Gelsenkirchen - Es war ein geglücktes Jubiläum für Huub Stevens. Beim 4:0-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg nahm der Niederländer zum 200. Mal auf der Trainerbank des FC Schalke 04 Platz. Als "i-Tüpfelchen" kletterten die "Knappen" zudem auf einen Champions-League-Qualifikationsplatz. Ein perfekter Samstagnachmittag aus Schalker Sicht - könnte man meinen. Doch rundum zufrieden war der 58-Jährige nicht.

"Wir haben sehr effektiv gespielt. Doch spielerisch war es nicht das, was ich mir zuhause vorstelle", bemängelte der Fußball-Lehrer. Seine Mannen stießen ins gleiche Horn. "Wir haben kein gutes Spiel gemacht, aber unsere Chancen eiskalt genutzt", äußerte sich Linksverteidiger Christian Fuchs selbstkritisch gegenüber bundesliga.de.

Uchida und Baumjohann überzeugen

Dabei lautete die spannende Frage vor dem Nürnberg-Spiel: Wie verkraftet Schalke das verletzungsbedingte Fehlen von Kapitän Benedikt Höwedes (Außenbandriss) und Flügelflitzer Jefferson Farfan (Knieverletzung)? Die Antwort gaben Atsuto Uchida und Alexander Baumjohann, die für Höwedes und Farfan in die Startformation rückten.

Beide sorgten mit ihren soliden Leistungen dafür, dass der Ausfall der beiden Leistungsträger dem Schalker Spiel nicht anzumerken war. "Der Trainer hat vom ersten Tag an deutlich gemacht, dass jeder Spieler eine wichtige Rolle spielt", sagte Lewis Holtby.Baumjohann wäre sogar beinahe ein Tor gelungen.

Nach einem genialen Pass von Holtby in die Schnittstelle der Nürnberger Abwehrreihe scheiterte der Farfan-Ersatz zunächst an FCN-Torwart Raphael Schäfer, doch im Nachsetzen war der "Maskenmann" zur Stelle. Die Rede ist von Klaas-Jan Huntelaar. Erst vor etwas mehr als zwei Wochen zog sich der Angreifer einen doppelten Nasenbeinbruch zu.

Seinen Torriecher hat er aber nicht verloren. Im Gegenteil! Nach Rauls Treffer zum 2:0 ließ der Niederländer in der 66. Minute seinen zweiten Treffer folgen. Es war sein zwölftes Saisontor im zwölften Spiel - eine beeindruckende Quote.

Holtby macht´s wie Neymar

Den Schlusspunkt setze Holtby, der wohl eines seiner besten Spiele im "königsblauen" Trikot seit seiner Rückkehr aus Mainz absolvierte. Kreativ zeigte sich der "Sechser" aber nicht nur auf dem Platz, sondern auch beim Torjubel. Mit einer tänzerischen Einlage feierte seinen Treffer zum 4:0.

"Bei dem Spielstand kann man das mal machen. Ich bin jung, viel auf "youtube" unterwegs und finde das sehr lustig", erklärte der U-21-Nationalspieler, der sich vom brasilianischen Nationalstürmer Neymar inspirieren ließ. Seine außergewöhnlichen Torjubel will der 21-Jährige aber nicht nur in der Bundesliga, sondern irgendwann auch in der Champions League zeigen. "Dort will jeder Fußballer hin, auch ich!" Doch ist Schalke schon reif für die "Königsklasse"?

Derby als Gradmesser

Punktemäßig auf jeden Fall. Aus den vergangenen sieben Partien holte die Stevens-Elf 16 Zähler, das macht im Schnitt knapp 2,3 Punkte pro Spiel. Mit 28 Treffern stellen die "Königsblauen" hinter dem Spitzenreiter Bayern München (32) die zweitbeste Offensive der Bundesliga. Und auch in der Defensive klappt das Zusammenspiel immer besser. In den vergangenen fünf Pflichtspielen konnte Schlussmann Lars Unnerstall drei Mal seinen Kasten sauber halten.

Allerdings gebe es noch "viel zu verbessern. Die Passquote, das kompakte Verteidigen und das Umschaltverhalten ist noch ausbaufähig bei uns", führte Holtby auf Nachfrage von bundesliga.de aus. Als Gradmesser wird am kommenden Samstag das Ruhrpott-Derby bei Borussia Dortmund fungieren. Da wird sich zeigen, ob Schalke tatsächlich genügend Qualität hat, um am Ende der Saison einen der ersten vier Plätze zu belegen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Robin Schmidt