Berlin - Einmal pro Jahr putzt sich Berlin heraus, lautstarke Menschentrauben bevölkern dann Straßen, Cafes und Kneipen und die Hauptstadt verwandelt sich in ein Fahnenmeer. Bislang waren es zumeist rot-weiße Flaggen, weiß-blaue oder auch mal grün-weiße - und sogar Fußballbanausen wussten dann, dass mal wieder das Pokalfinale ansteht.

Doch wenn es in den Vorjahren schon ein reges Treiben war, dann ist es in diesen Maitagen eine wahre Völkerwanderung, die sich aus dem Ruhrpott nach Berlin aufgemacht hat: Die deutsche Hauptstadt ist vor dem Duell zwischen Dortmund und dem FC Bayern (ab 19:45 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) fest in BVB-Hand, und schwarz-gelbe Kolonnen bestimmen das Straßenbild, wohin das Auge reicht.

18.000 kartenlose Fans in der Waldbühne



Bereits am Freitag hatten sich viele Dortmunder Anhänger Richtung Nordosten aufgemacht, teilweise ohne Finalkarten. Aufgrund des großen Ansturms auf die Tickets wird daher zum ersten Mal ein Public Viewing in der Berliner Waldbühne stattfinden. Dort können bis zu 18.000 Fans, die keine Karte mehr ergattert haben, das Endspiel in unmittelbarer Nähe zum Berliner Olympiastadion verfolgen.

Unter der Leitung der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport haben Polizei, Feuerwehr, die Berliner Verkehrsbetriebe und der Veranstalter kurzfristig ein Veranstaltungskonzept entwickelt. Dieses soll Beeinträchtigungen zwischen Stadionbesuchern und Public-Viewing-Gästen auf ein Minimum reduzieren. Nach Prüfung und Abwägung aller Möglichkeiten kam einzig die benachbarte Waldbühne in Betracht.

Dort wird sich auch Annette das Spiel anschauen, da sie nicht zu den glücklichen Kartenbesitzern gehört. Für die 39-Jährige, die sich - wie die allermeisten Dortmunder Anhänger - in schwarzgelbe Montur geworfen hat, ist es keine Frage, wer am Ende den Pokal in den Himmel recken wird. "Es ist völlig klar, dass die Borussia das Double feiern wird, weil wir durch die Meisterschaft enormen Auftrieb haben. Wir haben vier Mal gegen die Bayern gewonnen, also werden wir sie auch noch ein fünftes Mal schlagen. Außerdem haben wir einen super Motivator als Trainer."

Bayern-Fan Neuner trägt den Pokal ins Stadion



Dem widerspricht Jörg, Annettes Lebensgefährte vehement. Jörg ist nämlich Bayern-Fan und will nicht ein fünftes Mal familieninternen Spott ertragen müssen. "Wir Bayern haben seit Tagen den Tunnelblick und wollen uns unbedingt mit dem Pokalsieg auf das Champions-League-Finale einstimmen. Uns kommt zugute, dass Bastian Schweinsteiger endlich wieder in Schuss ist, außerdem haben wir einen Weltklassetorwart, der notfalls auch einige Elfmeter halten wird. Aber dazu wird es erst gar nicht kommen."

Im Olympiastadion selbst werden von den gut 74.000 Zuschauern jeweils 30.000 Fans beider Lager anwesend sein, wobei die stimmgewaltigen BVB-Anhänger auch dort wohl die Übermacht haben werden. Doch auch wenn der FC Bayern stimmungstechnisch unterlegen sein wird - einen "Trumpf" hat der Rekordmeister dennoch in der Hinterhand: Edelfan Magdalena Neuner, die ihre Biathlon-Karriere mittlerweile beendet hat, wird kurz vor dem Anpfiff den DFB-Pokal ins Berliner Olympiastadion bringen.

"Es ist eine Riesenehre, ich freue mich, dass ich das machen darf", erklärte die mehrfache Olympiasiegerin. Für wen das Herz der gebürtigen Bayerin anschließend schlagen wird, ist klar: "Ich werde natürlich schon meine Daumen für die heimische Mannschaft drücken und tippe auf einen 2:1-Sieg des FC Bayern. Damit könnten die Fans mit den rot-weißen Flaggen leben - selbst in Unterzahl.

Aus Berlin berichtet Johannes Fischer