Neapel - Das Fußball-Wunder blieb am Donnerstagabend im Stadion Sao Paolo am Fuße des Vesuv aus. Doch nach dem 2:2 gegen den SSC Neapel kann der VfL Wolfsburg trotzdem Europas Fußballbühne erhobenen Hauptes verlassen. Und keine Sorge, schon in der nächsten Saison kehren die Wölfe zurück, dann wahrscheinlich eine Etage höher in der Champions League.

Kurzzeitig fühlte man sich an das Hinspiel erinnert. Nach dem 2:0 durch den Niederländer Dries Mertens (65.) drohte den Wölfen ein erneutes Debakel...

Der VfL zieht Lehren aus dem Hinspiel

Doch dieses Mal reagierte das Team, das vier wichtige Ausfälle zu beklagen hatte, besser. "Im Hinspiel haben wir den Fehler gemacht, naiv nach vorne zu spielen. Wir haben versucht, diesen Fehler heute nicht zu machen. Das war heute der Unterschied. Wir haben aus dem Hinspiel einiges mitgenommen", erklärte Cheftrainer Dieter Hecking.

In der Vorwoche rannten die Wölfe in der Volkswagen-Arena nach dem Rückstand naiv nach vorne und wurden so von den clever agierenden Neapolitanern bestraft. Am Ende hieß es 1:4. Das Ausscheiden war schon vor dem Rückstand so gut wie besiegelt. "Im Hinspiel hatten wir Inter als Vorbild. Da lagen wir auch 0:1 hinten und haben noch 3:1 gewonnen. Wir haben gedacht, das ginge gegen Neapel genauso. Aber der SSC hat eine andere Qualität", so der VfL-Trainer weiter.

Hecking: "War mit der Leistung durchaus zufrieden"

In Heckings 200. Pflichtspiel als Wolfsburg Trainer stellte der VfL mit 65 Prozent Ballbesitz einen neuen Europa League Vereinsrekord auf. Bisheriger Bestwert war das Heimspiel in der Gruppenphase gegen den FC Everton (0:2) als die Wolfsburger 60 Prozent Ballbesitz erzielten. Besonders in der ersten Hälfte machten die Niedersachsen aus diesem vermeintlichen Vorteil jedoch zu wenig auch wenn Hecking mit der Leistung der ersten 45 Minuten durchaus zufrieden war. "In der ersten Halbzeit war ich sehr einverstanden mit der Leistung meiner Mannschaft. Leider machen wir nicht das Tor. Wir hätten gerne in Führung gehen können, dann fällt vielleicht das zweite Tor und es wird noch einmal spannend."

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit machte der Spanier Jose Callejon jegliche Hoffnung auf ein Wölfe-Wunder mit dem 1:0 zunichte. Man sah den Wölfen den Knacks im Spiel deutlich an, das gab auch Marcel Schäfer zu: "Wir wollten das Wunder noch schaffen. Das Gegentor war dann sicherlich ein Rückschlag. Es spricht jedoch für die Mannschaft, dass wir uns nicht aufgegeben haben. Nach dem 2:0 des SSC zeigte der VfL eine positive Reaktion. Das registrierte auch Sportchef Klaus Allofs: "Wir haben schlauer gespielt als im Hinspiel. Nach dem 1:4 wurden wir schon in eine andere Kategorie eingeordnet. Die Mannschaft hat aber gezeigt, dass sie auf diesem Niveau mithalten kann. Wir haben uns weiterentwickelt."

De Bruyne und Co - der VfL kann auch ohne

Trainer Hecking wird auch positiv zur Kenntnis genommen haben, dass seine Mannschaft auch ohne ihren Superstar Kevin de Bruyne international konkurrenzfähig ist. Der Belgier und auch die drei anderen Verletzten (Andre Schürrle, Vieirinha und Aaron Hunt) werden Stand heute auch am Sonntag in Mönchengladbach ihrem Team nicht helfen können. "Kevin ist jetzt zwei Tage behandelt worden. Schauen wir mal. Er wird nur spielen, wenn er fit ist. Wir spritzen niemanden fit" erklärte Allofs.

Für den VfL geht es nach der Rückkehr nach Wolfsburg ohne große Pause weiter. Bereits am Sonntag gastiert der Tabellenzweite beim Dritten aus Mönchengladbach. Am Niederrhein können die Wölfe einen riesengroßen Schritt Richtung direkte Champions League-Qualifikation, respektive Vizetitel machen."Wir sind fokussiert auf Gladbach", stellte Hecking klar und auch Marcel Schäfer schlug bereits kurz nach Spielende den Bogen auf die anstehenden Partien. "Das sind jetzt die entscheidenden Wochen. Gerade für diese Spiele am Saisonende spielt man Fußball", so Linksverteidiger Schäfer. Der VfL-Routinier freut sich schon besonders auf die Pokalpartie am kommenden Mittwoch gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld.

"Jeder weiß, wie heiß wir auf Berlin sind. Diego Benaglio und ich sind zweimal in Folge im Halbfinale gescheitert. Dieses Mal soll es klappen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie heiß ich bin." Auch sein Trainer stellte zum wiederholten Male klar: "Wir wollen nach Berlin." Sportchef Allofs wollte sich mit dem Pokalspiel überhaupt noch nicht beschäftigen. "Das habe ich überhaupt noch nicht auf dem Schirm. Erst geht es nach Gladbach und auch das müssen wir uns cleverer und schlauer verhalten, sonst wird es verdammt schwer."

Aus Neapel berichtet Alexander Barklage