London - Die Derbyhelden von Schalke 04 stiegen in Düsseldorf gerade in ihren Flieger, da begrüßte Lukas Podolski im Londoner Nebel die deutschen Journalisten mit einem stilechten "Good morning". Der neue Fanliebling des FC Arsenal feixte im letzten Training vor seinem ersten Wiedersehen mit einem Bundesliga-Club am Mittwoch (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) in der Champions League mit seinem Teamkollegen Per Mertesacker, das Reden überließ er aber den anderen.

"Der schießt auch nur aufs Tor", sagte etwa Schalkes Torwart Lars Unnerstall, mit dem Selbstbewusstsein des ausgestattet, ganz lapidar. Und Torjäger Klaas-Jan Huntelaar merkte an: "Natürlich müssen wir auf ihn aufpassen, aber auch auf ihre Klassespieler im Mittelfeld."

"Wer in Dortmund gewinnt, kann auch bei Arsenal etwas holen



Als die "Königsblauen" um 11.59 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Luton landeten - auch der Julian Draxler war nach seinem Handbruch wieder dabei -, war das Derbysieger-Dauergrinsen noch immer nicht aus ihren Gesichtern gewichen, und die Brust unverändert breit. "Das ist zwar auch ein Weltklasseverein", sagte Mittelfeldspieler Roman Neustädter über den 13-maligen englischen Meister: "Aber wer in Dortmund gewinnen kann, kann auch bei Arsenal etwas holen."

Der jüngste Höhenflug der Schalker, die seit acht Pflichtspielen auswärts ungeschlagen sind, wird auch in London registriert. "Sie haben technisch versierte, temporeiche Spieler, ihr Spiel ähnelt unserem", sagte Mertesacker voller Hochachtung, "und in der Defensive gehen sie immer rigoros zu Werke. Da ist es schwer durchzukommen." Seine Prognose: "Wir werden wohl Platz 1 und 2 unter uns ausmachen."

Höwedes trifft auf Nationalelfkollegen Podolski und Mertesacker



Arsenal ist in diesem Zweikampf im Vorteil - nicht zuletzt wegen Podolski, der vom kölschen Prinzen ganz schnell zum "King" von Nord-London geworden ist. Zwei Tore steuerte der 27-Jährige zu den ersten beiden Siegen in der "Königsklasse" bei. Schalke liegt nach dem unnötigen 2:2 gegen HSC Montpellier zwei Zähler zurück. "Wir wollen auf jeden Fall etwas Zählbares mitnehmen, wenn möglich drei Punkte", sagte Huntelaar.

Für Kapitän Benedikt Höwedes ist das Duell am Mittwoch ein schnelles Wiedersehen mit Podolski und Mertesacker. "Ich habe schon bei der Nationalmannschaft ihnen ein wenig gefrotzelt, wer denn gewinnt", berichtete der Abwehrspieler. Vor allem mit Mertesacker, zu dessen Geburtstagsparty er Ende September nach London reiste, versteht sich Höwedes bestens, aber "am Mittwoch kann von Freundschaft natürlich keine Rede sein".

Nur ein Schalker Punkt in fünf England-Gastspielen



Ein Wiedersehen feiern auch die beiden Trainer Huub Stevens und Arsene Wenger. Vor elf Jahren trafen sie schon ein in der Champions-League-Vorrunde mit ihren Clubs aufeinander, am 19. September 2001 verlor Schalke im alten Highbury-Stadion 2:3. Die Bilanz der Schalker im Fußball-Mutterland ist ohnehin ernüchternd. In fünf Gastspielen erreichten sie nur ein Remis, das beinahe so lange zurückliegt wie der letzte Meistertitel: Am 12. November 1958, ein halbes Jahr nach dem siebten Titelgewinn, gelang ein 2:2 bei den Wolverhampton Wanderers. Danach setzte es vier Niederlagen.

Die Gunners haben deutsche Clubs gerne zu Gast. Neun von elf Heimspielen gewannen sie, zuletzt sechs in Folge. Nur Borussia Mönchengladbach siegte am 10. September 1996 im UEFA-Cup 3:2 in Highbury.

Die Gegenwart dürfte allerdings Schalke Mut machen. Nach dem peinlichen 0:1 bei Norwich City am vergangenen Samstag sind King Poldi und Co. auf Platz 9 zurückgefallen. Außerdem fehlt fast eine komplette Mannschaft verletzt.


Voraussichtliche Aufstellungen:



Arsenal:

Mannone - Jenkinson, Mertesacker, Vermaelen, Andre Santos - Arteta, Ramsey, Cazorla - Gervinho, Giroud, Podolski

Schalke:

Unnerstall - Uchida, Höwedes, Matip, Fuchs - Höger (Jones), Neustädter - Farfan, Holtby, Afellay - Huntelaar

Schiedsrichter:

Jonas Eriksson (Schweden)