Über die berechtigte Kritik an seinen Spielern ging er lächelnd hinweg, dafür übte Jürgen Klopp nach seinem Pflichtspiel-Debüt als Trainer von Borussia Dortmund bemerkenswerte Selbstkritik.

"Ich muss wohl einfach an meiner Wortwahl arbeiten", meinte der "TV-Bundestrainer" und spielte auf die Rote Karte seines Youngsters Bajram Sadrijaj zwölf Sekunden nach dessen Einwechslung beim 3:1 (1:1)-Sieg im Erstrundenspiel des DFB-Pokals bei Rot-Weiß Essen an.

"Diesen Platzverweis nahme ich zu 70 Prozent auf meine Kappe", sagte Klopp, der sich am Spielfeldrand noch heftig aufregte über die Entscheidung von Schiedsrichter Felix Brych (München), beim Studium der TV-Bilder aber eine "berechtigte Rote Karte" erkannte. "Ich habe Bajro gesagt, er soll engagiert in die Zweikämpfe gehen. Das hat er wohl leider etwas überinterpretiert", meinte Klopp: "Am Ende kann man nur froh sein, dass Dennis Bührer nichts passiert ist. "

BVB wendet Blamage ab

Den Essener hatte Sadrijaj direkt bei seiner ersten Aktion in einem Profispiel übel umgetreten. Dass er anschließend mit dem RWE-Akteur Michael Lorenz aneinandergeriet, erklärte Klopp wie so oft mit seinem Lausbubencharme: "Wir sind beide schlecht rasiert und zu aggressiv. Wir sind einfach viel zu ähnlich, um uns während eines emotionalen Fußball-Spiels zu verstehen."

Ganz sanft war "Kloppo" anschließend bei der Spielanalyse. Dabei hatte sein Team über weite Strecken enttäuscht, nach dem 1:1 durch einen Sonntagsschuss von Stefan Lorenz (18.) am Rande einer Blamage gestanden und erst in der letzten halben Stunde durch Tore von Florian Kringe (59.) und Nelson Valdez (70.) seine Routine ausgespielt.

"Habt ihr so viel Zeit?"

"Es wundert mich, dass alle meinen, ein Bundesligist müsste bei einem Regionalligisten 12:0 gewinnen", meinte der BVB-Coach, nachdem der Vorjahresfinalist die zweite Runde gebucht hatte. "Das nicht alles perfekt war, ist uns klar", bekannte er: "Aber wir wollten hier weiterkommen und nicht unser Limit austesten. Ich bin zufrieden, wie die Mannschaft sich diesen Sieg erkämpft hat. Sie hat das neue Gesicht angedeutet, von dem wir alle seit fünf Wochen reden. Von daher war es ein guter erster Schritt. "

Dass sich der Trainer damit entgegen seinem eigenen Perfektionismus demonstrativ vor die Mannschaft stellte, bewies er auf die Nachfrage, was ihm denn nicht gefallen habe. "Habt ihr so viel Zeit?", fragte er in die Runde. Die gröbsten Mankos waren deutlich sichtbar. Die "Kinderriegel-Abwehr" mit Mats Hummel und Neven Subotic (beide 19) war noch sehr wackelig, Kringe und Giovanni Federico waren auf den offensiven Außenpositionen nahezu Totalausfälle.

Mut machten eine Woche vor dem Bundesliga-Start dagegen der starke Neuzugang Tamas Hajnal, der auch das 1:0 erzielte (13.), und das einstige Sorgenkind Valdez, das vor Spielfreude sprühte. So konnte Klopp letztlich auch sich selbst die Rote Karte verzeihen und kam zu dem Schluss: "Insgesamt war es ein guter Tag."