Hamburg - In neun Jahren wurde Youri Mulder auf Schalke zum Publikumsliebling. Ausgerechnet beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte war der Niederländer zum Zuschauen verdammt.

In den Halbfinalpartien gegen CD Teneriffa und in den Final-Spielen gegen Inter Mailand stand Mulder wegen eines Kreuzbandrisses nicht im Kader der "Eurofighter".

Noch heute denkt der 42-Jährige gern an seine Zeit bei den Knappen zurück. "Ich war insgesamt fast zehn Jahre auf Schalke. Das vergisst man nicht", so Mulder, der in seiner Profi-Karriere neben dem FC Schalke nur für Twente Enschede gespielt hat - eher eine Seltenheit in dem Geschäft.

Auch wenn es 1997 "eine ganz andere Situation" war, traut Mulder dem FC Schalke 04 in einem Gespräch mit bundesliga.de im Champions-League-Viertelfinale gegen Titelverteidiger Inter Mailand durchaus eine Überraschung zu.

bundesliga.de: Herr Mulder, verfolgen Sie das Geschehen bei ihrem Ex-Verein Schalke 04 noch?

Youri Mulder: Natürlich. Ich war insgesamt fast zehn Jahre auf Schalke. Das vergisst man nicht. Es war eine schöne Zeit.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die aktuelle Saison?

Mulder: Ich finde, es ist eine Super-Saison für den Club. Pokalfinale, Champions-League-Viertelfinale - das ist doch toll.

bundesliga.de: Aber in der Bundesliga läuft es nicht so gut. Da spielt Schalke 04 gegen den Abstieg.

Mulder: Das darf doch nicht überraschen. Die Mannschaft ist auf vielen Positionen verändert worden, befindet sich im Umbruch. Da kann nicht immer alles klappen. Die Mannschaft musste sich ja neu finden. Das hat der Verein aber auch gewusst. Felix Magath wurde ja auch geholt, um die Gehaltsstrukturen zu verändern. Das Budget für Gehälter war einfach zu hoch. Es war sein Auftrag, das zu senken.

bundesliga.de: Hat Sie die Entlassung von Magath überrascht?

Mulder: Absolut. Ich bin zwar nicht so nah dran, dass ich alles beurteilen kann, was intern vorgefallen ist. Aber sportlich waren es zwei tolle Jahre mit der Vize-Meisterschaft und dem Abschneiden in Champions League und Pokal in dieser Saison. Und Abstieg ist für mich kein Thema mehr. Die Fortschritte sind nicht zu übersehen.

bundesliga.de: Kommen wir zum Spiel gegen Inter Mailand. Sie haben 1997 gegen die Mailänder den Uefa-Pokal gewonnen. Trauen Sie ihren Nachfolgern zu, gegen den Titelverteidiger ins Halbfinale der Champions League einzuziehen?

Mulder: Das war eine ganz andere Situation. Damals war Inter nicht so gut und stabil wie in den letzten Jahren. Sie hatten zwar auch ihre Superstars wie Ronaldo, Youri Djorkaeff... Aber sie spielten nicht jedes Jahr um den Titel mit, so wie in den letzten Jahren, wo sie immer vorn dabei waren mit dem Höhepunkt Champions-League-Sieg im letzten Jahr. Es wird auf jeden Fall schwerer als für uns damals.

bundesliga.de: Schalke also chancenlos?

Mulder: Nein, nein. Schalke hat mit Raul und Jefferson Farfan zwei überragende Spieler. Und Ralf Rangnick ist immer für eine taktische Überraschung gut. Das hat er in Hoffenheim immer wieder bewiesen. Er wird auch für Mailand die richtige Taktik finden.

bundesliga.de: Wie sollte Schalke in Mailand auftreten?

Mulder: Die Mannschaft sollte draufgehen, den Gegner überraschen. Und ich glaube, das wird sie auch machen. Rangnick hat auch mit Hoffenheim immer auf Sieg gespielt, sich nie versteckt, egal wer der Gegner war.

bundesliga.de: Sie mussten damals im Rückspiel nach San Siro. Ist es ein Vorteil, dass Schalke diesmal zuerst auswärts ran darf?

Mulder: Das ist sicherlich ein kleiner Vorteil.

bundesliga.de: Wie war die Stimmung damals in San Siro?

Mulder: Ich war ja wegen einer Verletzung leider nicht dabei, aber natürlich im Stadion. Die Stimmung war wahnsinnig, aber eher weil so viele Schalker Fans da waren. Die Italiener haben komisch geguckt und sich über die blau-weiße Invasion in der Stadt und im Stadion gewundert. Es war eher ein Heimspiel für uns. Ich bin sicher, die Schalke-Fans werden auch diesmal in Scharen nach Mailand strömen und die Mannschaft unterstützen.

bundesliga.de: Haben Sie noch Kontakt zu den "Eurofightern" von damals?

Mulder: Natürlich. Wir treffen uns manchmal und machen auch noch gelegentlich mal ein Freundschaftsspiel. So ein Erfolg schweißt natürlich zusammen. Diese Erfahrung wünsch' ich auch den Spielern, die jetzt das Schalke-Trikot tragen.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs