ändern zu können.

Italiener sind gut drauf



Bei den Italienern könnte man derweil angesichts des Wett- und Manipulationsskandals sowie der Verletzungssorgen in der Defensive eine gewisse Unruhe vermuten. Doch schlechte Stimmung, Scandalo? Fehlanzeige. Ob im kleinen Ristorante, beim Espresso an der Bar oder beim Training: Im Lager des viermaligen Weltmeisters wird viel gelacht. Der Wettskandal wird ausgeblendet, so gut es eben geht.

Das ist ganz im Sinne von Trainer Cesare Prandelli. "In den Tagen im Trainingslager wurde über alles mögliche gesprochen, nur nicht über Fußball. Das ist nicht normal", sagt der Coach der Azzurri, der viel lieber über Taktik, den Gegner oder das Wetter redet. Dabei hat Prandelli noch mehr Probleme: Seine Abwehr fällt fast komplett aus.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Spanien: Casillas - Arbeloa, Ramos, Pique, Alba - Busquets, Xabi Alonso - Iniesta, Xavi, Silva - Torres. Trainer: del Bosque.

Italien: Buffon - Bonucci, de Rossi, Chiellini - Maggio, Marchisio, Pirlo, Motta, Giaccherini - Balotelli, Cassano. Trainer: Prandelli

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)

Die Top-Fakten zum Spiel:

  • Spanien gegen Italien ist das Duell der beiden letzten Weltmeister: Spanien holte 2010 den Titel, Italien 2006. Dazwischen wurden die Iberer noch Europameister - die letzten drei großen Titel teilten sich also diese beiden Nationen auf.

  • Das letzte Aufeinandertreffen beider Teams gewann Italien: Am 10. August 2011 gewann die "Squadra Azzurra" in Bari durch Tore von Montolivo und Aquilani mit 2:1 (Gegentor: Xavi Alonso per Elfmeter).

  • Es war Italiens erster Sieg gegen Spanien seit dem 2:1 im WM-Viertelfinale von 1994, dazwischen lagen drei Unentschieden und zwei Niederlagen.

  • Für Spanien war es eine von nur sechs Niederlagen in 55 Länderspielen unter Trainer Vicente del Bosque.

  • Spanien und Italien trafen bislang drei Mal bei einer Europameisterschaft aufeinander: 1980, 1988 und 2008.

  • In den 80er Jahren handelte es sich jeweils um Gruppenspiele, 1980 gab es ein torloses Remis, 1988 in Frankfurt gewannen die Italiener durch einen Treffer von Gianluca Vialli mit 1:0.

  • Der Treffer von Vialli blieb der einzige in allen drei EM-Duellen, beim dritten Aufeinandertreffen vor vier Jahren fielen Tore erst im Elfmeterschießen: Im Viertelfinale in Wien scheiterten De Rossi und Di Natale an Casillas, Buffon hielt gegen Güiza - Cesc Fabregas machte mit seinem Treffer alles klar für den späteren Europameister.

  • In Pflichtspielen taten sich die Spanier gegen Italien immer schwer, sie gewannen keines von sechs Duellen bei Welt- oder Europameisterschaften in der regulären Spielzeit. Neben dem Triumph im Elfmeterschießen 2008 gab es zwei Remis und drei Niederlagen (Weltmeisterschaften: zwei Siege für Italien, ein Remis).

  • In Qualifikationen für Welt- oder Europameisterschaften prallten die beiden Länder noch nie aufeinander.

  • Nicht nur bei Europameisterschaften, auch insgesamt taten sich beide Länder im Toreschießen gegeneinander stets schwer: In den letzten 13 Duellen beider Länder seit 1960 schaffte kein Team mehr als zwei Tore.