Dortmund - Vor ein paar Monaten hat Sokratis "Papa" Papastathopoulos gesungen. Das kann er zwar ohne Zweifel nicht so gut wie Fußballspielen. Aber der Titel passt zu dem stoischen Griechen so perfekt wie der Zweikampf zur Abwehrarbeit – und fast nie so gut wie in diesen Wochen, in denen der Verteidiger bei den kriselnden Dortmundern der Fels in der Brandung war: "Lass das mal den Papa machen…!"

Für den gleichnamigen Song aus dem "Stromberg"-Film mit Christoph Maria Herbst hatte Borussia Dortmund seinem griechischen Innenverteidiger das Mikrofon in die Hand gedrückt. Kein Wunder bei dem Refrain, der ihm geradezu auf den Leib geschrieben ist: "Lass das mal den Papa machen, der Papa macht das gut!"

Richtig gut, könnte man in diesen Wochen hinzufügen. Wer Sokratis auf dem Platz bei der Arbeit zugesehen hat, dürfte sich gefragt haben, wo denn die vermeintliche Krise des BVB ist. Der Grieche jedenfalls verkörperte sie nicht. Ganz im Gegenteil. Dass ihn zuletzt in der Partie gegen Gladbach erst ein Wadenbeinbruch stoppen konnte, spricht für sich. Dass er sich diesen bei einer ordentlichen Grätsche zugezogen hat, auch. Und dass jedermann im Stadion bereits ahnte, dass die Verletzung schwer wiegender sein muss, lag auch auf der Hand. Schließlich blieb Sokratis nach dem Zweikampf tatsächlich mal am Boden liegen – ein ungewohntes Bild.

"Seine Souveräntität ist einfach cool"

Gewöhnlich steht der Nationalspieler seinen Mann in jeder Situation, wirft sich in jedes Duell und verrichtet seine Defensivaufgaben mit ebenso stoischem wie leicht grimmigem Blick ruhig, robust, kompromisslos und vor allem unheimlich konsequent. "Seine Zweikampfstärke hilft uns in vielen Situationen. Und die Souveränität, die Papa auf dem Platz ausstrahlt, ist einfach cool", hat Jürgen Klopp seinen zurzeit stärksten Verteidiger gelobt, an dem sich die Mitspieler gerade in den letzten Wochen aufrichten und orientieren konnten.

Denn wenn auch so manches nicht optimal lief und der BVB in der Liga bereits 17 Gegentore kassiert hat – Sokratis war mit seiner Leistung eine Bank, stark am Boden und in der Luft, mit gutem Stellungsspiel. Ganz so, wie die Borussia ihren Verteidiger im Stromberg-Lied in einer umgetexteten Strophe charakterisiert hat: "Wenn die Abwehr mal nicht so sicher steht, und du denkst dir, boah, jetzt hilft nur noch ein Gebet – und der Gegner ganz unbeschwert, hier einen Angriff nach dem anderen fährt – dann ruf Papa. Papa klärt."

Nur zweimal nicht in der Startelf

Als Einziger aus dem Klopp-Kader hat Sokratis jede Partie in dieser Saison absolviert, stand nur zweimal nicht in der Startelf. Dabei überzeugt der 26-Jährige seit der Verletzung von Weltmeister Mats Hummels nicht nur als Abwehrchef im Zentrum. Vielmehr hat der Grieche, der seit 2013 in Diensten von Borussia Dortmund steht, auch seine Vielseitigkeit unter Beweis und sich selbst immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. In Istanbul machte er in der Champions League die linke Seite dicht, im Pokalspiel bei St. Pauli ließ er als Rechtsverteidiger nichts anbrennen.

Dortmunds Nummer 25, ein Mann der wenigen Worten, übernimmt Verantwortung und überzeugt mit Leistung. Manchmal garniert er seine defensive Rolle dabei sogar noch mit einem Tor, wie zuletzt im Heimspiel gegen Galatasaray. Zumeist aber gibt er den kompromisslosen Abwehrmann, der keinen Zweikampf scheut. 

Nun also der Wadenbeinbruch – aber wo andere an monatelange Pausen denken, will Sokratis Papastathopoulos schon nach gut zwei Wochen wieder Fußball spielen. Ein "belastungsstabiler Bruch" macht’s möglich – und auch das passt irgendwie ins Bild des unverwüstlichen Griechen. Mit der Verletzung beweist er zudem gutes Timing: Die fünfte Gelbe Karte hätte Sokratis am Samstag gegen Paderborn ohnehin ausgebremst. Aber schon vier Tage später in der Champions League, wenn der BVB bei Arsenal antritt, könnte es dann wieder heißen: Lass das mal den Papa machen…!

Dietmar Nolte