München - Um Punkt 14 Uhr war es für Takashi Usami endlich soweit: Im weißen Trainingsshirt mit dem Wappen des FC Bayern München stieg der Japaner im Presseraum der Allianz Arena unter Blitzlichtgewitter aufs Podium. Das Medieninteresse war enorm, neben einem Dutzend Kamerateams waren eigens etwa 20 Journalisten aus dem "Land der aufgehenden Sonne" angereist, um jeden Schritt des erst 19-Jährigen zu verfolgen.

Die Verantwortlichen des Rekordmeisters hatten allerdings vorgesorgt und die Vorstellung des Neuzugangs nicht wie gewohnt auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße, sondern in den großzügigeren Räumlichkeiten im Stadion angesetzt.

"Positiver, aufgeweckter Eindruck"

Dennoch geriet Sportdirektor Christian Nerlinger gleich ins Schwärmen: Obwohl der Wechsel nach Deutschland für Usami ein "Riesenschritt" sei, bescheinigte der 38-Jährige dem für ein Jahr von Gamba Osaka ausgeliehenen Offensivspieler, den man "lange beobachtet" habe, bereits eine "fantastische Entwicklung" - und auch bei seinen ersten Gehversuchen in der neuen Umgebung mache das Talent einen "positiven, aufgeweckten Eindruck".

Usami selbst zeigte sich vom Wirbel um seine Person ziemlich unbeeindruckt. "Servus, mein Name ist Takashi Usami. Nennen Sie mich Takash", gab Bayerns neue "Nummer 14" mit einer für sein eher schmächtiges, jugendliches Aussehen eigentlich unerwartet tiefen Stimme die ersten deutschen Sätze zum Besten. Auch bei den Nachfragen der diversen Pressevertreter blieb der Mann aus Nagaokakyo ganz gelassen und schien beinahe weniger aufgeregt, als seine Dolmetscherin Yoko.

"Werde meinen Stil durchziehen"

Schon in den ersten Trainingseinheiten habe er gemerkt, auf was für einem "hohen Niveau" die Münchner agieren, für ihn gelte es daher jetzt einfach "möglichst viel zu spielen und Tore zu schießen". Stark beeindruckt haben Usami dabei bislang Franck Ribery und Arjen Robben, seine Rivalen um die Plätze auf den Flügelpositionen, die eine "ähnliche Spielweise" hätten, wie er selbst.

Einschüchtern lassen will sich der Emporkömmling, der 2010 zum besten Nachwuchsspieler der heimischen J-League gekürt wurde, vom Vorsprung der beiden Superstars nicht - das verbietet sein beachtliches Selbstvertrauen: "Meine Stärken sieht man, wenn der Ball bei mir ist", meinte Usami. "Ich werde meinen Stil auch in Deutschland durchziehen."

Heynckes mahnt zur Geduld

Die Chance, auf sich aufmerksam zu machen, soll der Teenager schon in den nächsten Tagen beim Liga total! Cup in Mainz bekommen. Trainer Jupp Heynckes schätzt die Fähigkeiten und den Fleiß des Technikers, weiß aber auch, dass "das hier alles Neuland für ihn ist, er wird sicherlich ein bisschen Zeit brauchen, um sich zu integrieren".

Mit anderen Worten: Usami erhält erst einmal eine kleine Schonfrist, vielleicht kann der Dribbelkünstler mit den schmalen Schultern diese Phase aber auch nutzen, um sich aus der Außenseiterrolle seinen Platz in der Mannschaft zu erobern. Nerlinger ist sich jedenfalls sicher, dass der FCB an seinem "Juwel" aus Japan "viel Freude" haben werde.

Vom FC Bayern berichtet Stefan Missy