Dortmund - Es ist eines jener modernen Märchen, die der Fußball schreibt: Der verlorene Sohn Shinji Kagawa kehrt nach zwei Jahren zu Borussia Dortmund zurück – und gleich in seinem ersten Pflichtspiel zeigt er nicht nur eine starke Leistung, sondern trifft auch prompt ins Tor.

Nach dem geglückten Comeback und dem 3:1-Sieg des BVB über den SC Freiburg versuchte der Japaner seine Gefühle in Worte zu fassen, lobte die Bundesliga für ihren schnellen Fußball und richtete vor allem an einen Dortmunder Mitspieler ein dickes Dankeschön.

Frage: Shinji Kagawa, nach zwei Jahren sind Sie wieder im BVB-Trikot aufgelaufen. Wie hat sich die Rückkehr in die Bundesliga angefühlt?

Shinji Kagawa: Was ich gerade fühle, ist etwas schwer zu beschreiben. Aber ich fühle auf jeden Fall eine riesige Freude, wieder hier in diesem Stadion spielen zu können. Ich hatte die ganze Zeit Gänsehaut.

"Es war ein unbeschreibliches Gefühl"

Frage: Es war, als hätte die Zeit still gestanden: Die Fans haben wieder voller Inbrunst Ihren Namen skandiert.

Kagawa: Als die ganze Südtribüne meinen Namen gerufen hat, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Es war ein sehr warmherziger Empfang. Die Fans haben mich schon vor dem Spiel großartig begrüßt. Das hat mich in der Überzeugung gestärkt, dass ich auch für die Fans richtig gut spielen muss. Ein Stück weit ist mir das gegen Freiburg schon geglückt.

Frage: Was ist denn in der Bundesliga eigentlich anders als in der englischen Premier League?

Kagawa: Es ist erfrischend, wieder diesen schnellen Fußball zu spielen  - das schnelle Umschalten und das Gegenpressing. Das bedeutet natürlich auch für jeden einzelnen Spieler, dass er immer sehr hart arbeiten muss und viel laufen muss. Aber für mich war diese Spielweise auf jeden Fall sehr erfrischend.

Frage: Aber auch kraftraubend – Sie mussten nach 64 Minuten ausgewechselt werden.

Kagawa: Ich hatte einen Krampf und konnte deswegen nicht weiter spielen. Es ist für mich auch eine der Aufgaben in den nächsten Wochen, mich in Sachen Fitness noch weiter zu steigern. Wenn ich ehrlich bin, bin ich da noch nicht bei 100 Prozent angekommen.

"Vielleicht kann ich einen neuen Kagawa präsentieren"

Frage: Wieviel Prozent fehlen denn noch, um in der Bundesliga wieder den alten Kagawa zu erleben?

Kagawa: In Prozent kann ich das jetzt so nicht beziffern. Aber es ist ja auch nicht so, dass ich die zwei Jahre bei Manchester United in England ganz umsonst verbracht hätte. Ich denke, dass ich dort auch etwas gelernt habe. Vielleicht kann ich jetzt nach meiner Rückkehr in Dortmund auch einen neuen Kagawa präsentieren.

Frage: Wie wichtig sind bei Ihrer Rückkehr nach Dortmund Typen wie Kevin Großkreutz, der in Ihnen so etwas wie einen Bruder sieht?

Kagawa: Kevin ist wirklich derjenige von allen, der mich hier am herzlichsten empfangen hat. So, wie er mich auch damals in meinem ersten Jahr in Dortmund schon empfangen und aufgenommen hatte. Er ist sowohl neben als auch auf dem Platz für mich eine große Hilfe, und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte

Im Video: Dortmund im Kagawa-Fieber: