Anlässlich des "Erinnerungstags im deutschen Fußball" am 20. Spieltag um den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, 27. Januar 2010:

von Eberhard Schulz, "Initiative Erinnerungstag"

Was wollte Sir Alex Ferguson, Trainer von Manchester United, am 27. Juli 2009 in der KZ-Gedenkstätte Dachau? Eigentlich hatte man ihn doch bei seinem Team erwartet, das beim Blitz-Turnier in München spielte. Ebenso wie einzelne Fans und Fangruppen, die auf ihrem Weg zum Spiel gegen den FC Bayern oder den TSV 1860 München in der KZ-Gedenkstätte in Dachau Halt machen, begab er sich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage "Wie konnte das geschehen?"

77 Jahre nach der Errichtung des ersten Konzentrationslagers hat dieser Ort noch immer eine große Anziehungskraft. Menschen, die mit Fußball in Berührung stehen, für ihn arbeiten, ihn lieben, machen sich auf Spurensuche in den KZ-Gedenkstätten Dachau und Auschwitz. Sie nähern sich der schockierenden und verstörenden Menschen-Vernichtungsgeschichte dieser Orte. Und das, was sie dort erleben, tragen sie hinaus in die Stadien.

Was haben sie aus der Vergangenheit gelernt? Sie verstehen, dass heute ihre Stimme gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in der Kurve und in den Kreisen, in denen sie verkehren, gefordert ist. Sie haben verstanden, dass es in der Natur des Fußballs liegt, Freundschaften zwischen Vereinen und Nationen durch dieses wunderbare Spiel zu stiften, und nicht, andere Menschen auszugrenzen, zu diskriminieren, sie zu verletzen.

Damit sind sie wie viele andere Fußballfreunde Sympathisanten und Förderer des "Erinnerungstages im deutschen Fußball", der seit 2005 mit Unterstützung der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH am Spieltag um den 27. Januar, dem "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus", in beiden Bundesligen durchgeführt wird.

Der "Erinnerungstag im deutschen Fußball" steht historisch in Zusammenhang mit dem 27. Januar 1945. An diesem Tag befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Damit setzten sie dem Massenmord an den europäischen Juden, den Sinti und Roma und an allen, die gegen das verbrecherische Naziregime Widerstand geleistet hatten, ein Ende.

Am 20. Spieltag erinnern wir an den 65. Jahrestag der Befreiung der Auschwitz-Überlebenden und gedenken der Menschen, die auf Grund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer politischen Überzeugung, oder anderer Einstellungen zum Leben ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. Dieses Erinnern gibt ihnen und ihren Familien einen Teil ihrer Würde zurück.

Auch vor dem Fußball hat der Wahnsinn keinen Halt gemacht. Jüdische und kommunistische Spieler, Mitglieder und Funktionäre wurden in den Zeiten des Nationalsozialismus aus ihren Vereinen ausgeschlossen. Ihrer sportlichen Heimat beraubt, waren sie und ihre Familien der mörderischen Nazi-Willkür schutzlos ausgeliefert.

Aus Respekt vor diesen Menschen und ihren Familien und weil dieser Wahnsinn nie wieder geschehen darf, sind alle Fußballfreunde aufgefordert, sich über die Vereinsgrenzen hinweg den zerstörerischen Übeln Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus im Stadion und in der Gesellschaft entgegen zu stellen.

Die Fans verstehen das, weil sie einen Fußball lieben und leben, der bunt, der stark und der leidenschaftlich ist, der verbindet und nicht ausgrenzt. Dass soll so bleiben in unserem Stadion, in unserem Verein und in unseren Fange-meinschaften. Dafür stehen wir. Dafür setzen wir uns ein.


Der "Initiative Erinnerungstag" gehören an:
Evangelische Versöhnungskirche
KZ-Gedenkstätte Dachau
TSV Maccabi München
Löwenfans gegen Rechts
Institut für Fußball und Gesellschaft