Michael Meier war bestens gelaunt und zu Scherzen aufgelegt. Der Manager des 1. FC Köln präsentierte mit Chefcoach Zvonimir Soldo und Co-Trainer Michael Henke elf Tage nach dem Weggang von Startrainer Christoph Daum nicht nur das neue Trainergespann des rheinischen Traditionsvereins.

Meier behauptete auch, dass die beiden Neuen "vom äußeren Erscheinungsbild das bestaussehende Trainerpaar der Bundesliga" seien.

"Ein absoluter Stratege"

Doch um sich davon zu überzeugen, waren gut ein Dutzend Kamerateams und zahllose Medienvertreter natürlich nicht gekommen. Sie waren zum RheinEnergieStadion gekommen, um zu erfahren, warum die Wahl des dreimaligen deutschen Meisters auf den 41-jährigen Kroaten gefallen war.

"Wir haben für den neuen Trainer ein Profil aufgestellt, das zum 1. FC Köln und einem erfolgreichen Trainer passt", sagte Michael Meier. "Der Trainer muss eine hohe Identifikation mit dem Verein haben, sich durch eine ausgeprägte moralische Ethik auszeichnen, ein Vorbild für die Mannschaft sein, sachkundig und fachkompetent, Führungsqualitäten mitbringen, den Spielern helfen können und die Gabe haben, uns alle auf dem Weg mitzunehmen, den wir beim 1. FC Köln bestreiten wollen."

Die Wahl, die von allen Vereinsgremien einstimmig abgesegnet wurde, fiel schließlich auf Zvonimir Soldo, der alle diese Eigenschaften laut Meier "optimal" vertritt. Zusätzlich hatte sich der FC-Manager Rat beim aktuellen Meistertrainer Felix Magath eingeholt, der seinen früheren Mannschaftskapitän aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten attestiert, "ein absoluter Stratege, ein Fußballbesessener, aber auch ein für einen Trainer relativ unbequemen Spieler zu sein, der geradlinig seinen Weg geht".

"Ich war sehr überrascht"

Zvonimir Soldo hat von 1996 bis 2006 für den VfB Stuttgart gespielt und 1997 den DFB-Pokal gewonnen. Für die kroatische Nationalmannschaft bestritt der Abwehrspieler 61 Länderspiele und wurde 1998 WM-Dritter. Nach der Beendigung seiner aktiven Karriere erwarb Soldo in Köln seinen Trainerschein, übernahm dann 2007 die U19 seines Heimatvereins Dinamo Zagreb und Anfang 2008 dann die Profis, die er zum Gewinn von Meisterschaft und Pokal führte.

Nach dem Doublegewinn trat Soldo als Coach zurück, hospitierte bei verschiedenen Vereinen und beobachtete Spiele. Dann kam der Anruf des 1. FC Köln. "Ich war sehr überrascht", bekennt Soldo, der schon vor zwei Jahren mit den Rheinländern verhandelt hatte, die ihn damals allerdings noch als Spieler verpflichten wollten.

"Aber mit meinen 39 Jahren war ich damals nicht mehr hungrig genug", gibt Soldo offen zu. Doch den Trainerposten sieht er "als große Herausforderung" an. "Ich habe sieben Monate in Köln gelebt, als ich meinen Trainerschein gemacht habe. Das hat mir großen Spaß gemacht. Ich habe gesehen, welchen Wert der Verein für die Leute in der Stadt hat. Der 1. FC Köln ist ein großer Verein mit einem tollen Stadion und großartigen Fans."

Vertrag ohne Ausstiegsklausel

Und auch die sportliche Perspektive stimmt. "Wir haben eine gute Mannschaft mit einigen Persönlichkeiten wie Lukas Podolski, Milivoje Novakovic oder Geromel. Wir wollen im zweiten Jahr nach dem Aufstieg mehr Punkte holen als im Vorjahr und zuhause eine Macht werden", gibt Soldo die sportlichen Ziele aus.

Der Coach legt nach eigenen Angaben großen Wert auf Disziplin, Taktik und Strategie. Variabel will er spielen lassen und mit zwei Stürmern. Die Bundesliga hat er auch in Zagreb intensiv im Fernsehen verfolgen können.

Seinen Co-Trainer Michael Henke, der zuletzt bei Bayern München als Chefanalytiker und Leiter der Spielbeobachtung tätig war, hat sich Zvonimir Soldo selbst ausgesucht und der Kölner Vereinsführung vorgeschlagen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Christoph Daum plant der Kroate mit einem kleinen Trainerstab auszukommen. Und eine Frage wurde schließlich auch noch geklärt. "Nein, eine Ausstiegsklausel habe ich nicht im Vertrag", erklärte Soldo. Die Kölner Fans werden es erleichtert vernehmen...

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski