Es ist die alte Geschichte vom Hasen und dem Igel. Der eine läuft und läuft - und der andere ist immer schon da. So müssen sich zurzeit die Dortmunder fühlen: Der BVB siegt und siegt - doch in der Tabelle geht's nicht weiter nach oben. Und ausgerechnet der Erzrivale aus Gelsenkirchen steht auch immer noch vor den Schwarz-Gelben.

Eigentlich hätte der letzte Spieltag perfekt für die "revierinterne" Wachablösung gedient: Der BVB gewinnt 2:0 gegen den HSV, feiert den 400. Heimsieg der Bundesliga-Historie, schraubt seine Serie auf fünf Siege in Folge - und wartet auf die Schalker Niederlage beim FC Bayern.

Dortmund bleibt dran

Vergeblich. Die "Knappen" spielten nicht mit, gewannen ihrerseits mit 1:0 und ließen Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seufzend feststellen: "Wir haben immerhin ein Tor gut gemacht auf die Schalker. Sie spüren uns im Nacken."

Das bundesligainterne Ruhrpott-Duell Richtung Europa League, sie nehmen es mit Humor in Dortmund. Und ganz gelassen. Kein Wunder, denn die eigene Leistung kann sich ebenso sehen lassen wie die eigene Bilanz.

"Leidenschaft, Kampf und Spielfreude", lobte BVB-Präsident Reinhard Rauball nach dem Sieg über den HSV, Sportdirektor Michael Zorc hob "unsere hohe Ball- und Passsicherheit" lobend hervor.

Keine "Arroganz in Vollendung"

Dass neben Schalke auch die andere Konkurrenz auf den vorderen Plätzen weiter punktet und der Abstand in der Tabelle auf Rang fünf und die Europa League immer noch fünf Punkte beträgt, nimmt man beim BVB eher beiläufig zur Kenntnis.

"Wenn man sich jetzt nicht mehr über ein 2:0 gegen den HSV freuen darf, nur weil die anderen Ergebnisse nicht stimmen, dann ist das Arroganz in Vollendung", meint Michael Zorc.

Jürgen Klopp sieht's ähnlich: "Wir ziehen unsere maximale Motivation aus der Tatsache, ein Fußballspiel gewinnen zu können, nicht aus der Tabelle."

Zusätzlicher Anreiz

Klettern allerdings würden die Dortmunder schon gerne noch zwei Plätze in Richtung des lukrativen Europapokals. Oder wenigstens einen Rang, um am Ende der Saison erstmals seit der Spielzeit 2003/04 endlich mal wieder vor dem blau-weißen Dauerrivalen zu stehen.

Auch BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball hat im Interview mit bundesliga.de nicht verhehlt, dass "es auch einen zusätzlichen Reiz ausmacht, dass gerade der Revierrivale aus Gelsenkirchen ein Kontrahent um einen guten Tabellenplatz ist".

Individuelle Duelle

Und nicht nur das. Duelle zwischen Schwarz-Gelb und Blau-Weiß gibt es auch noch in anderer Hinsicht. So jagt Dortmunds Top-Stürmer Alexander Frei mit derzeit elf Treffern Schalkes Kevin Kuranyi, der zwölf Tore auf seinem Konto hat.

Und BVB-Keeper Roman Weidenfeller liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Manuel Neuer - beide haben in dieser Saison schon zehn Mal ihren Kasten sauber gehalten und zu Null gespielt.

Schwarz-Gelbe Welle rollt über den Main

In einer Hinsicht allerdings hat Dortmund uneinholbar die Nase vorn: Die Stadt erhielt in der vergangenen Woche den Zuschlag für das neue Fußballmuseum des DFB - Mitbewerber Gelsenkirchen hatte das Nachsehen.

Mit Blick auf den nächsten Spieltag jagt der BVB nun nicht mehr und nicht weniger als seinen Vereinsrekord. Bei Eintracht Frankfurt soll am Samstag der sechste Sieg in Serie her - das gab es in der Historie nur einmal in der Meistersaison 2002 unter Matthias Sammer. Bis zu 10.000 Fans wollen die Mannschaft nach Frankfurt begleiten, um Historisches mitzuerleben.

Geduld, Geduld

Dass die Borussia mit einem Erfolg auch am Erzrivalen vorbeiziehen kann, bleibt dabei zunächst aber nicht mehr als ein Wunsch der Dortmunder Anhänger. Schalke 04 tritt parallel gegen Bayer Leverkusen an.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Wie sagte doch Jürgen Klopp mit Blick auf die aktuelle Tabelle? "Fußball ist das Spiegelbild des Lebens. Harte Arbeit wird nicht immer sofort belohnt."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte