Leverkusen – Als Simon Rolfes in der 77. Minute ausgewechselt wurde, erhoben sich die Zuschauer in der BayArena zu einer langen Standing Ovation. Dann feierten sie den Kapitän mit Sprechchören. Simon Rolfes hat Abschied genommen von den Fans der Werkself und einen souveränen 2:0-Heimsieg von Bayer Leverkusen gegen die TSG 1899 Hoffenheim feiern können.

Während nach dem Abpfiff sein Teamkollege Stefan Kießling mit den Tränen kämpfte, strahlte Simon Rolfes. Der Tag lief genau so ab, wie er es sich erhofft hatte. Völlig mit sich im Reinen und gut aufgelegt gesellte er sich dann zu den Medienvertretern und stand Rede und Antwort.

Frage: Simon Rolfes, Ihr Kollege Stefan Kießling hat eben, als er auf Ihren Abschied angesprochen wurde, fast geweint. Wie können Sie ihn jetzt trösten?

Simon Rolfes: Ach, der "Kies". Er hat mir schon ein ganz tolles Geschenk gemacht. Wir hatten in den letzten neun Jahren eine besondere Beziehung. Wir haben uns auch in schwierigen Zeiten immer gestützt. Er ist ein besonderer Mitspieler. Es freut mich, dass ihm die Zeit so viel bedeutet hat. Er ist ein ganz ehrlicher Junge mit einem tollen Charakter.

"Ich bin sehr dankbar für die Karriere und die Erlebnisse"

Frage: Was für ein Geschenk war es?

Rolfes: Ein schönes Bild, zu dem er noch etwas geschrieben hat. Außerdem hat er seine Backkünste unter Beweis gestellt. Ich werde gleich ein Stück Kuchen davon testen. Vor dem Spiel ging das nicht.

Frage: Wie hat Ihnen der Familienausflug auf dem Rasen gefallen?

Rolfes: Der war auch sehr schön und ein schöner Moment für die Kleine, meine Neffen und Nichten, die das schon mitbekommen haben. Das ist einmalig. Ich bin sehr dankbar für die Karriere und die Erlebnisse, die ich gemacht habe. Es war nicht alles rosarot, aber die positiven Momente überwiegen auf jeden Fall. Davon haben sie ein bisschen etwas mitbekommen.

Frage: War es klar, dass Sie zusammen mit Stefan Reinartz, der ebenfalls Abschied nahm, auflaufen würden?

Rolfes: Ich bin davon ausgegangen, dass wir zusammen spielen, nachdem Lars Bender gesperrt war. Ich habe schon häufig mit Stefan auf der Sechs gespielt. Er ist auch ein langer Weggefährte und hatte ein schwieriges Jahr. Ich habe mich schon für ihn gefreut, dass er gegen die Bayern vor zwei Wochen ein super Spiel gemacht hat, heute wieder.

"Ich glaube, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist"

Frage: Sie hören zu einem Zeitpunkt auf, an dem Sie auch noch hätten weiter spielen können. Gehen Sie mit dem Gedanken, dass Sie vielleicht doch noch ein Jahr hätten dranhängen sollen?

Rolfes: Nein, vor allem nicht, wenn sie noch in der Sommerpause wieder mit dem Lauftraining anfangen (lacht). Mein Anspruch war immer, dass ich noch Topniveau verkörpern kann. Das Andere macht mir keine Freude. Ich glaube, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, den Abschluss zu finden. Klar sagt der eine oder andere, dass es vielleicht zu früh kommt. Aber es geht dann auch schnell, dass es zu spät ist. Ich wäre mit Sicherheit noch leistungsfähig gewesen. Aber so ist es jetzt ein super Abschluss.

Frage: Sie haben eine Saison gespielt, die nicht so einfach war. Bayer 04 hat jetzt über 60 Punkte geholt und kann sogar noch einen Rückrunden-Vereinsrekord (Topdaten) aufstellen. Ist das noch ein Ziel für das letzte Spiel in Frankfurt?

Rolfes: Natürlich wollen wir auch das Spiel gewinnen. Für mich soll es ein positiver Abschluss meiner Karriere werden und für die Jungs ein positiver Abschluss der Saison. Das nimmt man dann mit in die Sommerpause und neue Spielzeit. Deswegen war der Sieg heute wichtig. Die Gegner wissen nun um die Stärke von Bayer 04.

Frage: Sind Sie ein bisschen stolz, dass Sie in der Rückrunde noch eine so wichtige Rolle in der Mannschaft gespielt haben?

Rolfes: Auf jeden Fall, zumal wir auf der Sechser-Position top besetzt sind. Wir haben vier erstklassige Spieler. Man muss ein hohes Niveau verkörpern, um so viel zu spielen. Ich hatte im Herbst eine längere Verletzung, die es nicht einfacher machte, wieder gut zurückzukommen. Das habe ich geschafft, das macht mich stolz, und das ist ein gutes Gefühl für die Zeit danach.

Frage: Hat die Verletzung eine Rolle für Ihren Abschied gespielt?

Rolfes: Nein, gar nicht. Das stand schon vorher fest. Da ich wusste, dass ich mein Karriereende vor Weihnachten bekannt geben wollte, hat es mich in der Reha noch einmal sehr motiviert.

Frage: Wie viele Kollegen haben es denn in der Zwischenzeit versucht, dass Sie doch noch ein Jahr dranhängen?

Rolfes: Das waren schon einige, die es vor allem an guten Tagen nicht geglaubt und mir einen Spruch gedrückt haben. Das Schöne war ja, dass man auch nach intensiven Einheiten nicht hinterherhechelt und noch fit ist. Die Jungs mussten sich auch quälen, um an mir dranzubleiben. Das hat dann Spaß gemacht.

"Ich hoffe, dass Sebastian Kehl noch einmal den Pokal gewinnt"

Frage: Haben Sie mal mit dem Dortmunder Kollegen Sebastian Kehl gesprochen, der gerade eine ähnliche Situation durchlebt?

Rolfes: Ich habe einen ganz guten Kontakt zum Sebastian. Wir haben unsere Entscheidungen klar getroffen. Ich hätte ihn gern noch mal im Pokal-Halbfinale rausgeschossen. Er hat auch eine tolle Karriere gemacht und blieb dem Verein lange verbunden. Ich hoffe, dass er den Pokal noch einmal gewinnt.

Frage: Haben Sie noch ein offizielles Abschiedsspiel geplant?

Rolfes: Nein, das war heute mein Abschiedsspiel auf hohem Niveau. Die Hoffenheimer waren auch gut und haben tolle Kombinationen gezeigt, die die Zuschauer begeistert haben.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski