Augsburg/Leverkusen - Die Gastgeber sehnen sich nach dem ersten Sieg ihrer Bundesliga-Geschichte, die Gäste wollen sich schon in Stimmung bringen für die Champions League - im Freitagsspiel eröffnen der FC Augsburg und Bayer Leverkusen den 5. Spieltag (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Die drei Augsburger Saisontore erzielte bislang allesamt Sascha Mölders. Die Fuggerstädter müssen aufpassen: Zuletzt blieb der SSV Ulm in der Saison 1999/2000 als Liga-Neuling zum Start vier Spiele ohne Sieg und musste am Ende wieder absteigen.

"Nicht kampflos ergeben"

Auf dem Weg zum ersten "Dreier" in der Premieren-Saison im "Oberhaus" soll wahrscheinlich Dawda Bah über die rechte Seite für neuen Schwung sorgen. Der 27-jährige Mittelfeldspieler kam von HJK Helsinki zu den Schwaben.

Und vielleicht stapelt Manager Andreas Rettig auch nur bewusst tief, um den Favoriten in Sicherheit zu wiegen. "Wir sind natürlich kein ernsthafter Wettbewerber", sagte Rettig, aber: "Wir werden uns nicht kampflos ergeben."

Callsen-Bracker gegen die Vergangenheit

Auch Jan-Ingwer Callsen-Bracker, für den die Partie gegen seinen ersten Profi-Club eine besondere ist, füht sich in die Rolle des Außenseiters. Für einen Sieg "müsste wirklich alles hundertprozentig passen", sagte Callsen-Bracker: "Wir sind krasser Außenseiter."

Zwischen 2003 und 2008 verpasste der Verteidiger den Durchbruch bei Bayer, danach hatte er bei Gladbach viel Verletzungspech. Für Augsburg war er in der laufenden Saison in allen vier Spielen im Einsatz, das sei nach all den Rückschlägen "eine Genugtuung". Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng steht FCA-Trainer Jos Luhukay wegen einer Sprunggelenksverletzung nicht zur Verfügung. Der Coach betonte im Vorfeld noch einmal das klare Ziel für seine Mannschaft. "Wenn wir in der Bundesliga bleiben, hätten wir Sensationelles erreicht", so der Niederländer. Der erste Sieg wäre da sicher ein guter Anfang.

Balance finden zwischen Alltag und Highlight

Der Gegner aus dem Rheinland hat andere Sorgen. Vor der Kür, die für Leverkusen am nächsten Dienstag in der "Königsklasse" gegen den FC Chelsea ansteht, heißt die Pflicht FC Augsburg. "Wir lassen die Vorfreude auf diese Partie erst nach dem Schlusspfiff in Augsburg an uns ran. Wir konzentrieren uns zu einhundert Prozent auf die Partie in Augsburg", betonte Robin Dutt.

"Die Spieler sind auf derartige Situationen mit Spielen gegen Gegner, in denen Pflichtsiege eingefahren werden müssen, und Duelle mit Hochkarätern vorbereitet. Damit müssen sie umgehen können." Der Bayer-Trainer, der die Länderspielpause für erste Video-Analysen des englischen Clubs nutzte, beobachtete bei seinem Team "unheimlich viel Spaß und Konzentration im Training".

Dutt erwartet keine Mauertaktik

Der 46-Jährige ergänzte mit Blick auf den Auftritt in Schwaben: "Es wird ein komplett anderes Spiel als zuletzt gegen Bremen, Stuttgart oder Dortmund, weil die Favoritenrolle deutlicher aufgeteilt ist als in den drei Partien zuvor. Konzentration und Disziplin auf unserer Seite werden die Basis dafür sein, dass wir Augsburg spielerisch knacken." Er erwarte zwar keine Mauertaktik der Gastgeber, aber auch "keine Mannschaft, die ins offene Messer läuft".

Und sicherlich würden ihm eigene Treffer mal wieder gut gefallen. Nur zwei Tore brachte Bayer in den bisherigen vier Punktspielen (Gesamt: 2:2 Tore) zustande. "Wir haben uns in der Länderspielpause sehr gut vorbereitet und sind gut gerüstet für die Partie. Wir fahren da mit breiter Brust hin und sind immerhin seit drei Spielen ungeschlagen", ist Gonzalo Castro zuversichtlich.

Kadlec fehlt gesperrt, Ortega im Pech

Verletzt fehlen werden beim Auftritt in Augsburg weiterhin die Torhüter Rene Adler und Fabian Giefer, Abwehrspieler Bastian Oczipka sowie die beiden Mittelfeldakteure Tranquillo Barnetta und Michael Ortega. Zudem muss Dutt auch auf Michal Kadlec verzichten: Der Tscheche, zuletzt bei den Länderspielen in hervorragender Verfassung, ist nach seiner Roten Karte aus der Partie gegen Meister Dortmund gesperrt.

Angesprochen auf die Verletzung von Ortega, der sich gleich im Auftakttraining am Meniskus verletzte und operiert werden muss, sagte Dutt: "Das ist natürlich kein schöner Start für ihn, aber bei dieser Verletzung verliert man körperlich eigentlich nicht so viel. Aber es ist schade für den Jungen." Zum Rehabilitationsverlauf bei Oczipka und Giefer stellte Dutt fest: "Bastian dreht bereits seine Runden um den Platz. Ich denke, er wird in den nächsten 14 Tagen die ersten Arbeitsversuche machen. Bei Fabian sieht das ähnlich aus."

Augsburg muss indes auf Marcel de Jong (Außenbandverletzung), Paul Verhaegh und Torsten Oehrl (beide Knieverletzungen) verzichten. Marcel Ndjeng zog sich zudem unter der Woche eine Sprunggelenkverletzung zu und wird bis zu fünf Wochen fehlen.