Frankfurt jubelt: Timothy Chandler, Torychütze Almamy Touré und Bas Dost - © Jan Huebner via www.imago-images.de/imago images/Jan Huebner
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Eintracht Frankfurt macht die Liga noch spannender - auch dank Almamy Tourés Versprechen

Die SG Eintracht Frankfurt hat Tabellenführer RB Leipzig mit 2:0 (0:0) geschlagen. Den Grundstein für den zweiten Sieg der Hessen im zweiten Spiel im neuen Jahr legte Almamy Touré mit seinem sehenswerten Tor zum 1:0. Der Franzose hatte sich unter der Woche weit aus dem Fenster gelehnt und sein großes Versprechen gehalten. Damit machte der Innenverteidiger die Liga noch spannender.

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Mit vollmundigen Ankündigungen ist es so eine Sache. Worte, die ein Fußballer von sich gibt, machen schnell die Runde, sind dank sozialer Medien und kurzer Kommunikationswege rasch verbreitet und eingeordnet. An den Äußerungen muss sich der jeweilige Spieler dann messen lassen - und sich gegebenenfalls sogar erklären. Bleibt der Erfolg aus, wird das Rekapitulieren der eigenen Prognose oft zu einem Prozess, der gänzlich spaßbefreit ist. Almamy Touré aber brauchte nur zufrieden zu lächeln, als er den Rasen des Frankfurter Stadions verließ. Und jeder wusste, warum er das tat. Der französische U21-Nationalspieler, der seit rund einem Jahr für die Eintracht spielt, hatte gehalten, was er zuvor versprochen hatte.

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Nach dem Training der Eintracht am vergangenen Dienstag hatte sich der in Bamako (Mali) geborene Innenverteidiger zu der Aussage hinreißen lassen, dass er schon bald treffen werde. Da sei er sich ganz sicher, schließlich habe es bei seinem Heimat-Club AS Monaco in 54 Ligue-1-Spielen fünfmal geklappt. Für einen Defensivspieler ist das doch eine ordentliche Quote. Mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Tabellenführer RB Leipzig (48.) machte er schließlich nicht nur seine Ankündigung wahr, sondern legte auch den Grundstein zu einem überraschenden und immens wichtigen 2:0-Sieg der Adlerträger.

Frankfurt schlug den Liga-Primus und machte das Tagesgeschäft an der Tabellenspitze somit noch spannender. Leipzig ist mit 40 Punkten Erster, dicht dahinter folgt der FC Bayern München (39), dann lauern Borussia Mönchengladbach (38) und Borussia Dortmund (36.). Das Rennen an der Spitze bleibt eng - auch dank der Eintracht, die erneut einen Meisterschaftsfavoriten um Punkte gebracht hat. Gegen den BVB spielte das Team von Adi Hütter bereits 2:2 nach Rückstand, den FC Bayern schlugen die Hessen Anfang November mit 5:1.

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Darauf folgte eine Phase, in der der DFB-Pokalsieger von 2018 seinem knochenharten Programm zum Opfer fiel. 31 Partien in fünf Monaten - die Eintracht spielte beinahe so oft wie manch anderes Team in einem ganzen Jahr. Die Belastung war zu spüren - die von Trainer Hütter vorgenommene Defensivumstellung fruchtete erst beim 2:1-Sieg bei der TSG 1899 Hoffenheim zum Jahresauftakt. Und damit hängt wohl auch die wundersame Erfüllung des Touré-Versprechens zusammen.

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Schlusspunkt in Frankfurt: Filip Kostic trifft in der Nachspielzeit zum 2:0-Endstand - Revierfoto via www.imago-images.de/imago images/Revierfoto

"Almamy tut die Umstellung auf Viererkette gut, weil er für diese Position viel mitbringt", sagte Frankfurts Coach über den 23 Jahre alten Innenverteidiger, den er in der neuen Formation der Hessen als Außenverteidiger einsetzt. Ein Beweis dafür, wie gut dieser Abwehrriegel funktioniert, war die Anzahl der hochkarätigen Chancen, die sich die eigentlich spielüberlegenen Leipziger von Trainer Julian Nagelsmann in Frankfurt erspielt hatten. Der Spitzenreiter hatte zuvor in neun Spielen jeweils mindestens drei Treffer pro Partie erzielt. Die Eintracht aber hielt die Null. "Ich bin stolz auf die Mannschaft, wie taktisch diszipliniert sie auftritt und wie schnell sie die Viererkette verinnerlicht hat", sagte Hütter nach dem Spiel.

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"Leidenschaftlich", nannte Sportvorstand Fredi Bobic die Art, wie die Mannschaft nach dem Touré-Treffer verteidigt hatte, und wies zudem darauf hin, dass das wohl den in der Winterpause aufgeladenen Akkus der Spieler zu verdanken sei: "Das ist uns vor Weihnachten ein bisschen abgegangen. Das war heute eine tolle Mannschaftsleistung, jeder ist für den anderen gelaufen."

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Leidenschaft und Bereitschaft waren das eine, ein wichtiger Faktor jedoch war auch die Erholung. „Wir haben die Zeit in der Winterpause gut genutzt“, merkte Adi Hütter an und sagte über das 2:0 von Filip Kostic (90.+4): "Das 2:0 am Ende ist sehr gut herausgespielt und die Krönung."

Spektakulär trifft Almamy Toure zum 1:0 für Frankfurt gegen Leipzig - Jan Huebner via www.imago-images.de/imago images/Jan Huebner

Als der Serbe den Endstand erzielte, hatte Almamy Touré seinen Dienst bereits abgeleistet. Der Franzose hatte mit dafür gesorgt, dass die Eintracht ohne Gegentor geblieben und vorne im entscheidenden Moment gefährlich gewesen war. Und das geistesgegenwärtig, wie der 23-Jährige vorgab. "Das ist meiner, den haue ich drauf", habe er sich vor seinem fulminanten Fernschuss gesagt - und diesen Gedanken umgesetzt. Das versetzte Mitspieler Djibril Sow ins Staunen: "Ich glaube, Almamy wusste selbst nicht, dass er so einen Schuss hat."

Indirekt widersprach ihm der Torschütze: "Ich wusste in diesem Moment, dass ich sofort abziehen muss, weil der Ball perfekt kam." Seit Samstag weiß er nun auch, dass er sich auf seine Instinkte und Vorhersagen verlassen kann.

Dominik Hamers