Fast ein Jahr ist es her, da sorgte seine Rückkehr nach Deutschland für große Schlagzeilen. Ausgerechnet Aufsteiger 1899 Hoffenheim konnte sich die Dienste von Timo Hildebrand sichern. Ein echter Paukenschlag!

Aller Anfang war zwar auch in diesem Fall schwer, doch mittlerweile ist Hildebrand ein echter Rückhalt für die Kraichgauer, die in dieser Hinrunde wieder ganz vorn mitspielen. Mit bundesliga.de sprach der Torhüter über Hoffenheims Ziele, die starke Defensive und das bevorstehende Spiel gegen Dortmund.

Außerdem erklärt Hildebrand, warum er vielleicht kein Mann ist, der eine große Szene macht, aber dafür einer, der für großes Theater zu haben ist…

bundesliga.de: Herr Hildebrand, in Köln feierte Hoffenheim einen deutlichen und souveränen Sieg. War das das bislang beste Saisonspiel von 1899?

Timo Hildebrand: Es war ein Spiel, in dem wir insgesamt über 90 Minuten konstant aufgetreten sind. Dies hatten wir in mancher Begegnung vorher vermissen lassen und deshalb auch Punkte leichtfertig verschenkt.

bundesliga.de: Hoffenheim hat drei der vergangenen vier Ligaspiele gewonnen und dabei immer zu Null gespielt. Überhaupt steht die Abwehr deutlich besser als in der Vorsaison. Sind auch Sie und Josip Simunic Gründe dafür?

Hildebrand: Mit Josip Simunic haben wir vor der Saison einen sehr erfahrenen Spieler hinzugewonnen. Diese Erfahrung hat uns vergangene Saison ein wenig gefehlt. Durch Joe hat unsere Defensive an Stabilität gewonnen, er wurde nicht umsonst zum besten Verteidiger der vergangenen Saison gewählt.

bundesliga.de: Erst kürzlich sagte Vedad Ibisevic, die Mannschaft sei stärker als noch vor einem Jahr. Können Sie sich der Meinung anschließen und wenn ja, warum ist das so?

Hildebrand: In unserem Kader steckt noch mehr Potenzial als in der vergangenen Saison. Wir stecken immer noch mitten in der Entwicklung und werden auch kleinere Rückschläge hinnehmen müssen, das ist ein ganz normaler Prozess. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Als Sie mit Stuttgart Meister wurden, gehörten auch Sie zu den jungen Wilden. Mit Verlaub gesagt, sind Sie in Hoffenheims Elf geradezu ein "alter Hase". Weckt diese Mannschaft aufgrund ihrer Jugend bei Ihnen Erinnerungen an die Saison 2006/07?

Hildebrand: Es ist immer schwer Vergleiche zu ziehen. In Hoffenheim wird sehr stark auf junge, entwicklungsfähige Spieler gesetzt. Beim VfB Stuttgart hat sich dieses Konzept damals ausgezahlt. In unseren Reihen gibt es einige Kicker, die es mindestens genauso weit bringen können wie die damaligen Talente in Stuttgart.

bundesliga.de: Hoffenheim macht kein Geheimnis daraus, dass man möglichst kurzfristig international mitspielen will. Ist es denkbar, dass Juventus Turin oder Manchester United schon im kommenden Herbst nach Kraichgau reisen müssen?

Hildebrand: Wir wollen so weit oben landen wie möglich. Das Potenzial haben wir. Ob wir es über die komplette Saison halten können, wird sich zeigen.

bundesliga.de: Sie sind jetzt seit fast einem Jahr in Hoffenheim. War es der richtige Schritt, nach Deutschland zurückzukehren?

Hildebrand: Ich wollte damals die Veränderung und bin ins Ausland gewechselt. Aber ich habe gemerkt, dass mir das Wohlfühlen sehr, sehr wichtig ist. In Hoffenheim ist dies über alle Maßen gegeben.

bundesliga.de: Ist Timo Hildebrand aktuell auf dem Leistungsstand, der ihn in Stuttgart seinerzeit zum Nationalspieler gemacht hat?

Hildebrand: Meine Leistung sollen andere bewerten. Was die Erfahrung angeht, bin ich sicherlich reifer geworden.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag empfängt 1899 den BVB, der seit sechs Spielen ungeschlagen ist. Worin sehen Sie die Stärken der Dortmunder und wie will Hoffenheim dagegenhalten?

Hildebrand: Dortmund hat auswärts bisher nur einmal verloren, allerdings aber auch erst einmal gewonnen. In erster Linie müssen wir auf uns schauen und unsere Leistung abrufen. Dann werden wir gegen den BVB die drei Punkte in der Rhein-Neckar-Arena behalten.

bundesliga.de: In Stuttgart gibt es aktuell ein Theaterstück, in dem es um Sie geht. "Das Schlusswort des Solisten" heißt es. Wie genau kommt man als Fußballer zu einem Theaterstück?

Hildebrand: Stefan Bruckmeier, der das Theaterstück spielt, hat mich angesprochen und gesagt, dass er eine Inszenierung dieser Art sehr interessant findet. Wir haben uns ausgetauscht und das Resultat ist absolut sehenswert.

bundesliga.de: Sie selbst spielen ja nicht mit in dem Stück. Aber wenn Sie Ihr Leben - nicht auf den Brettern - aber zwischen den Pfosten, die die Welt bedeuten, mit allen Höhen und Tiefen umschreiben müssten, wäre das eher eine Komödie, Tragödie, ein Drama oder etwas ganz anderes?

Hildebrand: Ich denke von allem etwas. Als Sportler feiert man Erfolge, muss aber mit Rückschlägen umgehen können.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz